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Lebensversicherung "Lasst die Finger von meinen Reserven"

Wenn Lebensversicherer gerettet werden müssten, bitte nicht mit den Geldern, die mir als Versicherter zustehen. Der Gesetzgeber muss Alternativvorschläge zu seinem Gesetzesvorhaben prüfen.

Geld und ein Taschenrechner liegen auf einem Versicherungsschein für eine Lebensversicherung Quelle: dpa

Was die Diskussion über die Bewertungsreserven der Lebensversicherer schafft: Der Kunde sieht sich mal die „Leistungsübersichten“ an, die ihm der Versicherer jährlich zuschickt. Die Bundesregierung will nämlich den durch Niedrigzinsen gebeutelten Lebensversicherern mit einer Gesetzesreform unter die Arme greifen und die Ausschüttung von Bewertungsreserven – einer Art stille Reserven auf von den Versicherern gehaltene Wertpapiere – an die Kunden kappen. Statt die Standmitteilungen der Lebensversicherung nach kurzer Ansicht gleich in den Ordner LV abzuheften, hilft ein Blick auf die Zahlen und schon steckt man drin in der Diskussion und der Frage nach einer Kündigung der Police. Irgendwann schwant mir, dass der Gesetzgeber vielleicht zu einseitig die Versicherungslobby unterstützt mit den derzeitigen Gesetzesplänen.

Auf Kosten der Kunden

Künftig sollen etwa die Bewertungsreserven, die Versicherer durch die steigenden Kurse bei Anleihen in den Büchern ausgewiesen haben, nicht mehr zur Hälfte bei Versicherten und Versicherer landen. Für die Versicherten könnte deren Anteil gekürzt werden. Was das für meinen Vertrag bedeutet, erkenne ich bei einem Blick in die Leistungsübersicht.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die Branche auf Kosten der Versicherten bereichern will. Der Kurs der Talanx-Aktie etwa, hinter der der Versicherer HDI steckt, hat sich zumindest in den vergangenen zehn Tagen besser gehalten als der breite Aktienmarkt. Es sieht also danach aus, als vertrauten die Aktionäre darauf, dass es für das Unternehmen ein guter Schachzug ist, wenn von den Bewertungsreserven weniger an Kunden wie mich ausgeschüttet wird. Der Kurs der Allianz-Aktie hat sich seit Bekanntgabe der Gesetzespläne,  die Verteilung der Bewertungsreserven zu verändern, nicht besser oder schlechter entwickelt als der breite Aktienmarkt. Allianz-Aktionäre jubeln zumindest nicht. Allerdings ist die Aktie auch in den vergangenen Jahren schon stark gestiegen.

Dossier Lebensversicherer

Alternativen prüfen

Aber gäbe es nicht vielleicht noch Alternativen zu dem Gesetzesvorstoß? Im vergangenen Jahr war er gescheitert, als er als Huckepackgesetz mit anderen Gesetzen zusammengeschnürt wurde. Die Grünen erkannten die listige Masche und stoppten es. Alternativ könnten die Versicherer weiterhin die bestehende gesetzliche Regelung zur Verteilung zwischen Kunden und Unternehmen erhalten. Sie könnten aber aber ihren eigenen Anteil an den Bewertungsreserven eben in einen Topf legen, der als Reserve für Kunden dient, die weiterhin ihre Verträge besparen und für die sie die Garantiezinsen erwirtschaften müssen.

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