Lebensversicherung "Doof, wenn am Ende des Geldes noch Leben übrig ist"

Niedrigzinsen belasten Altersvorsorgesparer langfristig – aktuell aber retten ausgerechnet die mickrigen Renditen die Lebensversicherer.

Niedrigzinsen belasten Altersvorsorgesparer langfristig. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Es klingt paradox, ist aber wahr: Ausgerechnet die niedrigen Zinsen retten den Lebensversicherern aktuell den Hintern. Und das geht so: Die Finanzaufsicht BaFin hat die Versicherer dazu verdonnert, zusätzliche Mittel zurückzulegen, damit sie künftig trotz der niedrigen Zinsen auch Kunden mit hohen Garantiezinsversprechen von bis zu vier Prozent problemlos auszahlen können (Zinszusatzreserve). Allein in diesem Jahr muss die Branche hierfür rund sechs Milliarden Euro zurückstellen. Klingt viel, ist auch viel. Doch für die Versicherer ist es aktuell kein Problem, diesen Topf für die Zinszusatzreserve zu füllen, sie können es dank der niedrigen Zinsen problemlos.

Große Lebensversicherer lassen Kunden hungern
Der Speck ist wegWer eine Lebensversicherung kauft, geht zum Vertreter. Rund zwei Drittel des Neugeschäfts entfällt daher auf die 20 größten Lebensversicherer. Die Branchenriesen werden nun jedoch immer vorsichtiger. Im Schnitt liegt ihre Überschussbeteiligung bei 3,49 Prozent - das ist mager und dürfte weniger als der ohnehin schon niedrige Branchenschnitt von rund 3,6 Prozent sein. Der Grund: Fast alle sind mit ihren Gutschriften runter gegangen, manche Riesen haben sogar schon drei Prozent erreicht. Senkungen der Zinsgutschriften von 0,5 Prozentpunkt oder mehr ließen oft aufhorchen. Hier scheint nur noch wenig Speck zu sein für die Kunden. Stand: Januar 2013 Quelle: rtr
Platz 20 - R+V: Wartet abDer drittgrößte Lebensversicherer in Deutschland will erst Ende Februar mitteilen, wie hoch seine Überschussbeteiligung im laufenden Jahr ist. Das ist ungewöhnlich spät. Zur Begründung hieß es in Wiesbaden, man wolle die Entwicklung des Marktes abwarten. Damit ist die R+V die große Ausnahme in der Branche. Für 2012 hatte die R+V die Angaben noch - wie in der Branche üblich - Anfang Dezember 2011 geliefert. Damals hieß es, trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds könne die R+V Lebensversicherung AG für ihre Kunden auch 2012 eine Gesamtverzinsung von 4,40 Prozent bieten. Darin enthalten sei eine laufende Verzinsung von 3,85 Prozent. Quelle: Presse
Platz 19 - Zurich: 3,0 ProzentEiner der größten Anbieter von Lebensversicherungen, die Zurich, ist mit ihrer Überschussbeteiligung deutlich heruntergegangen. Sie liege für 2013 auf nun bei drei Prozent, heißt es auf der Internetseite von Assekurata. Für 2012 waren es noch 3,35 Prozent und für 2011 schrieb der Versicherer 3,7 Prozent gut. Die durchschnittliche Gesamtverzinsung (laufende Verzinsung sowie Schlussüberschuss inkl. deklarierter Beteiligung an den Bewertungsreserven) betrage nun etwa 3,8 Prozent - nach 4,2 Prozent für 2012. Die vertragsindividuelle Gesamtverzinsung hänge dabei von Daten wie Produkt, Laufzeit und Alter der versicherten Person ab. Zurich setze auf nachhaltige finanzielle Stärke der Lebensversicherung statt auf kurzfristige Renditeversprechen, erklärte der Versicherer auf Anfrage von Handelsblatt Online. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten habe die Unternehmensführung daher entschieden, eine Senkung der Überschussbeteiligung für den Neuzugang und den Bestand vorzunehmen. "Unsere Kapitalanlagepolitik ist auf höchste Sicherheit ausgelegt. Wir können unseren Kunden keine höhere Verzinsung auszahlen, als wir mit unserer Kapitalanlage erwirtschaften", erklärte eine Sprecherin der Zurich. Quelle: Presse
Platz 18 - Ergo: 3,0 bis 3,2 ProzentErgo ist einer der größten Anbieter auf dem Markt. Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Mit den Deklarationen hat der Versicherer ein Zeichen gesetzt. Damit erreicht einer der Marktgrößen die Marke von drei Prozent bei den laufenden Überschüssen. Quelle: dapd
Platz 17 - SV Sparkassenversicherung: 3,05 ProzentDie Überschussbeteiligung der SV Sparkassenversicherung ist von 3,75 Prozent für 2011 auf 3,55 Prozent in diesem Jahr auf nun 3,05 Prozent in diesem Jahr gefallen. Dies ergibt aus Angaben, die Assekurata veröffentlicht hat. Der Rückschritt ist damit stärker als im Schnitt der Branche. Der Sparkassenversicherer war in den vergangenen Jahren besonders stark durch Einmalgeschäft gewachsen.
Platz 16 - Versicherungskammer Bayern (VKB): 3,1 ProzentDer größte Sparkassenversicherer, die Versicherungskammer Bayern, setzt auf hohe Reserven. Die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, größter Lebensversicherer der VKB, zähle zu den Gesellschaften mit den höchsten Bewertungsreserven in der Branche. Allerdings liegt damit ein weiterer großer Lebensversicherer aus dem Sparkassensektor unter den Großen relativ weit hinten. Dennoch senkt das Unternehmen seine Überschussbeteiligung 2013 auf einen der niedrigsten Werte in der Branche: 3,1 Prozent. Bisher waren es 3,5 Prozent. Die Bayern-Versicherung bietet darüber hinaus auch im Jahr 2013 eine attraktive Gesamtverzinsung auf den Sparanteil. Für Neuverträge gegen laufenden Beitrag betrage diese 3,7 Prozent. Darin enthalten seien 0,6 Prozent für den Schlussüberschuss inklusive der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven. Die Sparte Lebensversicherung des Sparkassenversicherers verzeichnete 2012 ein starkes Beitragswachstum. Die Prämien stiegen den Angaben zufolge um 5,9 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro.
Platz 15 - Württembergische: 3,25 ProzentDie Lebensversicherung im Versicherungs- und Bausparkonzern Württembergische und Wüstenrot geht um 0,25 Prozentpunkt mit der Überschussbeteiligung runter: Sie sinkt von 3,5 Prozent in den beiden Vorjahren auf nun 3,25 Prozent. Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung AG: „Mit unserer vergleichsweise konservativen Positionierung beim Zinsüberschuss berücksichtigen wir die Entwicklungen am Kapitalmarkt und stabilisieren unseren Bestand auch gegen Belastungen aus der anhaltenden Niedrigzinsphase, der EU-Verschuldungskrise und Ausfallrisiken.“ Zusammen mit dem Schlussüberschuss und der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich ab 2013 eine gesamte Verzinsung der Sparanteile von 3,9 Prozent (Vorjahr: knapp 4,2 Prozent). Quelle: Presse
Platz 14 - HDI Leben: 3,25 ProzentDer Talanx-Konzern ist an die Börse gegangen, einer seiner großen Töchter geht es jedoch nicht besonders gut: Bei HDI sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,25 Prozent. Auch im Vergleich zu einigen anderen Töchtern im Konzern ist das recht wenig. Im Vorjahr waren es laut Assekurata noch 3,5 Prozent. Und für 2011 schrieb der Lebensversicherer sogar noch vier Prozent gut. Quelle: dapd
Platz 13 - Swiss Life: 3,3 ProzentDer AWD-Eigentümer Swiss Life muss deutlich runter, wie die Ratingagentur Assekurata notiert. Für 2013 falle die Überschussbeteiligung auf 3,3 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 3,5 Prozent und für 2011 schrieb der Schweizer Versicherer seinen deutschen Kunden sogar noch 3,8 Prozent gut. Quelle: dpa
Platz 12 - Alte Leipziger: 3,35 ProzentDer mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer senkt die Überschussbeteiligung ebenfalls deutlich von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent. Dieser Versicherer veröffentlichte seine Zahlen als einer der ersten in der Branche. Das Signal an die Konkurrenz: Wer vorsichtig ist, geht heute schon auf die Marke von drei Prozent zu. Quelle: Presse
Platz 11 - Provinzial Nordwest: 3,5 ProzentUnter den Sparkassenversicherern liegt die Provinzial aus Münster noch vergleichsweise gut. Das Unternehmen, an dem die Allianz kürzlich Interesse zeigte, senkte seine Überschussbeteiligung auf 3,5 Prozent. Im Vorjahr waren es laut Assekurata 3,8 Prozent und davor noch 4 Prozent. Quelle: dpa
Platz 10 - Generali: 3,5 ProzentAufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus an den Kapitalmärkten werde die Generali Lebensversicherung AG die Überschussbeteiligung moderat um 0,1 Prozentpunkte anpassen. Die laufende Verzinsung (garantierter Rechnungszins plus laufende Überschussbeteiligung) für 2013 werde somit 3,5 Prozent betragen (Vorjahr 3,6 Prozent). „Die gemäßigte Anpassung ist ein Gebot von Vernunft und Verantwortung für unsere Kunden. Angesichts der Niedrigzinsphase sind in der Kapitalanlage Diversifikation und die Begrenzung von Risiken von besonderer Bedeutung“, erklärte Volker Seidel, Vorstand Finanzen und Leben der Generali Versicherungen. Kunden der Generali Lebensversicherung AG erhalten damit eine ab dem 1. Januar 2013 geltende Gesamtverzinsung von 4,0 Prozent. Neben der laufenden Verzinsung von 3,5 Prozent sind hier auch eine Schlussüberschussbeteiligung in Höhe von durchschnittlich 0,4 Prozent sowie die Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven in Höhe von 0,1 Prozent eingerechnet, die den Kunden bei Vertragsende mit ausgezahlt werden. HIV - Das Logo der Generali Versicherungen hängt an der Fassade einer Filiale des Unternehmens in München (Oberbayern) am 16.03.2012. Die Assicurazioni Generali ist der größte italienische Versicherungskonzern. Auf einer Bilanzpressekonferenz stellt das Unternehmen am Mittwoch (28.03.2012) in Köln seine aktuellen Zahlen vor. Foto: Andreas Gebert dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Platz 9 - Signal Iduna: 3,6 ProzentDie Überschussbeteiligung 2013 in der Lebensversicherung beträgt 3,6 Prozent. Das ist ein Rückgang um 0,4 Prozentpunkt. Hinzu kommen 0,4 Prozentpunkt Schlussüberschuss inklusive Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven für Verträge, die auslaufen. Für 2012 hatte der Versicherer seine laufende Verzinsung der Sparanteile um 0,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent gesenkt. Die gesamte Verzinsung einschließlich Schlussüberschuss und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven betrug für die klassische Rentenversicherung 4,6 Prozent. Der Versicherer ist vor allem durch sein Sponsoring für den Fußballmeister Borussia Dortmund bekannt. Das Foto zeigt eine Luftaufnahme des Dortmunder Stadions, direkt daneben hat auch der Versicherer seinen Hauptsitz. Quelle: dapd
Platz 8 - Allianz: 3,6 ProzentDer Branchenführer senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 auf 3,6 Prozent und verabschiedet sich damit von der magischen Vier-Prozent-Marke. Damit liegt die Allianz vermutlich im Schnitt der Branche. Ein genauer Wert wird erst Ende Januar feststehen, wenn alle Versicherer berichtet haben. Quelle: dpa
Platz 7 - Volkswohl Bund: 3,65 ProzentDie Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest. Damit bewegt sich der Versicherer aus Dortmund in der Nähe des Branchenführers Allianz. Insgesamt ergebe sich eine Gesamtverzinsung von rund 4,3 Prozent (2012: 4,7 Prozent). „Die verantwortungsvolle Festlegung der Überschussbeteiligung gewährleistet die langfristige Sicherheit aller Versicherungsverträge und bietet unseren Kunden auch in Zeiten extremer Niedrigzinsen eine attraktive Rendite“, erklärte Vorstandsvorsitzender Joachim Maas. Quelle: Presse
Platz 6 - DBV Winterthur: 3,65 ProzentDie DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebensversicherung AG gehört zur AXA Deutschland. Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) in diesem Jahr bei 3,65 Prozent liegen - nach 3,8 Prozent im Vorjahr. Die Gesamtverzinsung 2013 werde einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozen erreichen. Das sind 0,2 Prozentpunkt weniger. Der deutsche Ableger des französischen Versicherers Axa wurde 1997 durch Erwerb von Versicherungsunternehmen begründet und durch zahlreiche Fusionen gestaltet. Der im heutigen AXA-Konzern aufgegangenen Versicherungsunternehmen befanden sich 1960 in der „Rheinischen Gruppe“ (Colonia, Nordstern), bildeten den Albingia-Konzern und waren Teile des späteren DBV-Winterthur-Konzerns. Quelle: dpa
Platz 5 - Axa: 3,65 ProzentDie Kölner Axa liegt nah am Branchenführer Allianz. Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 werde einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent). Der AXA Konzern zählt mit Beitragseinnahmen von mehr als 10,6 Mrd. Euro (2011) und rund 10.900 Mitarbeitern zu den führenden Versicherungs- und Finanzdienstleistungsgruppen in Deutschland. Quelle: Presse
Platz 4 - Debeka: 3,7 ProzentFür den größten Teil der Verträge beträgt die Gesamtverzinsung einschließlich des Schlussüberschusses und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven 4,4 bis 4,5 Prozent (bisher 4,7 bis 4,8 Prozent). Hinzu kommt bei ablaufenden Verträgen die zusätzliche Beteiligung an Bewertungsreserven, die beim gegenwärtigen Marktzins den Auszahlungsbetrag nochmals um mehr als 5 Prozent erhöhe, teilte die Debeka mit.   Die laufende Gesamtverzinsung – einschließlich des Garantiezinses – werde für das kommende Jahr auf 3,7 Prozent (nach 4,1 Prozent im Jahr 2012) festgesetzt. Diese Anpassung der Überschussbeteiligung sei aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus notwendig. Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen: "Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und einer drohenden Altersarmut in Deutschland ist die private Vorsorge deshalb wichtiger denn je. Leider werden die Verbraucher aber mit Ratschlägen vermeintlicher Experten immer wieder in die Irre geführt, denn sie empfehlen den Bürgern für die Altersvorsorge schlecht verzinste Sparbücher, die früher oder später aufgezehrt sind, oder Fonds, die das Risiko der Aktienmärkte voll und ganz auf den Verbraucher abwälzen." Quelle: dpa
Platz 3 - Aachen Münchener: 3,75 ProzentDie zum Generali-Konzern gehörende Aachen Münchener hat ihre laufende Verzinsung auf 3,75 Prozent festgelegt. Zusammen mit einem Schlussüberschuss, der gut 0,4 Prozentpunkten entspricht, ergebe sich daraus für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,15 Prozent. Damit reagiere die Aachen Münchener auf das herausfordernde Finanzmarktumfeld. Die Aachen Münchener Lebensversicherung AG erzielte 2011 ein Beitragsvolumen von 4,45 Milliarden Euro und war damit der zweitgrößte Lebensversicherer Deutschlands. Mehr als 37.000 Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) verkaufen die Produkte der Aachen Münchener. Im Bild: Der Vorstandsvorsitzende Michael Westkamp. Quelle: dpa
Platz 2 - Cosmos Direkt: 3,85 ProzentKunden von Cosmos Direkt profitieren auch nach Anpassung der Verzinsung für klassische Lebens- und Rentenversicherungen von hohen Ablaufleistungen. „Bei insgesamt rückläufigen Zinsen am Kapitalmarkt spielen die Kostenvorteile eine immer wichtigere Rolle“, erklärt Peter Stockhorst, Vorstandsvorsitzender von CosmosDirekt. Dank seines Geschäftsmodells sind die Kosten bei Deutschlands führendem Online-Versicherer im Vergleich zum Wettbewerb besonders niedrig. Von jedem eingezahlten Euro wendet Cosmos Direkt lediglich 0,9 Prozent für die Vertragsverwaltung auf; der Markt kommt auf einen Durchschnitt von 2,4 Prozent. Mit 3,85 Prozent liegt die laufende Verzinsung bei CosmosDirekt auch im kommenden Jahr über dem Marktdurchschnitt und erreicht unter den Top20 den zweitbesten Wert. „Die laufende Gesamtverzinsung für 2013 dürfte im Markt rund 3,6 Prozent betragen“, erwartet Stockhorst. Quelle: Presse

Des Rätsels Lösung liegt an einem einfachen Mechanismus des Anleihemarktes. Denn bei Bonds verhalten sich der Börsenkurs und die Rendite immer gegenläufig zueinander – will heißen: Sinkt die Rendite am Markt, steigt der Börsenkurs von alten Anleihen mit hohen Kupons aus besseren Zeiten. Und Versicherer haben noch viele rentable Kupons aus besseren Zins-Zeiten im Portfolio. Weil die Zinsen niedrig sind, liegt der Wert der Anleihen im Portfolio über dem Wert, zu dem er im Buch der Versicherer steht - diese Differenz zwischen Markt- und Buchwert nennt man stille Reserve. Braucht ein Versicherer Geld, nimmt er also diese Kursgewinne mit. Das Problem: Steigen die Zinsen doch wieder an, schmelzen die Reserven dahin – und die Lebensversicherer haben keine Reserven mehr, die sie realisieren können. „Unsere Lösung ist es daher, so schnell und so viel wie möglich in die Zinszusatzreserve zu packen“, sagte jetzt Norbert Heinen, Vorstandschef der Württembergische Lebensversicherung beim Frankfurter Versicherungssymposium der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Guido Bader, Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe, sieht das allerdings kritisch: „Wenn die stillen Reserven irgendwann aufgebraucht sind, wird es eng.“

Versicherer verschieben das Problem also bloß in die Zukunft, die Nettorendite etwa sieht dadurch aktuell recht ordentlich aus. Langfristig aber müssen sich die Versicherungsmanager eine andere Geldquelle suchen, die sie dann schwer finden werden. Eine hohe Rendite für neue Geldanlagen gibt es nämlich nicht mehr. So könne etwa die Stuttgarter Versicherungsgruppe „ohne ein nennenswertes Kreditrisiko“ aktuell nur noch Anleihen mit Kupons zwischen 2,9 bis 3 Prozent kaufen, sagt Bader.

Dossier Lebensversicherer

Die Zinszusatzreserve könnte damit künftig für Probleme sorgen, dann nämlich, wenn die hohen Kupons den Versicherern fehlen. Denn in ‚normalen‘ Zeiten würden Versicherer diese Anleihen, für die sie noch hohe Zinsen bekommen, nicht verkaufen. Sie halten die Bonds bis zum Ende der Laufzeit und bekommen dann automatisch 100 Prozent aufs Konto überwiesen. Je näher der Rückzahlungstag einer Anleihe rückt, desto mehr nähert sich ihr Kurs auch wieder an den Rückzahlungskurs von 100 Prozent an – die Kursgewinne verflüchtigen sich, Versicherer wie auch seine Kunden freuen sich in der Zwischenzeit allein über den hohen Kupon. Doch ausgerechnet die schmeißen Versicherer nun nach und nach raus. Das verschiebt das Problem in die Zukunft – denn dann sind keine rentablen Kupons für schöne Überschüsse mehr übrig.

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