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Lebensversicherungen Abkassierer machen Jagd auf Vorsorgesparer

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Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt

Große Lebensversicherer lassen Kunden hungern
Der Speck ist wegWer eine Lebensversicherung kauft, geht zum Vertreter. Rund zwei Drittel des Neugeschäfts entfällt daher auf die 20 größten Lebensversicherer. Die Branchenriesen werden nun jedoch immer vorsichtiger. Im Schnitt liegt ihre Überschussbeteiligung bei 3,49 Prozent - das ist mager und dürfte weniger als der ohnehin schon niedrige Branchenschnitt von rund 3,6 Prozent sein. Der Grund: Fast alle sind mit ihren Gutschriften runter gegangen, manche Riesen haben sogar schon drei Prozent erreicht. Senkungen der Zinsgutschriften von 0,5 Prozentpunkt oder mehr ließen oft aufhorchen. Hier scheint nur noch wenig Speck zu sein für die Kunden. Stand: Januar 2013 Quelle: rtr
Platz 20 - R+V: Wartet abDer drittgrößte Lebensversicherer in Deutschland will erst Ende Februar mitteilen, wie hoch seine Überschussbeteiligung im laufenden Jahr ist. Das ist ungewöhnlich spät. Zur Begründung hieß es in Wiesbaden, man wolle die Entwicklung des Marktes abwarten. Damit ist die R+V die große Ausnahme in der Branche. Für 2012 hatte die R+V die Angaben noch - wie in der Branche üblich - Anfang Dezember 2011 geliefert. Damals hieß es, trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds könne die R+V Lebensversicherung AG für ihre Kunden auch 2012 eine Gesamtverzinsung von 4,40 Prozent bieten. Darin enthalten sei eine laufende Verzinsung von 3,85 Prozent. Quelle: Presse
Platz 19 - Zurich: 3,0 ProzentEiner der größten Anbieter von Lebensversicherungen, die Zurich, ist mit ihrer Überschussbeteiligung deutlich heruntergegangen. Sie liege für 2013 auf nun bei drei Prozent, heißt es auf der Internetseite von Assekurata. Für 2012 waren es noch 3,35 Prozent und für 2011 schrieb der Versicherer 3,7 Prozent gut. Die durchschnittliche Gesamtverzinsung (laufende Verzinsung sowie Schlussüberschuss inkl. deklarierter Beteiligung an den Bewertungsreserven) betrage nun etwa 3,8 Prozent - nach 4,2 Prozent für 2012. Die vertragsindividuelle Gesamtverzinsung hänge dabei von Daten wie Produkt, Laufzeit und Alter der versicherten Person ab. Zurich setze auf nachhaltige finanzielle Stärke der Lebensversicherung statt auf kurzfristige Renditeversprechen, erklärte der Versicherer auf Anfrage von Handelsblatt Online. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten habe die Unternehmensführung daher entschieden, eine Senkung der Überschussbeteiligung für den Neuzugang und den Bestand vorzunehmen. "Unsere Kapitalanlagepolitik ist auf höchste Sicherheit ausgelegt. Wir können unseren Kunden keine höhere Verzinsung auszahlen, als wir mit unserer Kapitalanlage erwirtschaften", erklärte eine Sprecherin der Zurich. Quelle: Presse
Platz 18 - Ergo: 3,0 bis 3,2 ProzentErgo ist einer der größten Anbieter auf dem Markt. Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Mit den Deklarationen hat der Versicherer ein Zeichen gesetzt. Damit erreicht einer der Marktgrößen die Marke von drei Prozent bei den laufenden Überschüssen. Quelle: dapd
Platz 17 - SV Sparkassenversicherung: 3,05 ProzentDie Überschussbeteiligung der SV Sparkassenversicherung ist von 3,75 Prozent für 2011 auf 3,55 Prozent in diesem Jahr auf nun 3,05 Prozent in diesem Jahr gefallen. Dies ergibt aus Angaben, die Assekurata veröffentlicht hat. Der Rückschritt ist damit stärker als im Schnitt der Branche. Der Sparkassenversicherer war in den vergangenen Jahren besonders stark durch Einmalgeschäft gewachsen.
Platz 16 - Versicherungskammer Bayern (VKB): 3,1 ProzentDer größte Sparkassenversicherer, die Versicherungskammer Bayern, setzt auf hohe Reserven. Die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, größter Lebensversicherer der VKB, zähle zu den Gesellschaften mit den höchsten Bewertungsreserven in der Branche. Allerdings liegt damit ein weiterer großer Lebensversicherer aus dem Sparkassensektor unter den Großen relativ weit hinten. Dennoch senkt das Unternehmen seine Überschussbeteiligung 2013 auf einen der niedrigsten Werte in der Branche: 3,1 Prozent. Bisher waren es 3,5 Prozent. Die Bayern-Versicherung bietet darüber hinaus auch im Jahr 2013 eine attraktive Gesamtverzinsung auf den Sparanteil. Für Neuverträge gegen laufenden Beitrag betrage diese 3,7 Prozent. Darin enthalten seien 0,6 Prozent für den Schlussüberschuss inklusive der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven. Die Sparte Lebensversicherung des Sparkassenversicherers verzeichnete 2012 ein starkes Beitragswachstum. Die Prämien stiegen den Angaben zufolge um 5,9 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro.
Platz 15 - Württembergische: 3,25 ProzentDie Lebensversicherung im Versicherungs- und Bausparkonzern Württembergische und Wüstenrot geht um 0,25 Prozentpunkt mit der Überschussbeteiligung runter: Sie sinkt von 3,5 Prozent in den beiden Vorjahren auf nun 3,25 Prozent. Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung AG: „Mit unserer vergleichsweise konservativen Positionierung beim Zinsüberschuss berücksichtigen wir die Entwicklungen am Kapitalmarkt und stabilisieren unseren Bestand auch gegen Belastungen aus der anhaltenden Niedrigzinsphase, der EU-Verschuldungskrise und Ausfallrisiken.“ Zusammen mit dem Schlussüberschuss und der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich ab 2013 eine gesamte Verzinsung der Sparanteile von 3,9 Prozent (Vorjahr: knapp 4,2 Prozent). Quelle: Presse

Geschäftsführer bei Novo Ass sind Joachim Barth und Rainer Stolle. Über Barth findet sich im Handelsregister ebenfalls wenig. Novo Ass teilt mit, er sei Hotelkaufmann und Vertriebsprofi. Stolle sei Physiker und Kaufmann und habe Erfahrungen als Liquidator in Dresden und Leipzig. Laut Handelsregister war er Anfang der Neunzigerjahre Gründungsgeschäftsführer der E & C Engineerconsult Gesellschaft für Unternehmensberatung, Bausanierung und Energiespartechnik in Heidenau-Großsedlitz mbH bei Dresden. Drei Jahre darauf stellte die Gesellschaft einen Insolvenzantrag, der mangels Masse abgelehnt wurde. Später war Stolle Liquidator zweier insolventer Unternehmen in Dresden namens Die Betonknacker Bohren und Sägen mit Diamantwerkzeugen GmbH sowie Spedition Preller Ltd. & Co. KG.

Lebensversicherer mit den höchsten Ablaufrenditen

Inzwischen hat sich die Justiz der Novo Ass angenommen. Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigt auf Anfrage der WirtschaftsWoche, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs gegen Novo-Ass-Prokurist Glatho eingeleitet hat. „Es gibt umfangreiche Betrugshandlungen, die es zu prüfen gilt“, sagt ein Sprecher. Es gehe um mehrere Unternehmen, darunter auch Novo Ass, und um verschiedene Anlageformen – nicht nur nachrangige Darlehen wie bei Novo Ass, sondern auch Genussrechte und weitere Beteiligungen.

Glatho führt das Verfahren auf die Insolvenz eines anderen Unternehmens zurück, bei dem er im Aufsichtsrat saß. „Das war eine äußerst schmerzhafte Lehre, und von solchen Partnerschaften und deren vermeintlichen Synergieeffekten haben wir die nächsten 100 Jahre genug“, so Glatho, „mit der zweiten Namensänderung haben wir uns von diesem Unfug distanziert.“

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Er geht mit Novo Ass unverdrossen weiter auf Kundenfang. Und ist in vielfacher Hinsicht ein Musterbeispiel für das, was im Markt passiert. So sind nach Novo-Ass-Angaben etwa 50 Inhaber von Lebensversicherungen der Nürnberger Versicherung dabei, diese zu kündigen und die Beträge an Novo Ass zu überweisen. Dabei geht Novo Ass offenbar ziemlich dreist vor. Kunden der Nürnberger berichteten 2010, Mitarbeiter von Novo Ass hätten am Telefon behauptet, im Auftrag der Nürnberger anzurufen, und hätten die Kündigung der Verträge empfohlen. Daraufhin hatte die Nürnberger gegen Novo Ass auf Unterlassung solcher Behauptungen geklagt. Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleich.

Fragt sich, wie Novo Ass an seine Kunden kommt. Einen Verdacht hegt die Stuttgarter Versicherung, die 2012 einem Makler wegen „Qualitätsproblemen“ kündigte, so ein Manager des Versicherers. Dieser, wird vermutet, habe umfangreiche Daten von seinem Kundenstamm verkauft.

Laut Glatho ist Novo Ass derzeit mit 20 bis 25 Kunden der Stuttgarter Versicherung über die Kündigung ihrer Policen im Gespräch. Auch hier traten Novo-Ass-Mitarbeiter nach Angaben von betroffenen Kunden im Namen der Stuttgarter auf oder behaupteten, der Versicherer sei pleite.

Die Assekuranz wehrt sich gegen Firmen wie Novo Ass. Kündigt bei der Stuttgarter Versicherung ein Kunde seine Lebensversicherung und erklärt, die Police an einen anderen Anbieter abtreten zu wollen, werden die Außendienstmitarbeiter aktiv. Sie informieren die Policen-Inhaber über Gefahren, die sich hinter manchen hohen Renditeversprechen verbergen. Wenn nötig, zerren die Versicherer den Anbieter auch wegen übler Nachrede vor den Kadi. Drei einstweilige Verfügungen hat die Stuttgarter gegen Novo Ass erwirkt. Novo Ass hat die Verfügungen akzeptiert. Ein Manager der Stuttgarter: „Bisher haben wir alle Auseinandersetzungen gewonnen.“

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