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Lebensversicherungen Bewertungsreserven werden neu aufgeteilt

Exklusiv

Der Streit um die Bewertungsreserven von Lebensversicherungen geht in die letzte Phase. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, will der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat am 26. Februar entscheiden, in welchem Umfang ausscheidende Versicherte an den derzeit extrem hohen stillen Reserven zu beteiligen sind.

Was Lebensversicherungen wirklich bringen
Interrisk: Österreicher bieten beste BeitragsrenditeDie Ratingagentur Assekurata errechnete für Interrisk eine garantierte Beitragsrendite von 1,69 Prozent - für einen Vertrag, der 25 Jahre läuft und formal einen Garantiezins von 1,75 Prozent hat. So nah ist kein anderer Versicherer am Garantiezins dran. Auch im Vorjahr war dies so. Die prognostizierte - und damit unverbindliche - Beitragsrendite beträgt 4,2 Prozent. Damit liegt Interrisk als einer von vier Anbietern noch über der Marke von vier Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Satz jedoch deutlich gesunken, und zwar von 4,57 Prozent. Die InterRisk Versicherungs-AG ist das deutsche Tochterunternehmen der östereichischen Vienna Insurance Group. Quelle: Presse
Europa: Direktversicherer hält sich im SpitzenfeldDie Europa Lebensversicherung liefert seit Jahren gute Zahlen ab. Doch auch diese sinken. Die garantierte Beitragsrendite ist mit 1,57 Prozent sogar noch ein wenig höher als im Vorjahr mit 1,53 Prozent, weil Kostenvorteile zu Buche schlagen. Bei der prognostizierten Beitragsrendite liegt Europa mit 4,53 Prozent an der Spitze des Feldes. Der Wert liegt jedoch deutlich unter den 4,95 Prozent des Vorjahres. Bei der Überschussbeteiligung hält Europa noch die Marke von vier Prozent. Das geht hervor aus einer Mitteilung des Versicherers an die Ratingagentur Assekurata. Für 2012 betrug die Überschussbeteiligung noch 4,35 und für das Jahr 2011 waren es noch 4,5 Prozent. Quelle: Screenshot
Cosmos Direkt: Niedrige Kosten - hohe RenditeDie Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Am besten ist dies bei der garantierten Beitragsrendite zu erkennen. Platz 3 im Ranking von Assekurata mit 1,46 Prozent. Auch hier errechnete die Ratingagentur einen leicht besseren Wert als im Vorjahr. 4,17 Prozent für die prognostizierte Beitragsrendite ist ebenfalls ein Spitzenwert in der Branche. Im Vorjahr waren es aber noch 4,57 Prozent.
Hannoversche Leben: Schon unter vier ProzentMit der garantierten Beitragsrendite von 1,35 Prozent liegt der Direktversicherer aus Hannover auf Platz 4 - und damit sehr gut. Mit der prognostizierten Beitragsrendite erreicht er Platz 5. Dieser Wert liegt jedoch unter vier Prozent (3,92 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch 4,17 Prozent waren. Nur vier Lebensversicherer liegen bei dieser Hochrechnung noch über vier Prozent. Dies zeigt den Trend in der Branche und auch bei der Hannoverschen Leben, für die die Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke wirbt.
WGV: Guter Garantierendite, schlechtere PrognoseDie Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) bietet eine sehr gute Beitragsrendite. Mit 1,31 Prozent liegt der Versicherer auf Platz 5 in der Branche, wie Assekurata berechnete. Schlechter ist die prognostizierte Beitragsrendite mit 3,63 Prozent. Mehr als ein Dutzend Konkurrenten liegen hier besser. Wie andere Untersuchungen zeigen, liegt die WGV in der Leistungsfähigkeit für den Kunden häufig in den Top10. Quelle: Presse
Ergo Direkt: Besser als die große MutterErgo Direkt will nicht nur mit dem Thema Verständlichkeit punkten, sondern auch mit seinen Lebensversicherungsrenditen. Bei der garantierten Beitragsrendite liegt der Direktversicherer mit 1,31 zusammen mit der WGV auf Platz fünf. Auffällig ist die starke Verbesserung zum Vorjahr. Da lag dieser Wert nur bei 1,23 Prozent. Mit einer prognostizierten Rendite von 3,57 Prozent liegt Ergo Direkt allerdings nur im oberen Mittelfeld der Branche. In jedem Fall ist der Direktversicherer mit beiden Werten deutlich besser als das Vertreter-Unternehmen Ergo, die große Mutter aus Düsseldorf. Quelle: Screenshot
Asstel: Gothaer-Tochter springt in die Top10Die Asstel aus Köln-Mülheim profitiert ebenfalls davon, dass der Vertrieb eines Direktversicherers günstiger ist als bei Unternehmen, die auf Vertreter setzen. Die garantierte Beitragsrendite liegt mit 1,3 Prozent daher vergleichsweise hoch - Platz 8 bei Assekurata von 61 Versicherern. Die prognostizierte Beitragsrendite ist mit 3,8 Prozent ebenfalls vergleichsweise gut - ein Top10-Wert für die Tochter der Gothaer Versicherungen. Quelle: Presse

Es geht um 80 Milliarden Euro in den Büchern der Versicherungen. Die Summe ist auf die niedrigen Zinsen und den damit verbundenen rasanten Kursanstieg der Anleihen zurückzuführen, in denen das Versichertengeld angelegt ist.

Zuvor gibt eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) und Hartmut Koschyk (CSU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, eine Empfehlung ab. Beide halten es laut WirtschaftsWoche für sinnvoll, die seit 2008 geltende Ausschüttungspraxis zu korrigieren. Ausscheidende Versicherte sollen nur noch zu einem Viertel statt zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligt werden, der Rest bei der Versichertengemeinschaft bleiben.

Höhe der Bewertungsreserven am Quartalsende Lebensversicherungen

Bei der Begrenzung handelt es sich laut Walter-Borjans nicht um eine Verteilungsfrage zwischen den Unternehmen und den Verbrauchern. Koschyk verwahrt sich gegen Unterstellungen, die Regierung wolle die Versichertengemeinschaft schädigen. Vielmehr gehe es darum, so Koschyk zur WirtschaftsWoche, „Windfallprofits einer vergleichsweise kleinen Gruppe, deren Policen zufälligerweise jetzt fällig werden und mit denen unter normalen Umständen gar nicht zu rechnen gewesen wäre, zulasten der verbleibenden rund 95 Prozent Versicherten zu verhindern“.

Unterstützung erhalten die Befürworter einer Korrektur vom „Rentenpapst“ Bert Rürup. Dieser spricht von „einer intergenerativen Unwucht“ des geltenden Rechts. „Das seit einiger Zeit extrem niedrige Zinsniveau hat zu einem dramatischen Anstieg der Marktpreise der früher erworbenen höher verzinsten Anleihen in den Depots der Lebensversicherer geführt. Diese Buchgewinne müssen heute zu großen Teilen ausgeschüttet werden, obwohl sie mit dem Heranrücken der Fälligkeit dieser Papiere wegschmelzen“.

Die aktuelle Gesetzeslage würde folglich dazu führen, so Rürup, der heute das Handelsblatt Research Institute leitet, dass „eine kleine Gruppe von Versicherten, deren Verträge in der nächsten Zeit fällig werden als Folge des Zinsrutsches im Zuge der Eurokrise weit besser gestellt werden als diejenigen Versicherungsnehmer, deren Verträge vor zwei Jahren fällig wurden.“ Noch viel problematischer sei aber, dass durch den Zwang, nicht realisierte Buchgewinne auszuschütten viele nachfolgende Sparergenerationen zu Verlierern würden.

Dies ist laut Rürup „ein eklatanter Verstoß gegen das Prinzip einer intergenerativen Gleichbehandlung“. Der Rentenexperte spricht sich deshalb dringend dafür aus, das geltenden Recht anzupassen – nicht zugunsten der Versicherungsunternehmen, sondern im Interesse der Versichertengemeinschaft.

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