Lebensversicherer Allianz senkt Zinsen deutlich

Die Allianz Lebensversicherung senkt die Verzinsung. In der Branche gilt sie als Vorreiterin – andere Versicherer dürften jetzt nachziehen. Was Versicherer noch zahlen, was Kunden jetzt bedenken müssen.

Der Marktführer senkt die Zinsen für Millionen Kunden deutlich. Quelle: dpa

Die Allianz Leben hat die laufende Verzinsung für Lebensversicherungsverträge auf 3,6 Prozent gesenkt. Im Vorjahr hatten Kunden noch vier Prozent gutgeschrieben bekommen. Der Abschlag ist eine Folge der niedrigen Zinsen, die die Allianz erwirtschaftet. Auf sichere Geldanlagen wie zehnjährige Bundesanleihen gibt es nur noch knapp 1,4 Prozent Rendite.

Das Dilemma der Versicherer: Sie müssen ihren Kunden mindestens den ihnen vertraglich garantierten Zins gutschreiben. Der liegt bei der Allianz im Schnitt bei 3,1 Prozent. Für neue Verträge gibt es aktuell 1,75 Prozent, in Hochzeiten lag der Zins bei bis zu vier Prozent. Wer noch einen solchen Vertrag aus guten Zeiten hat, muss auch weiterhin die vertraglich zugesagte Leistung bekommen. Versicherer müssen für diese hochverzinsten Verträge daher als zusätzliche Sicherheit extra Geld ansparen – die Zinszusatzreserve.

Wer bis zum Vertragsende durchhält - das sind nur die wenigsten Kunden - bekommt eine Belohnung, den Schlussüberschuss. Zusammen mit der Beteiligung an den Bewertungsreserven bietet die Allianz ihren Kunden 2013 insgesamt 4,2 Prozent Zins. Für das aktuelle Jahr waren es immerhin noch 4,5 Prozent. Die Bewertungsreserven sind der Puffer, den Versicherer in guten Jahren für schlechte Jahre zurückgelegt haben. Auf diesen Puffer können sie jetzt zurückgreifen und Kunden einen Teil des schönen Geldtopfes zuteilen.

Die 10 größten Versicherer Europas
AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot
Credit AgricoleDie französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufen sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro. Quelle: dpa
INGDie Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel. Quelle: AP
PrudentialDer britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus. Quelle: AP

Kunden sollten sich allerdings nicht blenden lassen – Zinsen gibt es nur auf den Sparanteil, also den Teil des Beitrags, den der Versicherer tatsächlich anlegt. Das sind etwa 70 bis 80 Prozent der von Kunden eingezahlten Gelder. Der Rest fließt in Verwaltungskosten, Provision für den Vermittler oder den Todesfallschutz. Die Rendite auf den Beitrag ist also deutlich geringer.  

In der Branche gilt Marktführerin Allianz als Vorreiterin. Viele Versicherer orientieren sich an ihr und ziehen zeitnah nach. Kunden müssen also auch bei anderen Versicherern mit sinkenden Überschüssen rechnen.

Wenige Konkurrenten haben sich bislang vor der Allianz aus der Deckung gewagt. So kündigte die Alte Leipziger insgesamt 4,05 Prozent Zins an (laufende Verzinsung: 3,35 Prozent). Die DEVK schüttet Kunden eine Überschussbeteiligung in Höhe von vier Prozent aus. Inklusive Schlussüberschuss und Bewertungsreserven erhöht sich die Verzinsung je nach Vertrag auf 4,2 bis 4,5 Prozent.

Die Düsseldorfer Ergo Versicherung zahlt bei Ergo Leben nur noch eine laufende Verzinsung von 3,2 Prozent (2012: 3,8 Prozent). Hinzu kommen 0,35 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven. Kunden der zu Ergo gehörigen Victoria Leben erhalten gar nur noch mickrige drei Prozent aus Garantiezins und laufender Verzinsung (2012: 3,5 Prozent). Inklusive Schlussüberschuss und Bewertungsreserven zahlt die Victoria Leben 2013 eine Gesamtverzinsung von 3,35 Prozent (2012: 3,85).

Der Hintergedanke: "Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht absehbar", heißt es bei Ergo. Nachhaltig höhere Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren seien vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik sowie der Wirtschaftsprognosen nicht zu erwarten. Rückendeckung bekommt Ergo vom Marktführer Allianz: Man müsse in der "neuen Normalität nach der Finanzkrise akzeptieren, dass die in der Vergangenheit erzielten Renditen nicht als Maßstab für künftige Zinserträge gelten können", sagte Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben. Für Kunden dürfte es also auch in den kommenden Jahren mau aussehen.

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