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Lebensversicherung Versicherer tricksen bei der Transparenz

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Assekuranzen unter Zugzwang

Aber auf die Versicherer kommt noch viel Arbeit zu. Denn bis Ende 2016 soll es in der Europäischen Union für alle „verpackten“ Finanzprodukte –  dazu zählen etwa Investmentfonds, kapitalbildende Lebensversicherungen und Zertifikate – ein einheitliches Informationsblatt zu den Kosten und Risiken geben. Die unterschiedlichen Produkte sollen dadurch etwa bei den Kosten vergleichbar werden. Wie das im Detail aussehen wird, darüber beraten jetzt noch die europäischen Aufsichtsbehörden. Die Anbieter können ihre Vorschläge bis Mitte August diesen Jahres dort einreichen. Bis März 2016 sollen die Berechnungs-Vorschläge stehen. Mit dem derzeitigen Kuddelmuddel bei den Kosten dürfte dann Schluss sein.

Die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherer
Die Lebensversicherung ist für Millionen Deutsche der wichtigste Baustein der privaten Altersvorsorge. Die niedrigen Zinsen nagen aber seit Jahren an den Erträgen. Schon ab Juli könnten die Auszahlungen an Kunden per Gesetz weiter schmelzen. Dennoch wird es auch künftig deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherern geben. Für die Entscheidung, ob sich der Abschluss, das Halten bis zum Laufzeitende oder eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung lohnt, kommt es darauf an, wie gut die Lebensversicherung für einen lange Niedrigzinsphase gerüstet sind. Nachfolgend wichtige Kennziffern der zwölf größten Lebensversicherer, die insgesamt 60 Prozent des Marktes repräsentieren. Quelle: Geschäftsberichte der Versicherer, Prof. Hermann Weinmann (Hochschule Ludwigshafen) Quelle: dpa
Ein Schild mit dem Logo der Nürnberger Versicherungsgruppe Quelle: dpa/dpaweb
Bayern-VersicherungLaufende Verzinsung der Kapitalanlagen ohne Einmaleffekte 1: 2013: 4,0 % Laufende Verzinsung der Kapitalanlagen mit Einmaleffekten 1: 2013: 4,4 % Bewertungsreserven: 2013: 9,7 % der Kapitalanlagen Anteil Zinspapiere an Bewertungsreserven 2: 2013 (2012): ► Was der Versicherer verteilen kann ( Überschuss) 3: 2012: 14,5 % der Beiträge 2013: 12,8 % der Beiträge Wie lange die freien Mittel reichen ( Bilanzpuffer) 4: 2012: 3,1 Jahre 2013: 3,4 Jahre Stärken: hohe Reserven, gute KapitalanlageSchwächen, die sich in Niedrigzinsphasen besonders stark auswirken: keine Niedrigzins-Risiko für Anleger: niedrig 1Einmaleffekte: Gewinne und Verluste aus Anlageverkäufen sowie Zu- und Abschreibungen; 2im Vergleich zum Branchendurchschnitt; 3Kapitalerträge oberhalb der Garantieverzinsung + interne Überschüsse durch zu hoch angesetzte Kosten für Verwaltung und Vertrieb sowie Risiken (Berufsunfähigkeit, Tod); das Verhältnis von Überschuss zu Beiträgen zeigt, wie gut der Versicherer wirtschaftet; 4ein Wert von beispielsweise 2,0 besagt, dass der Versicherer seine laufende Überschussbeteiligung zwei Jahre lang aus den freien Mitteln finanzieren kann; je höher der Faktor, desto finanzstärker ist der Versicherer. Quelle: PR
Der Schriftzug "W&W württembergische" Quelle: dpa
Fahnen mit dem Logo der Allianz Quelle: dpa
R+V AG Quelle: Presse
CosmosDirekt Quelle: Presse

Aufseher wollen mehr Kapital und besseren Pleiteschutz

Die Probleme der Lebensversicherer mit dem Niedrigzins haben die neuen Regelungen nicht beseitigt. Sie sind kaum noch in der Lage nach Abzug hoher Verkaufs-, Verwaltungs- und Risikoschutzkosten dem Anleger nach Jahren wieder mehr auszuzahlen, als er insgesamt mit seinen Beiträgen eingezahlt hat. Aufseher schlagen Alarm. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mahnt eine Stärkung der Kapitaldecke der Versicherer an, damit sie künftig geltende strengere Regeln einhalten können. Ein Ausschuss der Europäischen Zentralbank für Systemrisiken (ESRB, European Systemic Risk Board) fordert bereits eine EU-weite Auffanglösung für Lebensversicherer, denn die Probleme sind nicht nur auf deutsche Lebensversicherer beschränkt. Sie fürchten, dass viele Lebensversicherte ihre Verträge wegen der schwachen Renditen vorzeitig kündigen könnten und die Lebensversicherer dann in großem Umfang Anleihen an der Börse verkaufen könnten. Das würde zu hohen Kursverlusten führen und mitunter sogar zu einer Panik, da Anleihen bei vielen Investoren eigentlich als sicherer Hafen gelten.

Alternativen zur Lebensversicherung: Bonussparpläne

Auch vor Gericht schlechte Karten

Auch teure Gerichtsurteile machen den Versicherern das Leben schwer: So entschied der Bundesgerichtshof (IV ZR 384/14 u.a.), dass Kunden, bei deren Belehrung über das Widerrufsrecht etwas falsch gelaufen ist, einen höheren Rückzahlungsanspruch haben. Ihnen müssen die Versicherer auch Verkaufsprovisionen sowie anteilige Zinsgewinne und Verwaltungskosten zurückerstatten.

In Arbeit
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Immer mehr Versicherer bieten daher gar keine traditionelle Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung mehr an, bei denen ihnen Garantien Probleme bereiten. Kunden werden sich auf stärker schwankende Anlageformen einstellen müssen. Versicherer Talanx (Neue Leben, HDI, PB Versicherungen, Europa) will sich komplett von den Traditionsprodukten verabschieden und „modernere kapitaleffiziente Produkte“ anbieten.

Dazu zählen etwa fondsgebundene Lebensversicherungen, bei denen der Anleger mit Kursverlusten kalkulieren muss und die besser durch transparentere und individuelle Fondssparpläne ersetzt werden, die ein Vorsorgesparer mit einer günstigen Risikolebensversicherung kombiniert.

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