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Lebensversicherungs-Rating Welche LV-Anbieter die Niedrigzinsphase meistern

LV-Anbieter: Welche Versicherungen meistern die Niedrigzinsphase? Quelle: imago

Geringe Erträge, hohe Kosten: Lebensversicherungen haben einen schlechten Ruf – und Niedrigzinsen setzen der Branche zu, 34 Anbieter sind bedroht. Ein exklusives Rating zeigt, welche Versicherungen der Krise standhalten.

Auf der Baustelle Scharnhauser Park in Ostfildern wird eifrig geschafft. An einer Stelle heben Bagger noch Baugruben aus, an anderer Stelle ergießt sich schon Beton aus einem Mischer fürs Fundament. „Die Bauleute kommen zügig, Stück für Stück, voran“, staunt eine Anwohnerin, die auf der anderen Straßenseite wohnt. Erst vor drei Monaten haben die Arbeiten vor ihrer Tür hier im Neubaugebiet begonnen. Auf einem ehemaligen US-Militärgelände südlich von Stuttgart sollen bis 2022 insgesamt 145 Mietwohnungen in grauen Blöcken mit lang gezogenen weißen Balkonen entstehen.

Das Besondere an dem Vorhaben: Die Bewohner werden mit ihrer Miete, geplant sind 13 Euro pro Quadratmeter, die Renditen von vier Millionen Kunden der R+V Lebensversicherung absichern. Die R+V ist Eigentümerin des Wohnprojekts. Sie hat einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert – und baut ihr Engagement in Immobilien massiv aus. Bisher sind bei R+V gut fünf Prozent der für die Kunden angelegten Gelder in Immobilien geflossen. Mittelfristig soll der Anteil auf sechs bis acht Prozent steigen, sagt Markus Königstein, Bereichsleiter Immobilien bei R+V. Er hält Wohnimmobilien in Deutschland auch nach Jahren des Booms für günstig, weil sie im Verhältnis zu den Einkommen der Deutschen noch bezahlbar sind. Und: „Bei steigenden Grund- und Bodenpreisen, steigenden Baukosten und steigenden Bauqualitäten können Kaufpreise und Mieten schwerlich sinken.“

Ganz klar: Lebensversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, um die 2,9 Prozent Zins zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden im Schnitt versprechen. Im Moment schaffen sie nur knapp zwei Prozent Rendite, wenn sie frisches Geld neu anlegen. Andererseits dürfen sie die Einlagen ihrer Kunden nicht allzu riskant investieren. Denn anders als ein Börsencrash würde eine Schieflage der Lebensversicherer die Altersvorsorge der meisten Deutschen gefährden: Noch immer stehen rund zehn Millionen Aktionären in Deutschland die Inhaber von 70 Millionen Kapitallebensversicherungen entgegen.

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Zahlungen an Angehörige im Todesfall, wie Risikolebensversicherungen sie bieten, spielen in den Überlegungen dieser Versicherten kaum eine Rolle. Die meisten zweigen während des Erwerbslebens monatlich eine kleine Summe ab, um später, zu Ruhestandsbeginn, eine hübsche Summe oder eine lebenslange Monatsrente zu bekommen. Damit das funktioniert, müssen Versicherer das eingesammelte Geld für ihre Kunden – stolze 926 Milliarden Euro – renditeträchtig anlegen. Das Dilemma: Einerseits sind Versicherer wegen ihrer festen Zinszusagen gezwungen, größere Risiken zu meiden. Andererseits werfen vergleichsweise sichere Investments nicht genug ab. Eine Bundesanleihe etwa bringt selbst über 30 Jahre nur etwas mehr als ein Prozent pro Jahr.

Noch sind Lebensversicherer im Schnitt zu 86 Prozent festverzinslich investiert (siehe Grafik auf Seite 2). Doch sie steuern langsam um, auch weil bereits gekaufte Papiere bei einem Zinsanstieg an Wert verlören. Die Preise von Wohnimmobilien hingegen, sagt Königstein von R+V, würden dann weniger stark gedrückt. Denn Wohnraum bleibt in den Städten vorerst knapp, was die Nachfrage selbst bei steigenden Zinsen – und teureren Krediten – kaum einbrechen lassen dürfte.

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Auch Marktführer Allianz setzt neue Akzente, um seine Zinsversprechen einzuhalten: auf Investments in Immobilien, in ‧Infrastruktur (Autobahnen in Frankreich, ein Abwassertunnel in London) und erneuerbare Energien wie Wind- und Solarparks. Die Lebensversicherer wollen den Vorteil ausspielen, dass Kunden ihnen, im Gegensatz zu den Banken, langfristig Geld anvertrauen. Die Allianz etwa hat rund 100.000 Immobilienkredite ausgegeben, teils mit mehr als 30 Jahren Laufzeit.

Daneben rücken Aktien, von Lebensversicherern lange gemieden wegen ihrer Schwankungsanfälligkeit, in den Fokus. Im Schnitt investieren sie knapp fünf Prozent ihres Geldes in Aktien. Bei der Allianz ist es doppelt so viel – und sie will die Quote in den nächsten drei bis vier Jahren auf 13 bis 18 Prozent steigern.

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