Lebensversicherung Stabilität ad absurdum geführt

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Ein Geldtopf, den Versicherer für die Zahlung der Garantiezinsen füllen müssen, bringt die Branche in die Bredouille. Die Aufsicht überdenkt nun ihre Vorschriften.

In diese Lebensversicherungen fließt das meiste Geld
Platz 20: Gothaer LebenDie Lebensversicherung ist noch nicht tot. Das Neugeschäft bei den Versicherern läuft immer noch wie geschmiert – trotz aller Unkenrufe. Die Kunden scheinen keine Alternative zur Lebensversicherung zu finden, denn die große Flucht blieb bisher aus. Die Gothaer Lebensversicherung AG bietet für 2014 eine Gesamtverzinsung, einschließlich Schlussüberschussbeteiligung und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven, in Höhe von 4,20 Prozent für das Neugeschäft. Die laufende Gesamtverzinsung (ohne Schlussüberschussbeteiligung und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven) sinkt um 0,2 Prozentpunkt auf 3,30 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,3 MilliardenBruttobeiträge 2012: 1,25 MilliardenVeränderung: + 4,2 ProzentRang (Vorjahr): 20Datenquelle für die Prämieneinnahmen : Zeitschrift für Versicherungswesen, 1. April 2014 Quelle: dpa
Platz 19: Swiss LifeDer Versicherer Swiss Life, der den Finanzvertrieb AWD kaufte und umbenannte, muss noch deutlicher runter, wie das Versicherungsjournal notiert. Für 2013 falle die Überschussbeteiligung auf 3,0 Prozent. Im Vorjahr waren es 3,3 Prozent, davor noch 3,5 Prozent. Und für 2011 schrieb der Schweizer Versicherer seinen deutschen Kunden sogar noch 3,8 Prozent gut. Bruttobeiträge 2013: 1,328 MilliardenBruttobeiträge 2012: 1,33 MilliardenVeränderung: - 0,4 ProzentRang (Vorjahr): 17 Quelle: dpa
Platz 18: Volkswohl Bund LebenDie Volkswohl Bund Lebensversicherung hält ihre Überschussbeteiligung 2014 stabil. Die laufende Verzinsung bleibe bei 3,65 Prozent und die Gesamtverzinsung bei rund 4,3 Prozent, teilte die Gesellschaft mit. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zahlt das Unternehmen einen vergleichsweise hohen Teil seiner Erträge an die Versicherten aus. Für 2012 lag die Überschussbeteiligung noch bei 4,05 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,33 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,29 Milliarden EuroVeränderung: + 2,8 ProzentRang (Vorjahr): 19 Quelle: PR
Platz 17: Provinzial Nordwest LebenDer Sparkassenversicherer aus Düsseldorf hat die Überschussbeteiligung erneut recht deutlich gesenkt. Sie liegt nun bei 3,1 Prozent. Das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zinsgutschrift von 3,75 auf 3,4 Prozent zurückgenommen worden war. Die Gesamtverzinsung betrage nun 3,8 Prozent, davon entfallen auf den Schlussüberschuss 0,2 Prozent und die Beteiligung an den Bewertungsreserven 0,5 Prozent. Im Vorjahr war die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland um 0,15 Prozentpunkt auf insgesamt 4,1 Prozent gefallen. Bruttobeiträge 2013: 1,46 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,31 Milliarden EuroVeränderung: + 11,4 ProzentRang (Vorjahr): 18
Platz 16: Gothaer LebenDer Lebensversicherer der Signal-Iduna-Gruppe aus Dortmund senkt die Überschussbeteiligung um 0,35 Prozent auf 3,25 Prozent. Einschließlich Schlussüberschuss und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich für die klassische Rentenversicherung eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 3,6 Prozent, erklärte ein Sprecher des Stadionsponsors von Borussia Dortmund. Bruttobeiträge 2013: 1,49 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,40 Milliarden EuroVeränderung: + 6,3 ProzentRang (Vorjahr): 16 Quelle: dapd
Platz 15: Sparkassenversicherung (SV) LebenDie SV hält die laufende Überschussbeteiligung ihrer Lebens- und Rentenversicherungen für das nächste Jahr konstant - auf niedrigen 3,05 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,88 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,64 Milliarden EuroVeränderung: + 14,5 ProzentRang (Vorjahr): 15 Quelle: dpa
Platz 14: Alte Leipziger LebenDer mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer sendet ein Zeichen der Stabilität. Die Überschussbeteiligung, die im Vorjahr deutlich von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent gesenkt worden war, bleibt für 2014 stabil. Dieser Versicherer veröffentlichte seine Zahlen erneut als einer der ersten in der Branche. Das Signal an die Konkurrenz: Wir waren im Vorjahr vorsichtig, nun profitieren wir davon. Noch ist die Marke von drei Prozent kein Thema. Bruttobeiträge 2013: 1,91 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,81 Milliarden EuroVeränderung: + 5,5 ProzentRang (Vorjahr): 14
Platz 13: Württembergische LebenZu den Dinosauriern der Versicherungen gehört die Württembergische Lebensversicherung, die 1833 als ARA im Rentenversicherungsgeschäft gegründet wurde. Die Bruttobeiträge liegen seit Jahren konstant um die zwei Milliarden Euro Marke. Bruttobeiträge 2013: 2,15 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 2,26 Milliarden EuroVeränderung: - 4,6 ProzentRang (Vorjahr): 13 Quelle: dpa
Platz 12: HDI LebenDie HDI Gerling Leben aus Köln senkt ihre Überschussbeteiligung um 0,25 Prozentpunkt auf 3,0 Prozent. Die Gesamtverzinsung der HDI Lebensversicherung AG für 2014 betrage im Neugeschäft 3,50 Prozent inklusive 0,5 Prozent Schlussgewinnbeteiligung und Mindestbeteiligung an Bewertungsreserven, erklärte eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt Online. Für 2013 waren es es noch 3,75 Prozent. Das Unternehmen gehört zur Versicherungsgruppe Talanx. Bruttobeiträge 2013: 2,33 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 2,37 Milliarden EuroVeränderung: - 1,8 ProzentRang (Vorjahr): 11 Quelle: dpa
Platz 11: Nürnberger LebenDie Überschussbeteiligung betrage einschließlich Garantiezins für Verträge mit laufender Beitragszahlung 3,75 Prozent. Bisher waren es 4,0 Prozent und damit lag die Gesellschaft 2013 unter den Top 10 der Branche an der Spitze. Durch den Schlussüberschuss erhöhe sich die Gesamtverzinsung der Sparbeiträge einer Renten- oder Kapitallebensversicherung auf rund 4,25 Prozent. Hinzu komme die Beteiligung an den Bewertungsreserven. Seit einigen Jahren sehr stabil präsentieren sich die Nürnberger Beamten Lebensversicherung und die Nürnberger Lebensversicherung. Für 2013 hatte die Nürnberger als einer von ganz wenigen die Überschussbeteiligung nicht gesenkt. Bruttobeiträge 2013: 2,44 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 2,47 Milliarden EuroVeränderung: - 1,1 ProzentRang (Vorjahr): 10 Quelle: dpa-dpaweb
Platz 10: Bayern VersicherungDie größte Lebensversicherung der Versicherungskammer Bayern (VKB), die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, senkt die Überschussbeteiligung auf 3,0 Prozent. Für 2013 hatte das Unternehmen seine Überschussbeteiligung bereits von 3,5 Prozent auf 3,1 Prozent gesenkt. Zwei andere Lebensversicherer des Konzerns haben auch ihre Zinsgutschrift genannt: Mit 3,0 Prozent halten die Saarland Versicherung und Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg mit einigen anderen die rote Laterne in der Branche. Bruttobeiträge 2013: 2,5 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 2,29 Milliarden EuroVeränderung: + 9,4 ProzentRang (Vorjahr): 12 Quelle: PR
Platz 9: Axa LebenDie Axa Lebensversicherung AG und ihre Zweigniederlassung DBV Deutsche Beamtenversicherung passen ab dem 1. Januar 2014 die Überschussbeteiligung für klassische Renten- und Lebensversicherungen an das anhaltend niedrige Zinsniveau auf den Kapitalmärkten an. Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von Axa und DBV werde die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,4 Prozent statt bei 3,65 Prozent liegen, teilte der Versicherer mit Sitz in Köln mit. 2012 waren es noch 3,8 Prozent. Die Gesamtverzinsung 2014 werde einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,2 Prozent erreichen. 2013 waren es 4,4 Prozent und 2012 sogar noch 4,6 Prozent. Der Axa-Konzern zählt zu den führenden Versicherungs- und Finanzdienstleistungsgruppen in Deutschland. Bruttobeiträge 2013: 3,08 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 3,26 Milliarden EuroVeränderung: - 5,5 ProzentRang (Vorjahr): 8Fotoquelle: Axa Quelle: PR
Platz 8: Cosmos DirektDer Direktversicherer senkt die laufende Verzinsung im nächsten Jahr auf 3,65 Prozent. Im Vorjahr lag die Überschussbeteiligung noch bei 3,85 Prozent. "Die überdurchschnittliche Verzinsung gilt dank niedrigster Kosten für ein im Wettbewerbsvergleich von Anfang an höheres gewinnberechtigtes Guthaben", erklärt der Versicherer. Die Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Bruttobeiträge 2013: 3,1 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 2,79 Milliarden EuroVeränderung: + 11,1 ProzentRang (Vorjahr): 9 Quelle: PR
Platz 7: Ergo LebenIm Jahr 2014 beträgt die Summe aus Garantiezins und laufender Verzinsung bei der Ergo Lebensversicherung unverändert 3,2 Prozent. Dazu kommen 0,35 Prozent (2013: 0,35 Prozent) aus dem Schlussüberschuss und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven. Somit beträgt die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge 3,55 Prozent. Bestandskunden erhielten sowohl bei der Ergo Leben als auch bei der Victoria Leben mindestens den Garantiezins, erklärte Ergo. Der könne bei älteren Tarifgenerationen höher sein als die für 2014 deklarierte Gesamtverzinsung. Bruttobeiträge 2013: 3,17 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 3,35 Milliarden EuroVeränderung: - 5,5 ProzentRang (Vorjahr): 7 Quelle: dapd
Platz 6: Zurich Deutscher Herold LebenEiner der größten Anbieter von Lebensversicherungen, die Zurich, lässt die Zinsgutschrift unverändert, aber auf niedrigstem Niveau. "Die Überschussbeteiligung bleibt 2014 mit 3,0 Prozent auf dem 2013er Niveau", erklärte ein Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online. Für 2012 waren es noch 3,35 Prozent und für 2011 schrieb der Versicherer 3,7 Prozent gut. Bruttobeiträge 2013: 3,48 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 3,71 Milliarden EuroVeränderung: - 6,2 ProzentRang (Vorjahr): 5 Quelle: PR
Platz 5: DebekaDie Debeka senkt ihre Zinsgutschriften. Für den größten Teil der Verträge betrage die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge dann 4,3 bis 4,4 Prozent. Bisher waren es 4,4 bis 4,5 Prozent. Die laufende Verzinsung werde für das kommende Jahr auf 3,6 Prozent gesenkt. Bisher waren es 3,7 Prozent. Diese Anpassung sei aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus notwendig. Für 2012 hatte die Debeka noch eine Gesamtverzinsung von 4,7 bis 4,8 Prozent ausgewiesen. Die laufende Verzinsung war für 2012 auf 4,1 Prozent festgelegt worden. Bruttobeiträge 2013: 3,72 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 3,58 Milliarden EuroVeränderung: + 3,4 ProzentRang (Vorjahr): 6 Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 4: Generali LebenDie laufende Verzinsung (garantierter Rechnungszins plus laufende Überschussbeteiligung) für 2014 werde 3,15 Prozent betragen. Das ist ein Rückgang um 0,35 Prozentpunkt nach 3,5 Prozent im Vorjahr. Kunden der Generali Lebensversicherung AG erhielten damit ab dem 1. Januar 2014 eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 3,45 Prozent. Neben der laufenden Verzinsung seien hier auch eine Schlussüberschussbeteiligung in Höhe von durchschnittlich 0,2 Prozent sowie die Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven in Höhe von durchschnittlich 0,1 Prozent eingerechnet, die den Kunden bei Vertragsende mit ausgezahlt würden. Das Unternehmen ist eines von drei Lebensversicherungen der deutschen Generali-Gruppe unter den zehn Branchengrößen. Bruttobeiträge 2013: 4,38 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 4,03 Milliarden EuroVeränderung: + 8,6 ProzentRang (Vorjahr): 4 Quelle: dpa
Platz 3: Aachen Münchener LebenBei der Aachen-Münchener Leben sinkt die Überschussbeteiligung um 0,25 Prozentpunkte auf 3,50 Prozent. Zur laufenden Verzinsung kommen jeweils rund 0,5 Prozent Schlussüberschuss, der aber erst am Ende der Laufzeit ausgeschüttet wird. Das Unternehmen der deutschen Generali-Gruppe gehört zu den zehn größten deutschen Lebensversicherern. Die Aachen-Münchener vertreibt ihre Policen exklusiv über den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG. Vorstandsvorsitzender ist seit 2003 Michael Westkamp (siehe Bild). Bruttobeiträge 2013: 4,72 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 4,64 Milliarden EuroVeränderung: + 1,8 ProzentRang (Vorjahr): 3 Quelle: dpa
Gebäude der R+V Leben Quelle: PR
Platz 1: Allianz LebenDer Branchenführer hält die Überschussbeteiligung stabil bei 3,6 Prozent. Im Vorjahr hatte er sie noch von 4,0 Prozent auf 3,6 Prozent gesenkt und sich damit von der magischen Vier-Prozent-Marke verabschiedet. Hinzu kommen ein Schlussüberschuss sowie ein Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven von zusammen 0,6 Prozent. Damit beträgt die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge 4,2 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 16,81 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 15 Milliarden EuroVeränderung: + 12,1 ProzentRang (Vorjahr): 1 Quelle: dpa

Die Finanzaufsicht BaFin überprüft aktuell ihre eigenen Regeln für einen Geldtopf, in dem Lebensversicherer aufgrund der niedrigen Zinsen seit 2011 Kapital zurücklegen müssen. Der Topf, der Zinszusatzreserve heißt, dient als Sicherheit dafür, dass Versicherer die ihren Kunden garantierten Zinsen zahlen können. Die Branche hat schon mehr als 20 Milliarden Euro eingezahlt. Doch die Vorschrift zur Stabilisierung der Branche destabilisiert sie nun. Denn die Zinsen sinken schneller und heftiger als erwartet. Versicherern bereitet es immer größere Probleme, mehr und mehr Milliarden auf die Seite zu legen.

Alternativen zur Lebensversicherung: breit gestreut sparen

Die BaFin räumt ein, dass ihr „Belastungen für die Branche bewusst“ seien. BaFin-Chef Felix Hufeld sagte der WirtschafsWoche: „Die herrschenden Zinsbedingungen sind in der Tat eine große Herausforderung für Branche und Aufsicht gleichermaßen.“ Die Behörde hat daher reagiert: „Vor dem Hintergrund des stetig sinkenden Zinsniveaus hat die BaFin eine interne Arbeitsgruppe eingerichtet, die überprüft, ob und in welchem Maße eine Rekalibrierung der Zinszusatzreserve erforderlich erscheint“, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Die Arbeitsgruppe ist demnach erst kürzlich eingerichtet worden.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), in der sich Versicherungsmathematiker zusammengeschlossen haben, will nun erreichen, dass Versicherer die Reserve langsamer aufbauen können. „Keiner hat damit gerechnet, dass man für zehnjährige Staatsanleihen plötzlich nur noch Zinsen nahe Null bekommt“, sagt DAV-Vorstandschef Wilhelm Schneemeier. Das Tempo für den Aufbau der Zinszusatzreserve sei daher für einige Lebensversicherer nur schwer durchzuhalten.

Die Aufsicht hat nun die Wahl zwischen Pest und Cholera: Würde sie ihre Vorschrift lockern, könnten Versicherer den Topf zwar langsamer befüllen. Das würde jedoch die durch die Zinszusatzreserve beabsichtigte Stabilisierung der Lebensversicherer ad absurdum führen: Dürften Versicherer weniger Kapital zur Seite legen, könnten einzelne zu wenig Geld haben, um hohe Garantien zu bedienen.

Alternativen zur Lebensversicherung: Bonussparpläne

Und bliebe alles, wie es ist, müssten Versicherer weiter ihr Tafelsilber verscherbeln. Um die Zinszusatzreserve zu befüllen, verkaufen sie der Ratingagentur Standard & Poor’s zufolge Anleihen mit hohen Kursgewinnen. Das ist gefährlich: Denn Kursgewinne haben gerade Anleihen mit hohen Kupons. Diese Anleihen zu verkaufen, gleicht aber dem Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Denn Zinsen auf die hoch verzinsten Anleihen kassieren Versicherer künftig nicht mehr. Folge: Der durchschnittliche Zins im Portfolio sinkt, die Probleme verschärfen sich. „Realisieren Versicherer zu viele Kursgewinne auf Anleihen, um die Zinszusatzreserve schneller aufzubauen, fehlt in den nächsten Jahren das Geld, um den Kunden zeitnah eine Überschussbeteiligung zahlen zu können“, beschreibt Schneemeier ein weiteres Problem. Die DAV sei daher im Gespräch mit der Aufsicht, um den Topf mit „mehr Augenmaß“ zu befüllen und Einzahlungen beispielsweise über 16 Jahre zu strecken.

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