WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kunden gehen leer aus Der 15-Milliarden-Coup der Lebensversicherungen

Bleibt der 15-Milliarden-Jackpot in den Tresoren der Versicherer Quelle: Getty Images, pr, Montage

Anbieter sollen 20 Jahre lang zu wenig ausgeschüttet haben. Statt Kunden nachträglich Geld zu überweisen, wollen sie das Geld umschichten – und so ihre Eigenmittel stärken.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der Titel der Bundesrats-Drucksache 549/14 – „Verordnung über den kollektiven Teil der Rückstellung für Beitragsrückerstattung“ – hat das Potenzial, jeden Abgeordneten sofort in den Tiefschlaf zu versetzen. Doch der Tagesordnungspunkt, den der Bundesrat im kommenden Jahr abnicken soll, birgt enorme Sprengkraft.

Es geht um 15 Milliarden Euro, die Lebensversicherer in den vergangenen Jahren mit Kundengeldern erwirtschaftet haben. Die Milliarden sollen jetzt per Verordnung in einen neuen Topf wandern – und von dort aus nicht etwa unter den Kunden verteilt werden, sondern Versicherern auch als unternehmenseigener Sicherheitspuffer zur Verfügung stehen.

Die Ursache des Problems wurzelt in einer gut 20 Jahre zurückliegenden Gesetzesreform. Seit damals gelten für Kunden, die vor dem 1. Juli 1994 eine Police unterschrieben haben (Altkunden), und für alle, die danach unterzeichneten (Neukunden), unterschiedliche gesetzliche Regeln. Die Bundesregierung zwang die Versicherer daher, die Geldtöpfe von Alt- und Neukunden voneinander zu trennen.

Tipps: Die richtige Police finden

Lebensversicherer verbuchen Erträge, die sie mit dem Geld ihrer Kunden erwirtschaften, in mehreren Töpfen:

  • Erstens schreiben sie jedem Kunden die vertraglich garantierte Verzinsung zu. Im Sommer 1994 waren das 4,0 Prozent – gutgeschrieben wird der Satz je auf die Summe der eingezahlten Beiträge minus der Kosten; den Garantiezins gibt es also nur auf den vom Versicherer für Kunden tatsächlich angesparten Anteil. Ab 2015 kriegen neue Kunden 1,25 Prozent garantiert.
  • Zweitens bekommt der Kunde einen Bonus, die Überschussbeteiligung. Die bleibt auf dem persönlichen Vertragskonto des Kunden und wird ihm am Ende der Vertragslaufzeit zusammen mit dem Garantiezins ausgezahlt.
  • Drittens geht ein weiterer Teil der Erträge in die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Das Geld aus der sogenannten „freien RfB“ gehört auch den Kunden, ist aber noch keinem Vertrag individuell zugeteilt. Versicherer parken die Milliarden für schlechte Zeiten. Erwirtschaften sie an den Finanzmärkten zu wenig, etwa weil Zinsen niedrig sind oder die Börse crasht, teilen sie das Geld den Kunden zu. So wollen Versicherer starke Schwankungen in der Überschussbeteiligung abfedern.
Die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherer
Die Lebensversicherung ist für Millionen Deutsche der wichtigste Baustein der privaten Altersvorsorge. Die niedrigen Zinsen nagen aber seit Jahren an den Erträgen. Schon ab Juli könnten die Auszahlungen an Kunden per Gesetz weiter schmelzen. Dennoch wird es auch künftig deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherern geben. Für die Entscheidung, ob sich der Abschluss, das Halten bis zum Laufzeitende oder eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung lohnt, kommt es darauf an, wie gut die Lebensversicherung für einen lange Niedrigzinsphase gerüstet sind. Nachfolgend wichtige Kennziffern der zwölf größten Lebensversicherer, die insgesamt 60 Prozent des Marktes repräsentieren. Quelle: Geschäftsberichte der Versicherer, Prof. Hermann Weinmann (Hochschule Ludwigshafen) Quelle: dpa
Ein Schild mit dem Logo der Nürnberger Versicherungsgruppe Quelle: dpa/dpaweb
Bayern-VersicherungLaufende Verzinsung der Kapitalanlagen ohne Einmaleffekte 1: 2013: 4,0 % Laufende Verzinsung der Kapitalanlagen mit Einmaleffekten 1: 2013: 4,4 % Bewertungsreserven: 2013: 9,7 % der Kapitalanlagen Anteil Zinspapiere an Bewertungsreserven 2: 2013 (2012): ► Was der Versicherer verteilen kann ( Überschuss) 3: 2012: 14,5 % der Beiträge 2013: 12,8 % der Beiträge Wie lange die freien Mittel reichen ( Bilanzpuffer) 4: 2012: 3,1 Jahre 2013: 3,4 Jahre Stärken: hohe Reserven, gute KapitalanlageSchwächen, die sich in Niedrigzinsphasen besonders stark auswirken: keine Niedrigzins-Risiko für Anleger: niedrig 1Einmaleffekte: Gewinne und Verluste aus Anlageverkäufen sowie Zu- und Abschreibungen; 2im Vergleich zum Branchendurchschnitt; 3Kapitalerträge oberhalb der Garantieverzinsung + interne Überschüsse durch zu hoch angesetzte Kosten für Verwaltung und Vertrieb sowie Risiken (Berufsunfähigkeit, Tod); das Verhältnis von Überschuss zu Beiträgen zeigt, wie gut der Versicherer wirtschaftet; 4ein Wert von beispielsweise 2,0 besagt, dass der Versicherer seine laufende Überschussbeteiligung zwei Jahre lang aus den freien Mitteln finanzieren kann; je höher der Faktor, desto finanzstärker ist der Versicherer. Quelle: PR
Der Schriftzug "W&W württembergische" Quelle: dpa
Fahnen mit dem Logo der Allianz Quelle: dpa
R+V AG Quelle: Presse
CosmosDirekt Quelle: Presse

Topf mit Rückstellungen für Altkunden

Seit 1994 wurden Altkunden, deren Verträge ausliefen, aus den für sie bestimmten Geldtöpfen bezahlt. Neue Kunden kamen in der Sparte der Altkunden nicht mehr dazu. Mehr als zwei Drittel der ursprünglich 1994 von Altkunden versicherten Summe ist längst aus den Bilanzen der Versicherer verschwunden, weil Verträge gekündigt oder ausgezahlt worden sind. Der Topf mit den Rückstellungen für Altkunden hätte also nach und nach verteilt werden können.

Doch Versicherer, so bleibt zu vermuten, behielten das Geld auch, weil freie RfB als Sicherheitspuffer für das eigene Unternehmen gelten. Und weil sie damals ordentliche Erträge erwirtschafteten, verdoppelte sich das den Altkunden zustehende Geld zeitweise. Von 9,3 Milliarden Euro 1994 schwoll der Topf mit den Rückstellungen bis 2007 in der Spitze auf 18,6 Milliarden an; 2013 waren es immer noch 14,7 Milliarden.

Geld, das den Kunden zusteht

Es ist Geld, das den Kunden zusteht – es wurde schließlich mit ihren Beiträgen erwirtschaftet. Seit 1994 hätte die Branche „kontinuierlich zu wenig an die Kunden des Altbestands ausgeschüttet“, meint der Berliner Versicherungsrechtler Hans-Peter Schwintowski, Professor an der Humboldt-Universität Berlin. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher vom Bündnis 90/Die Grünen, sieht einen „Verstoß gegen die Ausschüttungspflicht“. Der Rückstellungs-Topf der Altkunden müsste „mit Abwicklung des letzten Altvertrags leer“ sein. Obwohl seit 1994 immer mehr Policen ausbezahlt wurden, ist der Geldtopf aber so voll wie selten.

Der Versichererverband GDV hält dagegen: „Der Topf der Altkunden konnte nicht kleiner werden, weil Versicherer gleich viel an alle Kunden ausschütten müssen“, sagt GDV-Geschäftsführer Peter Schwark. Laut Gesetz müssen Versicherer alle Kunden gleich behandeln, und neue Kunden hatten noch kein eigenes Geld gespart. Die Schuld an der Misere sieht der GDV daher bei der Regierung. Sie hat 1994 das System der Rückstellungen durcheinandergebracht.

Vier Versicherer verschweigen ihre Zinsen
Öko-Test: Töpfe der Versicherer sind prall gefülltDas Verbrauchermagazin Öko-Test hat die Ertragslage und die Stabilität der Lebensversicherer geprüft. Ergegnis: Die Branche verfüge weiterhin über hohe Bewertungsreserven. Auch die Töpfe mit bereits erzielten, aber noch nicht ausgeschütteten Gewinnen seien prall gefüllt: "Insgesamt schlummern hier weitere 40,8 Milliarden Euro, die eigentlich den Kunden zustehen." Die Finanzstärke der Versicherer wurde mit Schulnoten bewertet. Das ist wichtig für Verbraucher, die wissen wollen, ob ihr Versicherer seine Verpflichtungen erfüllen kann. Dabei wurde unterschieden nach großen und kleinen Versicherern. Ein "Sehr gut" erhielten nur einige kleine Unternehmen, unter den Großen aber keiner. Die Note zwei wurde dagegen immerhin acht Mal vergeben. Befriedigend und damit durchschnittlich lagen immerhin rund zwei Dutzend der Unternehmen. Der Rest landete im Vierer-Bereich.
Bund der Versicherten: "Die Versicherungen rechnen sich arm." Trotz des schwachen Zinsniveaus erwirtschafteten die Versicherer mit Kapitalanlagen immer noch hohe Gewinne, reagierte der Bund der Versicherten (BdV) auf Berechnungen von Öko-Test zur Finanzstärke der Lebensversicherer. Diese Gewinne würden in den Bilanzen aber schlichtweg verschleiert. „Die Versicherungen rechnen sich arm - auf Kosten der Kunden“, kommentierte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Dies geschehe laut Öko-Test zum einen mittels der sogenannten Zinszusatzreserve, welche die Unternehmen seit 2011 zu bilden verpflichtet sind. Diese zusätzliche Reserve soll Niedrigzinsphasen ausgleichen und so die garantierten Zinserträge der Kunden über viele Jahre hinweg langfristig sichern. Die Mittel für diese zusätzliche Reserve generierten die Unternehmen aus Kapitalerträgen. Demnach müssten sie in der Bilanz eigentlich als Gewinn auftauchen. Doch buchhalterisch werde so getan, als würden diese Mittel schon heute eine feste Zahlungsverpflichtung an den Kunden sein.
Was die Lebensversicherer mitteilen: vom Schlechtesten bis zum BestenDie jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung, allerdings ist die Begriffswahl nicht völlig einheitlich in der Branche. Manchmal ist auch von Gesamtverzinsung die Rede, obwohl Überschussbeteiligung gemeint ist. Diese Kennzahl setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Diese Prozentzahl ist meist höher und bezieht sich auf auslaufende Verträge, weil der Kunde noch etwas aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält.  Quelle: dpa
Map-Report: "Nicht verstecken"Aktuell sei die Bereitschaft der deutschen Lebensversicherer, Vorhabinformationen zu ihren Überschussdeklarationen zu geben, nicht besonders stark ausgeprägt, stellt der Branchenkenner Manfred Poweleit in seinem wöchentlichen Map-Fax fest. "Warum eigentlich?", so fragt er. "Nach wie vor hat die Lebensversicherung keinen Grund, sich zu verstecken. Im vergangenen Jahr 2013 wurden die Guthaben der Versicherten mit einer kapitalbildenden gemischten Lebensversicherung im Schnitt aller Rechnungszinssätze mit 3,66 Prozent verzinst."
Vier Versicherer, die lieber schweigenEinige Lebensversicherer liefern seit einigen Jahren keine Daten mehr, etwa an die Ratingagentur Assekurata. Die Analysten der Agentur fertigen jedes Jahr einen Überblick an, wie sich die Überschussbeteiligung und die Gesamtverzinsung von Lebensversicherungen entwickelt. Auf diese Weise sorgen sie für Transparenz in der Branche und für Kunden, die gerne wissen möchten, wie sich ihr Vertrag im Vergleich entwickelt. Doch folgende Versicherer schweigen lieber, wie eine Aufstellung von Assekurata im Internet ergibt. Dies sind: MÜNCHENER VEREIN Lebensversicherung a.G.Uelzener Lebensversicherungs-AktiengesellschaftVPV Lebensversicherungs-AGWWK Lebensversicherung a.G.Auch auf Nachfrage von Handelsblatt Online erfolgte bisher keine Reaktion dieser vier Versicherer.
WWK: keine AntwortDer Versicherer WWK nennt zwar keine Überschussbeteiligung für seine klassische Lebensversicherung. Stattdessen versucht das Unternehmen, sich mit anderen sich von der Konkurrenz abzusetzen. So sei das Unternehmen in der Kategorie „Inländische Anbieter - Agentur-und Maklervertrieb“ mit dem Titel „Bester Lebensversicherer Deutschlands“ ausgezeichnet worden. Jürgen Schrameier, Vorstandsvorsitzender der WWK, erklärte dazu: "Besonders stolz sind wir auf unsere seit vielen Jahren überdurchschnittlich hohe Substanzkraft. Sie ist der Garant für unseren Geschäftserfolg, dies gilt in Zeiten der Niedrigzinsphase stärker denn je.“ Auf Unternehmensebene berücksichtige die umfangreiche Analyse wesentliche Unternehmenskennzahlen wie Eigenkapital- und freie RfB-Quote im Verhältnis zur Deckungsrückstellung. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mit Beitragseinnahmen von rund einer Milliarde Euro zu den größten 30 Lebensversicherungen in Deutschland.
Münchener Verein: keine AntwortDas Versicherungsgeschäft werde nicht mit der primären Absicht der Gewinnerzielung betrieben, sondern vornehmlich zur Sicherung eines günstigen Versicherungsschutzes, erklärt das Unternehmen in einer Selbstdarstellung. Im Gegensatz zur Hauptversammlung der Aktiengesellschaft seien in der obersten Vertretung des Versicherungsvereins keine Personen vertreten, die Kapitalinteressen verfolgen, sondern Mitglieder, die gleichzeitig Versicherungsnehmer sind. Bei der Münchener Verein Kranken- und Lebensversicherung erfolge die Vertretung der Mitglieder in der Hauptversammlung durch Mitgliedervertreter. Da nur Mitglieder durch die oberste Vertretung repräsentiert würden, sei der Einfluss von dritter Seite ausgeschlossen. Im Belastungstest des Analysehauses Morgen & Morgen habe der Versicherer im Oktober erneut die Note „Sehr gut“ erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Morgen & Morgen untersucht dabei die Risiken, die aus den Verpflichtungen des Versicherungsbestands sowie den Kapitalanlagen eines Lebensversicherers resultieren. Quelle: Screenshot

Eigentlich werden Rückstellungen vererbt: Neue Kunden bekommen anfangs einen Teil aus der Spardose, dafür hinterlassen sie bei Vertragsablauf künftigen Kunden Mittel. Doch weil neue Kunden ab 1994 eigene Rückstellungen aufbauen sollten und der noch leere Topf der Neuen vom vollen Topf der Alten getrennt worden ist, mussten die Altkunden nichts mehr vererben und hatten plötzlich „einen größeren Anteil an den Rückstellungen, als ihnen gemessen an ihren eigenen Einzahlungen zusteht. Den Ausgleichsmechanismus zu unterbrechen war ein Fehler, der nun korrigiert wird“, sagt Schwark.

Wohin mit dem vielen Geld?

Die Branche hat nun ein Luxusproblem: Wohin mit dem vielen Geld? Die Versicherer haben deshalb einen neuen Topf erfunden: die „kollektiven Rückstellungen für Beitragsrückerstattung“. In diesen neuen Topf soll ein Teil der 15 Milliarden Euro wandern. Das Geld soll nicht ausgeschüttet werden, sondern dem Kollektiv aller Versicherten gehören – also auch den Neukunden, die nach 1994 unterschrieben haben.

Um die Kollektivierung hinzubekommen, braucht die Branche die neue Verordnung. Falls die nicht kommt, müsste sie das Geld ausschütten. Christian Armbrüster, Professor der Freien Universität Berlin, hat dazu ein Gutachten für den GDV verfasst. In einem Aufsatz schreibt er, dass aus der bisherigen gesetzlichen Regel eine „faktische Pflicht zur Ausschüttung der vorhandenen Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen des Altbestandes“ folge. Mit der neuen Verordnung, so Grünen-Abgeordneter Schick, plane die Regierung „eine gesetzlich angeordnete Umverteilung von Geldern, die zu einem erheblichen Teil gar nicht mehr bei den Versicherungen liegen dürften“ – ein 15-Milliarden-Euro-Coup.

Rückstellungen, die noch nicht einzelnen Versicherungsverträgen zugewiesen wurden, gelten als Eigenmittel der Versicherer

Dass Milliarden an die Kunden abfließen, wollen weder die Versicherer noch Regierung und Finanzaufsicht. Grund: Ein Stresstest der europäischen Aufsicht Eiopa hat jüngst ergeben, dass fast jeder vierte europäische Versicherer zu wenig Kapital als Sicherheitspuffer hätte, wenn die Zinsen über Jahre so niedrig blieben.

Da kommen die 15 Milliarden wie gerufen: Rückstellungen für Beitragsrückerstattung, die noch nicht einzelnen Versicherungsverträgen zugeteilt wurden, gelten praktischerweise als Eigenmittel der Versicherer. Sie verstärken also den von den Aufsehern geforderten Sicherheitspuffer.

Die Rückstellungen spielten „eine wichtige Rolle bei der Erfüllung der Eigenmittelanforderungen“ der Versicherer, heißt es sogar im Entwurf der Verordnung, über den der Bundesrat entscheiden soll. Letztlich bedeutet das, dass Versicherer das Geld der Sparer als Eigenmittel deklarieren dürfen.

Damit die Spargroschen die Unternehmen möglichst lange stabilisieren, soll die Ausschüttung der kollektiven Rückstellung blockiert werden. „Das Finanzministerium will Versicherern verordnen, dass sie nur in Ausnahmefällen wie bei einer eigenen Schieflage Geld aus dem kollektiven Topf ausschütten dürfen“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten, zum Entwurf der Verordnung.

Vorsorge



Weil Versicherer auch die kollektiven Rückstellungen als Eigenmittel verbuchen dürfen, sind sie daran interessiert, viel Geld in den Topf zu packen. Dabei, kritisiert Politiker Schick, müsste die Finanzaufsicht BaFin darüber wachen, dass es zugunsten der Kunden „zu einer ausreichend hohen und gleichmäßigen Zuteilung“ komme.

Hat die BaFin geschlafen? Ja, sagt Versicherungsrechtler Schwintowski. Die Aufsicht hätte die Regeln zur Ausschüttung ändern müssen. Sie habe gewusst, dass der Bestand an Altkunden schrumpfen würde, und hätte überlegen müssen, wie man die „Überschüsse an die Versicherten des Altbestandes verteilt“, schrieb Schwintowski an den Finanzausschuss des Bundestags.

Altkunden, die ihren Vertrag schon ausgezahlt bekommen haben, können nicht auf Nachschlag hoffen – für sie ist das Geld verloren. „Man müsste sämtliche Ausschüttungen für den Altbestand seit 1994 neu aufrollen und neu abrechnen. Das ist ein wohl auch praktisch nicht durchführbares Verfahren“, sagt Schwintowski.

Der 15-Milliarden-Jackpot bleibt also vorerst in den Tresoren der Versicherer.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%