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Lebensversicherung Zeitbombe Kurzfristzinsen

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Es stellt sich doch die Frage, wie Versicherer – zum Beispiel Cosmos Direkt - die derzeit versprochenen 1,75 Prozent Rendite verdienen? Ihnen bleiben nur extrem langfristige Anlagen oder hochriskante Papiere. Für zweijährige Bundesanleihen gibt es aktuell gerade einmal 0,758 Prozent Rendite. Selbst fünfjährige bieten nur 1,68 Prozent. Bleiben also risikoreiche Anlagen wie Griechenpapiere: Für eine zweijährige Laufzeit kassieren Anleger über zehn Prozent. Das wäre jedoch riskant, denn die Papiere sind längst nicht so liquide wie Bundesanleihen. Gibt es mit der Zinswende woanders eine höhere Rendite für die Kunden, werden sie ihr Erspartes schnell und schonungslos abziehen. Die Versicherer müssen dann schlagartig die langfristig angelegten Papiere auf den Markt schmeißen. Tun das andere Investoren ebenfalls zuhauf, könnten die Börsenkurse der Anleihen schlagartig sinken – Versicherer müssten möglicherweise mit Verlust verkaufen, um den Zins-Flüchtlingen schnell Bares zu überweisen. Das werde nicht passieren, meinen Versicherungsvorstände. So sagte Jürgen Meisch, Finanzvorstand der Gothaer der WirtschaftsWoche: „Wir haben die Zinsen für 2010 deutlich gesenkt, aber die Kunden ziehen das Geld trotzdem nicht ab."

Dass es langfristig jedoch nicht funktionieren kann, kurzfristig verfügbare Anlagen mit langfristigen gegenzufinanzieren und umgekehrt, ist spätestens seit dem Beinahezusammenbruch der Hypo Real Estate bekannt. Der Baufinanzierer hatte langfristige Kredite kurzfristig gegenfinanziert. Als es aufgrund mangelnden Vertrauens kurzfristig kein Geld mehr am Kapitalmarkt gab, brach das Konstrukt zusammen. Die Folgen sind bekannt, der Konzern musste mit Steuermilliarden gerettet werden. Das sollte den Versicherern dank Protektor, der Sicherungseinrichtung für die Lebensversicherer in Deutschland, hoffentlich nicht passieren.

Sinkende Renditen

Die Folge werden aber sinkende Renditen sein, denn alternativ bleibt Versicherern nur dieser Ausweg. Der Prozess ist bereits im Gange. So bot Cosmos Direkt anfangs noch Lockzinsen über 2,1 Prozent an – drei Monate später waren es nur noch 1,75.

Auch wenn die Vorschläge der BaFin bisher noch nicht bindend sind und Interessierte bis zum 20. August Stellung nehmen können, spricht vieles dafür, dass es so kommt. Die BaFin sollte in ihrer endgültigen Fassung aber die Drei-Prozent-Quote kippen und Lebensversicherer zwingen, das Geld der Kurzfristsparer komplett in einem separaten Topf zu verwalten. Sind sie dazu gezwungen und belassen sie es bei solch üppigen Renditen, schneiden sie sich am Ende ins eigene Fleisch. Doch bevor sie das tun, senken sie wohl lieber die Zinsen auf ein marktnahes Niveau.

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