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LebensversicherungenIst das die Wende zum Besseren?

Die stark steigenden Zinsen sind für Lebensversicherer Segen und Fluch zugleich. Ein exklusives Rating.Niklas Hoyer 29.09.2023 - 19:23 Uhr

Lebensversicherungen: Wie gut ist Ihr Anbieter? Ein exklusives Ranking.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Jahrelang wetterten Lebensversicherer gegen den Kurs der Europäischen Zentralbank. Durch immer niedrigere Zinsen sahen sie nicht nur ihr Produkt, sondern die Altersvorsorge insgesamt gefährdet. Nun haben die Zinsen rasant gedreht – die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist seit Anfang 2022 von unter null auf rund 2,8 Prozent pro Jahr gesprungen. „Die Ertragschancen hellen sich auf. Und die Risikotragfähigkeit steigt“, sagt Frank Grund, oberster Versicherungsaufseher bei der BaFin, mit Blick auf die Lebensversicherung. Acht Jahre lang hatte Grund den Aufseherposten inne. Nun geht er in wenigen Tagen in den Ruhestand. Ein Abschied mit Happy End? Dürfen Millionen Deutsche sich mit ihrer Altersvorsorge endlich wieder glücklich schätzen?

So einfach ist es nicht. Das weiß Grund: „Auch ein zu abrupter Zinsanstieg kann zu Verwerfungen führen.“ Denn Lebensversicherer haben fast 80 Prozent des für die Kunden gehaltenen Kapitals zu festen Zinsen angelegt. Steigende Zinsen bieten ihnen die Chance, damit wieder mehr Ertrag herauszuholen. Zugleich aber verlieren die früher gekauften, niedriger verzinsten Papiere an Wert. Ende 2022 hatten Lebensversicherer so knapp 100 Milliarden Euro an stillen Lasten aufgebaut: Kursverluste der gehaltenen Anleihen, die sie allerdings nicht bilanzieren müssen, solange die Anleihen bis zur Endfälligkeit gehalten werden sollen – die Versicherer also 100 Prozent ausgezahlt bekämen.

Zum Vergleich: Noch Ende 2021 hatte der jahrelange Zinsverfall den Versicherern stille Reserven von über 150 Milliarden Euro beschert. Diese Reserven sind im Rekordtempo verschwunden. Das nehme den Lebensversicherern Handlungsspielraum bei der Kapitalanlage, sagt Grund. Und die Bundesbank warnt: Bei einem sehr starken Zinsanstieg könne es „zu einer Kündigungswelle“ bei Lebensversicherungen kommen. Das liegt nicht nur an den Wertverlusten im Anleihebestand, sondern auch daran, dass Kunden mit anderen Kapitalanlagen – etwa Tages- und Festgeld – wieder mehr verdienen. Bis die jährlichen Zinsgutschriften der Lebensversicherer deutlich steigen, dauert es hingegen. Mit 2,8 Prozent hat sich die laufende Verzinsung 2023 gegenüber dem Vorjahr nur minimal erhöht. Neukunden bekommen bislang unverändert 0,25 Prozent Mindestzins pro Jahr garantiert – und das nur auf den Sparanteil ihrer Beiträge, von dem Kosten vorab abgezogen werden.

Foto: WirtschaftsWoche

Angesichts der weiterhin hohen Inflation sichert das keinen realen Werterhalt. In einem exklusiven Rating ermittelt die WirtschaftsWoche seit 26 Jahren, welche Anbieter Versicherten besonders große Chancen auf Überschüsse oberhalb des Garantieniveaus bieten. Mit einer eigens entwickelten Methodik, ausgewertet von der Hamburger Ascore Analyse, soll die künftige Leistungsfähigkeit für Kunden abgebildet werden.

Dabei punkten vor allem jene Versicherer, die über viel freies Risikokapital verfügen – also Geld, das nicht direkt durch die den Kunden gemachten Zinsversprechen gebunden ist. Solches Geld kann riskanter und damit auch rentabler angelegt werden.

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Ein paar Anbieter haben es praktisch von Anfang an in die Rating-Spitzengruppe geschafft, darunter neben der diesjähriger Erstplatzierten Europa die Versicherer LVM, Huk-Coburg und Debeka. Erst rückblickend steht der tatsächliche Erfolg aus Kundensicht fest: Bei den nach zwölf Jahren im Dezember 2022 beendeten Verträgen landet in einer Auswertung des Analysehauses Assekurata die Europa ganz vorn. Über 30 Jahre Laufzeit steht die Debeka an der Spitze.

Nicht im Rating enthalten sind Versicherer mit komplett eingestelltem Neugeschäft. Sie lassen sich nicht sinnvoll vergleichen. Zudem bezieht sich das Rating auf klassische Verträge mit Garantiezins, für die das Kundengeld in einem großen Anlagetopf („Deckungsstock“) verwaltet wird. Trotz der Zinswende sind diese Verträge im Neugeschäft selten geworden. Hier dominieren Fondspolicen, deren Einzahlungen in der Regel für jeden Kunden separat verwaltet werden. Wieder anders aufgebaut sind Risikolebensversicherungen, aus denen im Todesfall Geld an Hinterbliebene fließt. Solch eine Todesfall-Absicherung kann es auch bei klassischen Lebensversicherungen geben, doch dort spielt sie eine untergeordnete Rolle – und sie mindert, falls vereinbart, die spätere reguläre Auszahlung, sei es als Einmalsumme oder Rente.

An der kritischen Marke

Klammert man Zusatzprodukte aus, gibt es gut 39 Millionen klassische Renten- und Lebensversicherungen in Deutschland. Für viele Menschen sind sie eine wichtige Säule der Altersvorsorge.

Bis Ende 2005 abgeschlossene Policen bieten auch einen Steuervorteil: Versicherte können Einmalauszahlungen steuerfrei erhalten. Bei später abgeschlossenen Verträgen müssen Kunden nur die Hälfte der Auszahlung versteuern, sofern ein paar Anforderungen (wie zwölf Jahre Mindestlaufzeit) erfüllt sind. Fließt die Auszahlung als lebenslange Rente, muss diese in aller Regel und unabhängig vom Abschlussjahr versteuert werden. Immerhin fällt dabei nur auf einen kleineren Teil Steuer an, je nach Alter bei Rentenbeginn. Mit 65 wären 18 Prozent steuerpflichtig. Für staatlich geförderte Vertragsarten, etwa Riester- oder Rürup-Renten, gelten abweichende Regeln.

So rechnen wir
Seit 26 Jahren zeigt das Rating der WirtschaftsWoche die Renditechancen bei Lebensversicherern aus Kundensicht – nicht für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft. Der Ansatz dahinter: Je mehr Kapitalpolster Versicherer haben, desto rentabler können sie anlegen. Sind auch die Kosten niedrig und werden Kunden fair an Überschüssen beteiligt, dann ist die „Leistungsfähigkeit für den Kunden“ hoch.Die Hamburger Ascore Analyse wertet dafür die Geschäftsberichte aus und prognostiziert die Überschüsse, die Versicherte erwarten können. Zum Einsatz kommt ein ursprünglich vom Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger entwickeltes Modell. In diesem Modell wird berechnet, welche Verzinsung der Kapitalanlagen der Versicherer künftig erzielen kann. Wie viel es in der Vergangenheit tatsächlich war, hat keinen Einfluss. Der „historische Zins auf Kapitalanlagen“ dient nur zum Vergleich.Die künftige Verzinsung („realistischer Zins auf Kapitalanlagen“) steigt mit dem freien Kapital eines Versicherers. Dieser Anteil ist nicht durch feste Kundenansprüche gebunden. Er kann damit riskanter und renditestärker angelegt werden. Im Modell werfen sichere Anlagen langfristig 1,85 Prozent im Jahr ab, riskantere 5,35 Prozent.Ein Beispiel: Ratingsieger Europa kommt auf rund 8,2 Prozent Anteil des freien Risikokapitals an den Kapitalanlagen. Basierend auf statistischen Verlustrisiken kann der Versicherer das 1,91-Fache davon riskant anlegen, ohne mehr als sein freies Risikokapital zu gefährden. Damit könnte die Europa 15,7 Prozent des Kapitals riskanter anlegen (1,91 mal 8,2 Prozent). Dieser Teil des Kapitals bringt annahmegemäß 5,35 Prozent Rendite, die übrigen 84,3 Prozent bringen 1,85 Prozent. Das ergibt insgesamt 2,4 Prozent realistischen Zins. In der Realität können Versicherer mehr oder auch weniger Erträge erzielen als angenommen. Zudem entspricht die Rendite der Kunden nicht der Verzinsung der Kapitalanlagen. Denn Kunden zahlen auch für Beratung („Abschlusskostenquote“) und Verwaltung („Verwaltungskostenquote“) – und profitieren je nach Beteiligungshöhe nur anteilig von Überschüssen („Ausschüttungsquote“).Diese Werte (realistischer Zins auf Kapitalanlagen, Kostenquoten und Ausschüttungsquote) werden mit einem Branchenschnitt verglichen. Schneidet der Versicherer besser ab, sollte er höhere Überschüsse erzielen. Bei über 100 Prozent negativer Abweichung sind Überschüsse laut dem Modell unwahrscheinlich.

Die Steuervorteile älterer Verträge können ein Grund sein, an diesen festzuhalten – selbst wenn der Anbieter im Rating unterdurchschnittlich abschneidet. Eine Rolle spielt auch der Garantiezins. Er gilt für die komplette Vertragslaufzeit. Die heutigen 0,25 Prozent Jahreszins sind nichts gegenüber früheren Zeiten. Von Juli 1994 bis Ende Juni 2000 bekamen Neukunden stolze vier Prozent Mindestverzinsung garantiert. Auch wenn sich dieser Wert nicht auf die Gesamtbeiträge bezieht, weil Versicherer erst Kosten abziehen dürfen, sind solche Altverträge oft attraktiv.

Steuervorteile und Zinsversprechen sind nur zwei Gründe, die gegen die Kündigung einer Lebensversicherung sprechen können. Für die Anbieter ist das wichtiger als früher. Denn sollten viele Kunden kündigen, müssten sie für deren Auszahlungen womöglich Anleihen aus dem Bestand verkaufen. Die Folgen der rasanten Zinswende – die milliardenschweren stillen Lasten – würden dann zu realen Verlusten führen.

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Im „Finanzstabilitätsbericht“ beschreibt die Bundesbank eine mögliche Kettenreaktion: Mit ihren Verkäufen von Anleihen könnten die Versicherer deren Kurse weiter drücken. Damit würden die Anleihen im Bestand an Wert verlieren, was andere Kunden verschrecken könnte. Zu einer Kündigungswelle könnte es laut den Modellrechnungen kommen, wenn die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kurz- bis mittelfristig über drei Prozent steige, hieß es Ende 2022.

Mit 2,8 Prozent hat sie sich dieser Marke jüngst angenähert. Doch bislang sind die Stornozahlen unauffällig. Das liegt wohl nicht nur an den Vorteilen von Lebensversicherungen, sondern auch an einem Nachteil: den hohen Kosten. Ein großer Teil davon wird auf die Beitragssumme während der gesamten Vertragslaufzeit berechnet, aber anfangs eingezogen. Beim vorzeitigen Ausstieg können Kunden so viel verlieren.

Die Bedeutung der Kosten zeigt sich auch im Rating. Während die Unterschiede beim realistischen Zins auf Kapitalanlagen maximal einen Prozentpunkt betragen, sind es bei den Kostenquoten 4,6 (Verwaltungskosten) beziehungsweise 5,1 Prozentpunkte (Abschlusskosten). Mit Direktversicherer Europa landet ein günstiger Anbieter auch insgesamt vorne.

Warnsignal aus Italien

Wie schnell eine Kündigungswelle Realität werden kann, zeigte sich unlängst in Italien. Dort brach der kleine Versicherer Eurovita zusammen, weil sein Staatsanleihen-Portfolio an Wert verlor und Kunden auf rentablere Geldanlagen umschwenkten. Hinter Eurovita stand der britische Finanzinvestor Cinven. Nachdem der sich weigerte, das geforderte Kapital bei Eurovita nachzuschießen, folgte die Zerschlagung. Andere Lebensversicherer, darunter auch Allianz und Generali, sprangen ein. Deutsche Versicherer könne bei vermehrten Kündigungen „das gleiche Schicksal ereilen wie Eurovita“, sagt Versicherungsexperte Marco Metzler von Metzler Ratings. Er sieht dann weniger das Geld der Kunden in Gefahr. Womöglich kämen die Kunden aber wegen einer Auszahlungssperre über Jahre nicht mehr vorzeitig an dieses heran.

Schon jetzt sind Folgen zu spüren: So scheint die 2022 verkündete Übernahme von 720 000 Lebensversicherungen der Zurich Deutscher Herold durch den Aufkäufer Viridium zu platzen. Die BaFin signalisierte Bedenken, weil auch hinter Viridium Cinven steht.

Ob der Zins niedrig oder hoch ist – am Ende kommt es eben doch auf die Leistungsfähigkeit an.

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