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Lebensversicherungen Wie der Niedrigzins die Versicherer trifft

Weil Zinspapiere kaum noch Rendite abwerfen, haben die Lebensversicherer Probleme, hohe Zusagen aus Altverträgen zu erfüllen. Ein aktuelles Ranking zeigt, welche Versicherungskonzerne besonders in Bedrängnis geraten.

Quelle: dpa

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), ist bei den Lebensversicherern nicht wohl gelitten. Weil Draghi den Leitzins auf der Nulllinie hält, haben die Versicherer Probleme, ihre Garantien für Sparer einzuhalten.

Bis zu vier Prozent Rendite auf den Sparanteil der Prämie müssen sie erwirtschaften und das, obwohl sie mit durchschnittlich 4,4 Prozent des Anlagekapitals kaum Aktien halten und sichere Zinspapiere wenig Rendite bringen. Immerhin 86 Prozent haben die Lebensversicherer in Zinsanlagen gebunkert.

Die abschmelzenden Renditen klassischer Kapitallebensversicherungen schlagen Sparer in die Flucht. Bei den Neuabschlüssen machen sie nur noch zehn Prozent aller Lebensversicherungspolicen aus. 1995 waren es noch 48 Prozent.

Auch wenn der Anteil von Policen ohne Garantiezins bei neuen Verträgen stetig steigt, müssen die Versicherer nach wie vor die hohen Lasten aus Altverträgen schultern. Um diese hohen Garantien einzuhalten, greifen viele Lebensversicherer ihre Bewertungsreserven für Kapitalanlagen an. Zudem steckt in der Rendite Zahlenkosmetik. So fließen beispielsweise Einmalerträge aus Spezialfonds in die laufende Verzinsung ein. Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto schwerer wird es für die Lebensversicherer werden, die Rendite mit solchen Maßnahmen optisch hochzuhalten.

Die solidesten Lebensversicherer

Besonders stark unter dem Niedrigzins leidet beispielsweise die Debeka. Der Versicherer hatte 1994, als der Garantiezins für neue Verträge auf vier Prozent stieg, auch den Garantiezins für ältere Verträge nach oben angepasst. Diese sparerfreundliche Maßnahme wird für die Debeka jetzt zum Bumerang. Im vergangenen Jahr fiel der Rohüberschuss negativ aus. Stark vereinfacht heißt das, dass die Prämieneinnahmen plus Kapitalanlagezins geringer waren als die Kosten.

Der Rohüberschuss ist ein Indikator dafür, ob ein Versicherer seine Leistungsverpflichtungen gegenüber den Kunden erfüllen kann. Solange der Rohüberschuss positiv ist, müssen sich die Versicherten keine Sorgen machen. Wird aus einem Überschuss jedoch ein Fehlbetrag, ist dies auf den ersten Blick bedenklich.

Ob das Geld der Sparer tatsächlich bedroht ist, hängt von den Gründen für das Defizit ab. Bei der Debeka beispielsweise ergab sich im vergangenen Jahr ein Rohfehlbetrag, weil der Versicherer überdurchschnittlich viel Geld in eine Zinszusatzreserve eingezahlt hatte. Diese Reserve soll sicherstellen, dass der Versicherer seine Verpflichtungen einhalten kann. Aus Sicht der Versicherten ist das also positiv. Zudem schlummern bei der Debeka noch überdurchschnittlich hohe Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen. Die Debeka hätte diese Reserven anknabbern können, um den Rohüberschuss in den schwarzen Zahlen zu halten. Sie hat jedoch darauf verzichtet.

Mit diesen Reserven kann die Debeka den Niedrigzins noch aussitzen. Das Problem der Debeka mit den hohen Garantien aus Altverträgen jedoch bleibt.

Allianz an der Spitze

Dies spiegelt sich auch im aktuellen Finanz-Ranking für die zwölf größten Lebensversicherer von Hermann Weinmann, Versicherungsprofessor an der Hochschule Ludwigshafen, wider (siehe Tabelle). Schnitt die Debeka zusammen mit der Allianz im vergangenen Jahr noch am besten ab, erhielt sie mit „steigerungsfähig“ nur noch die dritthöchste Note. Von 1000 möglichen Punkten für ausgewählte Finanzkennzahlen kam die Debeka auf 550.

Ganz anders sieht es beim Marktführer Allianz Leben aus: plus 19 Prozent für den Rohüberschuss im vergangenen Jahr gegenüber 2015. Im Ranking von Hermann Weinmann kam die Allianz insgesamt auf 850 Punkte, das höchste Ergebnis unter den zwölf analysierten Versicherern. Die Allianz hat frühzeitig ihr Produktportfolio auf Tarife ohne Garantiezins umgestellt. Zudem hat der größte deutsche Lebensversicherer eine überdurchschnittlich hohe Aktienquote in seinem Kapitalanlagetopf. Im vergangenen Jahr waren es zwölf Prozent. Der Niedrigzins drückt bei der Allianz daher nicht so stark auf die Rendite der Policen wie im Branchenschnitt.

Doch auch bei der Allianz ist nicht alles zum Besten. Deren Kunden partizipieren weniger stark am Rohüberschuss als bei sechs anderen untersuchten Versicherern.

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