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Lebensversicherungen Abkassierer machen Jagd auf Vorsorgesparer

Die niedrigen Zinsen bilden den Nährboden für fragwürdige Geschäfte mit Lebensversicherungspolicen. Die Assekuranz wehrt sich mit schwarzen Listen und Klagen vor Gericht.

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Abkassierern ins Netz gegangenen: Das fragwürdige Geschäft mit Ersparnissen aus Lebensversicherungen boomt. Sparer werden gedrängt, ihre Policen zu kündigen und renditeträchtiger anzulegen. Aber viele Angebote sind dubios Quelle: dpa

Ulf Glatho ist sich in seinem Urteil ganz sicher. „Die klassische Lebensversicherung ist ein Auslaufmodell“, sagt der Prokurist der Kapitalanlagegesellschaft Novo Ass in Köln. Die Kosten seien um bis zu 25 Prozent höher als bei klassischen Sparplänen. Dazu kämen die immer weiter sinkenden Garantiezinsen, die die Lebensversicherung für Anleger unattraktiv machten.

Die Not der Versicherer und ihrer Kunden wollen Glatho und seine Leute nutzen: Sie animieren die Kunden, ihre Lebensversicherung zu kündigen und den ausgezahlten Rückkaufwert bei Novo Ass anzulegen. Für das Geld, so das Versprechen, gebe es acht Jahre lang acht Prozent Zinsen jährlich oder sechs Jahre sechs Prozent. Die Beträge aus den Versicherungen, sagt Glatho, flössen unter anderem in Immobilien, die nach Insolvenzen oder Scheidungen auf den Markt kämen, von Novo Ass erworben und dann vermietet würden.

Was bei der Kündigung von Versicherungen zu beachten ist
Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen Quelle: dpa
Kündigungsfristen einhaltenUnabhängig davon, ob es um eine ordentliche Kündigung ohne Angabe von Gründen geht oder eine sogenannte Sonderkündigung, weil beispielsweise die monatlichen Beiträge erhöht wurden, wichtig ist, die Kündigungsfristen einzuhalten. Wird der Termin verpasst, ist die Kündigung unwirksam und der Vertrag verlängert sich. Die meisten Policen wie die Kfz-Versicherung haben eine dreimonatige Kündigungsfrist, bei Lebensversicherungen ist es dagegen ein Monat - nachschauen ist also unerlässlich. . Quelle: Fotolia
Formalien beachtenAußerdem müssen sowohl ordentliche als auch Sonderkündigungen schriftlich erfolgen. Ein Anruf bei der Assekuranz oder eine E-Mail reichen nicht aus. Es ist außerdem ratsam, die Kündigung per Einschreiben mit Rückschein zu verschicken. So können Sie im Zweifelsfall nachweisen, dass Sie fristgerecht gekündigt haben. Quelle: Fotolia
Kündigungsgrund BeitragserhöhungEin Grund für eine sogenannte Sonderkündigung ist beispielsweise die Erhöhung der Versicherungsbeiträge. Wer einen Brief von seinem Versicherer bekommt, dass es künftig teurer wird, hat das Recht, die Police - auch vorzeitig - zu kündigen. Die Kündigung muss allerdings spätestens einen Monat nach Bekanntgabe der Erhöhung stattfinden. Zwei Jahre lang zahlen und dann bemängeln, dass es zu teuer ist, geht nicht. In einem solchen Fall müssen Sie ordentlich - sprich: ein bis drei Monate vor Vertragsende - kündigen. Quelle: Fotolia
Ein Feuerwehrmann steht am 13.01.2013 neben einem verunglückten Personenwagen auf der Bundesautobahn A 38 bei Friedland (Niedersachsen). Quelle: dpa
Kündigungsgrund: VertragsbruchSollte sich die Versicherung widerrechtlich vor einer Schadensregulierung drücken, hat der Kunde das Recht, den Vertrag sofort zu kündigen. Gleiches gilt natürlich auch für die jeweilige Assekuranz, falls der Versicherungsnehmer sich nicht an den Vertrag hält. Quelle: Fotolia
Gebrauchtwagen verschiedener Marken stehen am Dienstag, 5. Februar 2002, bei einem Audi-Haendler in Koblenz zum Verkauf. Quelle: AP

Das Geschäft läuft. Die Kölner, die nur ein Beispiel für eine rasch wachsende Branche sind, beschäftigen nach eigenen Angaben 15 fest angestellte Mitarbeiter im Innendienst und etwa 150 freie Makler. Nach eigenen Angaben akquirierte Novo Ass bis heute rund 2,8 Millionen Euro aus Lebensversicherungen – „mit rasch steigender Tendenz“, so Glatho.

Acht Prozent Rendite acht Jahre lang – die Magerzinszeit ist der ideale Nährboden für ambitionierte Finanzjongleure. Mit offenbar dubiosen Angeboten versuchen sie, die Kunden aus ihren kärglichen Lebensversicherungen zu locken – und mit aggressiven Methoden. „Die Auseinandersetzungen mit fragwürdigen Firmen nehmen zu“, sagt Ralf Berndt, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Versicherung.

Seit zwei bis drei Jahren, so beobachten es die Stuttgarter, gibt es eine deutliche Zunahme dieser Firmen. Häufig zahlten sie den Versicherten einen Teil des abgetretenen Rückkaufwertes in bar aus. Der Rest verschwinde in dunklen Kanälen, manchmal in der Schweiz oder in Liechtenstein, so ein Manager der Versicherung. Intern führt der schwäbische Versicherer eine schwarze Liste mit 25 fragwürdigen Anbietern. Auch Branchenführerer Allianz in München führt ein solches Verzeichnis.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die seit etwa drei Jahren verstärkte Aktivitäten von Lebensversicherungsaufkäufern feststellt, beobachtet zurzeit 60 solcher Unternehmen. Sechs Anbietern untersagte die Behörde das Geschäft. Für die Versicherer wie für die BaFin ist es schwer, den Überblick über die unliebsame bis unlautere Konkurrenz zu behalten. Namen kommen und gehen.

Dabei spalten sich die Policenankäufer in zwei Gruppen. Die einen haben sich im Bundesverband Lebensversicherungen im Zweitmarkt (BVLZ) zusammengeschlossen. Um sich von unseriösen Wettbewerbern abzugrenzen, verpflichten sich die BVLZ-Mitglieder auf bestimmte Standards: Dazu zählt, dass der Käufer die Lebensversicherung fortführt, statt sie zu kündigen. Die Police läuft dann weiter, der Kunde behält auch nach dem Verkauf einen – wenn auch verringerten – Anspruch auf eine Zahlung im Todesfall. Die Kündigung von Lebensversicherungspolicen, um an die Rückkaufwerte zu kommen, betrachtet der Verband dagegen als „Pseudo-Zweitmarkt“.

Lizenz zum Abkassieren

Was Lebensversicherungen wirklich bringen
Interrisk: Österreicher bieten beste BeitragsrenditeDie Ratingagentur Assekurata errechnete für Interrisk eine garantierte Beitragsrendite von 1,69 Prozent - für einen Vertrag, der 25 Jahre läuft und formal einen Garantiezins von 1,75 Prozent hat. So nah ist kein anderer Versicherer am Garantiezins dran. Auch im Vorjahr war dies so. Die prognostizierte - und damit unverbindliche - Beitragsrendite beträgt 4,2 Prozent. Damit liegt Interrisk als einer von vier Anbietern noch über der Marke von vier Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Satz jedoch deutlich gesunken, und zwar von 4,57 Prozent. Die InterRisk Versicherungs-AG ist das deutsche Tochterunternehmen der östereichischen Vienna Insurance Group. Quelle: Presse
Europa: Direktversicherer hält sich im SpitzenfeldDie Europa Lebensversicherung liefert seit Jahren gute Zahlen ab. Doch auch diese sinken. Die garantierte Beitragsrendite ist mit 1,57 Prozent sogar noch ein wenig höher als im Vorjahr mit 1,53 Prozent, weil Kostenvorteile zu Buche schlagen. Bei der prognostizierten Beitragsrendite liegt Europa mit 4,53 Prozent an der Spitze des Feldes. Der Wert liegt jedoch deutlich unter den 4,95 Prozent des Vorjahres. Bei der Überschussbeteiligung hält Europa noch die Marke von vier Prozent. Das geht hervor aus einer Mitteilung des Versicherers an die Ratingagentur Assekurata. Für 2012 betrug die Überschussbeteiligung noch 4,35 und für das Jahr 2011 waren es noch 4,5 Prozent. Quelle: Screenshot
Cosmos Direkt: Niedrige Kosten - hohe RenditeDie Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Am besten ist dies bei der garantierten Beitragsrendite zu erkennen. Platz 3 im Ranking von Assekurata mit 1,46 Prozent. Auch hier errechnete die Ratingagentur einen leicht besseren Wert als im Vorjahr. 4,17 Prozent für die prognostizierte Beitragsrendite ist ebenfalls ein Spitzenwert in der Branche. Im Vorjahr waren es aber noch 4,57 Prozent.
Hannoversche Leben: Schon unter vier ProzentMit der garantierten Beitragsrendite von 1,35 Prozent liegt der Direktversicherer aus Hannover auf Platz 4 - und damit sehr gut. Mit der prognostizierten Beitragsrendite erreicht er Platz 5. Dieser Wert liegt jedoch unter vier Prozent (3,92 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch 4,17 Prozent waren. Nur vier Lebensversicherer liegen bei dieser Hochrechnung noch über vier Prozent. Dies zeigt den Trend in der Branche und auch bei der Hannoverschen Leben, für die die Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke wirbt.
WGV: Guter Garantierendite, schlechtere PrognoseDie Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) bietet eine sehr gute Beitragsrendite. Mit 1,31 Prozent liegt der Versicherer auf Platz 5 in der Branche, wie Assekurata berechnete. Schlechter ist die prognostizierte Beitragsrendite mit 3,63 Prozent. Mehr als ein Dutzend Konkurrenten liegen hier besser. Wie andere Untersuchungen zeigen, liegt die WGV in der Leistungsfähigkeit für den Kunden häufig in den Top10. Quelle: Presse
Ergo Direkt: Besser als die große MutterErgo Direkt will nicht nur mit dem Thema Verständlichkeit punkten, sondern auch mit seinen Lebensversicherungsrenditen. Bei der garantierten Beitragsrendite liegt der Direktversicherer mit 1,31 zusammen mit der WGV auf Platz fünf. Auffällig ist die starke Verbesserung zum Vorjahr. Da lag dieser Wert nur bei 1,23 Prozent. Mit einer prognostizierten Rendite von 3,57 Prozent liegt Ergo Direkt allerdings nur im oberen Mittelfeld der Branche. In jedem Fall ist der Direktversicherer mit beiden Werten deutlich besser als das Vertreter-Unternehmen Ergo, die große Mutter aus Düsseldorf. Quelle: Screenshot
Asstel: Gothaer-Tochter springt in die Top10Die Asstel aus Köln-Mülheim profitiert ebenfalls davon, dass der Vertrieb eines Direktversicherers günstiger ist als bei Unternehmen, die auf Vertreter setzen. Die garantierte Beitragsrendite liegt mit 1,3 Prozent daher vergleichsweise hoch - Platz 8 bei Assekurata von 61 Versicherern. Die prognostizierte Beitragsrendite ist mit 3,8 Prozent ebenfalls vergleichsweise gut - ein Top10-Wert für die Tochter der Gothaer Versicherungen. Quelle: Presse

Der ist wenig durchsichtig. Die seriösen Ankäufer investieren jährlich etwa 200 Millionen Euro in den Kauf von Lebensversicherungspolicen. „Der Pseudo-Zweitmarkt ist bestimmt genauso groß, möglicherweise auch noch größer“, sagt der BVLZ-Vorsitzende Ingo Wichelhaus. Besondere Vorsicht ist laut Verbraucherzentrale Hamburg dann geboten, wenn der Lebensversicherungskunde die Auszahlung aus einer gekündigten Versicherung nicht selbst erhält, sondern das Geld direkt in eine andere Anlage weitergeschoben wird.

Genau das geschieht bei der Novo Ass, die Versicherte mit einem „Turbo für Ihre Geldanlagen“ (Eigenwerbung) lockt. In der Praxis erscheint das Angebot aber eher wie eine Lizenz zum Abkassieren.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

So wirbt Novo Ass, die Anlage der Versicherungsgelder sei inflationsbesichert, weil das Geld in Sachwerte investiert werde: Immobilien, regenerative Energien und Unternehmen der Gesundheitsbranche. Die übliche Logik hinter Sachwertinvestments: Wer beispielsweise eine Immobilie kauft und diese vermietet, hat einen Inflationsschutz, weil er die Mieten erhöhen kann, wenn das Geld an Wert verliert. Wenn er die Immobilie irgendwann verkauft, bringt sie im Falle einer Inflation mehr Geld als beim Erwerb ein, der Wertverlust des Geldes wird kompensiert.

Doch diese Logik funktioniert bei Novo Ass nicht. Denn Novo-Ass-Kunden beteiligen sich gar nicht an Immobilien. Sie geben Novo Ass nur ein Darlehen. Da die Darlehensforderung in Euro festgelegt ist, verliert sie 1:1 mit der Inflation an Wert.

Laut Glatho ein Missverständnis. Denn der Inflationsschutz bestünde im Zins oberhalb der Inflationsrate. Die Sachwerte seien wichtig als Sicherheit für das Darlehen. „Sachwert und Zins sind in Kombination die Faktoren, die den Charme der Anlage ausmachen“, sagt Glatho.

Doch es gibt weitere Merkwürdigkeiten. Das Darlehen ist nicht zweckgebunden und muss nicht notwendigerweise in eine der drei gepriesenen Anlageformen fließen. Das geht aus dem Vertrag hervor, den Novo-Ass-Kunden unterschreiben müssen. Darin heißt es, dass die Kundengelder „in das Vermögen der Novo Ass AG“ eingehen und „für sämtliche Betriebsbedarfe“ verwendet werden können. Heißt im Klartext: Die Firma kann mit dem Geld machen, was sie will.

„Einem solchen Unternehmen würde ich niemals mein Geld geben“, sagt Heiko Müller, Anlegerschutzanwalt der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen. „Im Darlehensvertrag sollte immer klar bestimmt sein, wofür das Geld verwendet wird, damit die versprochene Verzinsung auch erwirtschaftet werden kann. Zudem sollte der Anbieter nachgewiesen haben, dass sein Geschäftsmodell funktioniert.“

Glatho ficht auch das nicht an. Bis eine endgültige Beurteilung der Anlage möglich sei, müssten noch ein paar Jahre vergehen. Zur fehlenden Zweckbindung sagt er: „Das Interessante an unserer Strategie ist die fehlende Festschreibung, die es uns ermöglicht, flexibel zu investieren.“ Wichtig sei lediglich, dass Sicherheiten in Grundpfandrechten gestellt werden können.

2005 gegründet, hat das Unternehmen seither zweimal Namen und Geschäftszweck geändert. Unter Novo Ass firmiert das Unternehmen erst seit 2011, vorher verkaufte die Firma Kommunikationstechnologie, IT-Dienstleistungen und betrieb eine Internet-Plattform. Auch die Referenzen der Chefs geben Anlass zum Zweifeln. Aufsichtsratsvorsitzender ist Ralf Sommer, ein Versicherungsmakler, der selbst Novo-Ass-Produkte an Kunden vermittelt. Anhaltspunkte für Erfahrungen als Kontrolleur eines Unternehmens lassen sich im Handelsregister nicht finden. Mit-Kontrolleurin ist Glathos Ehefrau Brigitta. Novo Ass teilt mit, Sommer sei als Versicherungskaufmann und früherer Maklerbetreuer einer großen Versicherungsgesellschaft qualifiziert, zudem fungiere er als Ausbildungsleiter für die Azubis der Novo Ass. Brigitta Glatho sei Kauffrau mit Zusatzausbildung im Immobilienbereich.

Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt

Große Lebensversicherer lassen Kunden hungern
Der Speck ist wegWer eine Lebensversicherung kauft, geht zum Vertreter. Rund zwei Drittel des Neugeschäfts entfällt daher auf die 20 größten Lebensversicherer. Die Branchenriesen werden nun jedoch immer vorsichtiger. Im Schnitt liegt ihre Überschussbeteiligung bei 3,49 Prozent - das ist mager und dürfte weniger als der ohnehin schon niedrige Branchenschnitt von rund 3,6 Prozent sein. Der Grund: Fast alle sind mit ihren Gutschriften runter gegangen, manche Riesen haben sogar schon drei Prozent erreicht. Senkungen der Zinsgutschriften von 0,5 Prozentpunkt oder mehr ließen oft aufhorchen. Hier scheint nur noch wenig Speck zu sein für die Kunden. Stand: Januar 2013 Quelle: rtr
Platz 20 - R+V: Wartet abDer drittgrößte Lebensversicherer in Deutschland will erst Ende Februar mitteilen, wie hoch seine Überschussbeteiligung im laufenden Jahr ist. Das ist ungewöhnlich spät. Zur Begründung hieß es in Wiesbaden, man wolle die Entwicklung des Marktes abwarten. Damit ist die R+V die große Ausnahme in der Branche. Für 2012 hatte die R+V die Angaben noch - wie in der Branche üblich - Anfang Dezember 2011 geliefert. Damals hieß es, trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds könne die R+V Lebensversicherung AG für ihre Kunden auch 2012 eine Gesamtverzinsung von 4,40 Prozent bieten. Darin enthalten sei eine laufende Verzinsung von 3,85 Prozent. Quelle: Presse
Platz 19 - Zurich: 3,0 ProzentEiner der größten Anbieter von Lebensversicherungen, die Zurich, ist mit ihrer Überschussbeteiligung deutlich heruntergegangen. Sie liege für 2013 auf nun bei drei Prozent, heißt es auf der Internetseite von Assekurata. Für 2012 waren es noch 3,35 Prozent und für 2011 schrieb der Versicherer 3,7 Prozent gut. Die durchschnittliche Gesamtverzinsung (laufende Verzinsung sowie Schlussüberschuss inkl. deklarierter Beteiligung an den Bewertungsreserven) betrage nun etwa 3,8 Prozent - nach 4,2 Prozent für 2012. Die vertragsindividuelle Gesamtverzinsung hänge dabei von Daten wie Produkt, Laufzeit und Alter der versicherten Person ab. Zurich setze auf nachhaltige finanzielle Stärke der Lebensversicherung statt auf kurzfristige Renditeversprechen, erklärte der Versicherer auf Anfrage von Handelsblatt Online. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten habe die Unternehmensführung daher entschieden, eine Senkung der Überschussbeteiligung für den Neuzugang und den Bestand vorzunehmen. "Unsere Kapitalanlagepolitik ist auf höchste Sicherheit ausgelegt. Wir können unseren Kunden keine höhere Verzinsung auszahlen, als wir mit unserer Kapitalanlage erwirtschaften", erklärte eine Sprecherin der Zurich. Quelle: Presse
Platz 18 - Ergo: 3,0 bis 3,2 ProzentErgo ist einer der größten Anbieter auf dem Markt. Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Mit den Deklarationen hat der Versicherer ein Zeichen gesetzt. Damit erreicht einer der Marktgrößen die Marke von drei Prozent bei den laufenden Überschüssen. Quelle: dapd
Platz 17 - SV Sparkassenversicherung: 3,05 ProzentDie Überschussbeteiligung der SV Sparkassenversicherung ist von 3,75 Prozent für 2011 auf 3,55 Prozent in diesem Jahr auf nun 3,05 Prozent in diesem Jahr gefallen. Dies ergibt aus Angaben, die Assekurata veröffentlicht hat. Der Rückschritt ist damit stärker als im Schnitt der Branche. Der Sparkassenversicherer war in den vergangenen Jahren besonders stark durch Einmalgeschäft gewachsen.
Platz 16 - Versicherungskammer Bayern (VKB): 3,1 ProzentDer größte Sparkassenversicherer, die Versicherungskammer Bayern, setzt auf hohe Reserven. Die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, größter Lebensversicherer der VKB, zähle zu den Gesellschaften mit den höchsten Bewertungsreserven in der Branche. Allerdings liegt damit ein weiterer großer Lebensversicherer aus dem Sparkassensektor unter den Großen relativ weit hinten. Dennoch senkt das Unternehmen seine Überschussbeteiligung 2013 auf einen der niedrigsten Werte in der Branche: 3,1 Prozent. Bisher waren es 3,5 Prozent. Die Bayern-Versicherung bietet darüber hinaus auch im Jahr 2013 eine attraktive Gesamtverzinsung auf den Sparanteil. Für Neuverträge gegen laufenden Beitrag betrage diese 3,7 Prozent. Darin enthalten seien 0,6 Prozent für den Schlussüberschuss inklusive der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven. Die Sparte Lebensversicherung des Sparkassenversicherers verzeichnete 2012 ein starkes Beitragswachstum. Die Prämien stiegen den Angaben zufolge um 5,9 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro.
Platz 15 - Württembergische: 3,25 ProzentDie Lebensversicherung im Versicherungs- und Bausparkonzern Württembergische und Wüstenrot geht um 0,25 Prozentpunkt mit der Überschussbeteiligung runter: Sie sinkt von 3,5 Prozent in den beiden Vorjahren auf nun 3,25 Prozent. Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung AG: „Mit unserer vergleichsweise konservativen Positionierung beim Zinsüberschuss berücksichtigen wir die Entwicklungen am Kapitalmarkt und stabilisieren unseren Bestand auch gegen Belastungen aus der anhaltenden Niedrigzinsphase, der EU-Verschuldungskrise und Ausfallrisiken.“ Zusammen mit dem Schlussüberschuss und der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich ab 2013 eine gesamte Verzinsung der Sparanteile von 3,9 Prozent (Vorjahr: knapp 4,2 Prozent). Quelle: Presse

Geschäftsführer bei Novo Ass sind Joachim Barth und Rainer Stolle. Über Barth findet sich im Handelsregister ebenfalls wenig. Novo Ass teilt mit, er sei Hotelkaufmann und Vertriebsprofi. Stolle sei Physiker und Kaufmann und habe Erfahrungen als Liquidator in Dresden und Leipzig. Laut Handelsregister war er Anfang der Neunzigerjahre Gründungsgeschäftsführer der E & C Engineerconsult Gesellschaft für Unternehmensberatung, Bausanierung und Energiespartechnik in Heidenau-Großsedlitz mbH bei Dresden. Drei Jahre darauf stellte die Gesellschaft einen Insolvenzantrag, der mangels Masse abgelehnt wurde. Später war Stolle Liquidator zweier insolventer Unternehmen in Dresden namens Die Betonknacker Bohren und Sägen mit Diamantwerkzeugen GmbH sowie Spedition Preller Ltd. & Co. KG.

Lebensversicherer mit den höchsten Ablaufrenditen

Inzwischen hat sich die Justiz der Novo Ass angenommen. Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigt auf Anfrage der WirtschaftsWoche, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs gegen Novo-Ass-Prokurist Glatho eingeleitet hat. „Es gibt umfangreiche Betrugshandlungen, die es zu prüfen gilt“, sagt ein Sprecher. Es gehe um mehrere Unternehmen, darunter auch Novo Ass, und um verschiedene Anlageformen – nicht nur nachrangige Darlehen wie bei Novo Ass, sondern auch Genussrechte und weitere Beteiligungen.

Glatho führt das Verfahren auf die Insolvenz eines anderen Unternehmens zurück, bei dem er im Aufsichtsrat saß. „Das war eine äußerst schmerzhafte Lehre, und von solchen Partnerschaften und deren vermeintlichen Synergieeffekten haben wir die nächsten 100 Jahre genug“, so Glatho, „mit der zweiten Namensänderung haben wir uns von diesem Unfug distanziert.“

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Er geht mit Novo Ass unverdrossen weiter auf Kundenfang. Und ist in vielfacher Hinsicht ein Musterbeispiel für das, was im Markt passiert. So sind nach Novo-Ass-Angaben etwa 50 Inhaber von Lebensversicherungen der Nürnberger Versicherung dabei, diese zu kündigen und die Beträge an Novo Ass zu überweisen. Dabei geht Novo Ass offenbar ziemlich dreist vor. Kunden der Nürnberger berichteten 2010, Mitarbeiter von Novo Ass hätten am Telefon behauptet, im Auftrag der Nürnberger anzurufen, und hätten die Kündigung der Verträge empfohlen. Daraufhin hatte die Nürnberger gegen Novo Ass auf Unterlassung solcher Behauptungen geklagt. Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleich.

Fragt sich, wie Novo Ass an seine Kunden kommt. Einen Verdacht hegt die Stuttgarter Versicherung, die 2012 einem Makler wegen „Qualitätsproblemen“ kündigte, so ein Manager des Versicherers. Dieser, wird vermutet, habe umfangreiche Daten von seinem Kundenstamm verkauft.

Laut Glatho ist Novo Ass derzeit mit 20 bis 25 Kunden der Stuttgarter Versicherung über die Kündigung ihrer Policen im Gespräch. Auch hier traten Novo-Ass-Mitarbeiter nach Angaben von betroffenen Kunden im Namen der Stuttgarter auf oder behaupteten, der Versicherer sei pleite.

Die Assekuranz wehrt sich gegen Firmen wie Novo Ass. Kündigt bei der Stuttgarter Versicherung ein Kunde seine Lebensversicherung und erklärt, die Police an einen anderen Anbieter abtreten zu wollen, werden die Außendienstmitarbeiter aktiv. Sie informieren die Policen-Inhaber über Gefahren, die sich hinter manchen hohen Renditeversprechen verbergen. Wenn nötig, zerren die Versicherer den Anbieter auch wegen übler Nachrede vor den Kadi. Drei einstweilige Verfügungen hat die Stuttgarter gegen Novo Ass erwirkt. Novo Ass hat die Verfügungen akzeptiert. Ein Manager der Stuttgarter: „Bisher haben wir alle Auseinandersetzungen gewonnen.“

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