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Leser fragen, die WiWo antwortet „Ist Altersvorsorge an der Börse nicht zu riskant?“

Nur keine Panik: Wer an der Börse vorsorgen will, sollte sein Geld möglichst lange anlegen, um Schwankungen auszugleichen Quelle: imago images

Lohnt sich Altersvorsorge an der Börse? Wie finde ich geeignete Produkte? Und was ist mit den Risiken? Die Fragen und Antworten aus dem WiWo-Experten-Call.

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Am 26. September haben sich zahlreiche WiWo-Leser im Rahmen des WiWo-Clubs in einen Expertencall zum Thema Altersvorsorge eingewählt. Dort konnten sie Niklas Hoyer und Kristina Antonia Schäfer eine halbe Stunde lang alle Fragen stellen, die ihnen rund um Rente, Riester, ETF-Sparpläne und Lebensversicherungen unter den Nägeln brannten. Hier finden Sie die Fragen – und Antworten –, die rund um das Thema Altersvorsorge und Börse aufkamen. 

„In Zeiten der Niedrigzinsen bieten die Altersvorsorge-Lieblinge der Deutschen wie Lebensversicherungen oder Sparbücher keine nennenswerte Rendite mehr. Führt überhaupt noch ein Weg an Aktien vorbei?“

Aktien sind oft ein guter Weg. Kurz vorausgeschickt: Es ist ganz wichtig, dass man bei dem Thema nicht verzweifelt. Früher mag Altersvorsorge einfacher gewesen sein, aber es war nicht alles besser. So war die Inflation zum Beispiel deutlich höher als heute. Zudem gibt es jetzt viele Chancen, die es früher nicht gab.

Klar ist tatsächlich, dass klassische Anlageprodukte wie Festgeld bei in der Regel deutlich weniger als einem Prozent Zinsen wenig Sinn haben. Renditechancen gibt es nur anderswo, vor allem an der Börse – und da deutlich einfacher als früher. Neben den erwarteten Zinsen auf das Ersparte geht es vor allem darum, Kosten zu senken. Bei einer Lebensversicherung wird die Rendite durch die Kosten um zwei bis vier Prozentpunkte im Jahr gedrückt.
Aktiv gemanagte Fonds verzeichnen auch etwa zwei Prozent Kosten.

Wenn man hingegen auf eigene Faust vorsorgt, etwa mit ETFs, also Indexfonds, die ohne Manager auskommen, dann kommt man mit Kostenquoten von unter einem Prozent hin. So gibt es auch heute noch die Chance, eine gute Altersvorsorge auf die Beine zu stellen.

„Ist Vorsorge an der Börse nicht zu riskant?“

Das ist eine verbreitete Befürchtung. Viele haben Angst vor Schwankungen an der Börse. Sie denken: Ich will vorsorgen, will also Sicherheit, und das soll ich mit etwas Riskantem tun? Das passt doch nicht zusammen. Doch das stimmt nicht, es passt sehr wohl zusammen. Wenn man Altersvorsorge als das begreift, was es eigentlich ist, nämlich langfristiges Sparen, dann relativieren sich auch viele der Risiken.

Wer zum Beispiel über lange Zeit über einen ETF-Sparplan vorsorgt, bei dem gleichen sich die Schwankungen aus. Und er kann sogar davon profitieren: Wenn die Kurse einmal schlechter stehen, bekommt er für dasselbe Geld sogar mehr Anteile. Auch in der Auszahlphase hat es Vorteile, das Geld in Happen abzuheben statt in einer großen Einmalzahlung. Denn wenn man nicht alles auf einmal auszahlt, ist es nicht so schlimm, wenn die Kurse zwischendurch einmal schlechter stehen. So kann man flexibel und renditestark vorsorgen

„Sollte man die ETFs selbst auswählen oder das lieber einem Robo-Advisor überlassen?“

Auch das ist etwas, was man heute machen kann, das es früher noch nicht gab. Robo-Advisor haben durchaus ihre Vorteile. Aber auch hier empfiehlt es sich solche zu wählen, die einen passiven Ansatz fahren. Es gibt auch Advisor, die versuchen Vorteile zu erzielen durch kluge Rechenmodelle, Simulationen und was es da nicht alles gibt. Noch besser ist aber, eher simple, wenn man so will: verbesserte ETF-Sparpläne zu nehmen. Die sorgen etwa dafür, dass auch bei schwankenden Kursen die prozentualen Anteile der einzelnen ETFs im Portfolio gleichbleiben.

Diese Anpassungen kann man auch selbst vornehmen, aber wenn man sich die Arbeit sparen will, ist das eine Option. Das sind die Quirions und Growneys dieser Welt, die diesen Ansatz zu geringen Kosten fahren. Insgesamt sind die Kosten bei Robo-Advisorn aber schon höher, als wenn man in Eigenregie Geld anlegt. Wenn jemand Spaß daran hat, sollte er es also selber machen. Wenn nicht, sind Robo-Advisor durchaus eine gute Alternative.

„Wenn ich das Geld selbst anlegen will, wie soll ich mich zwischen all den ETFs entscheiden?“

Die Devise ist: je einfacher, desto besser. ETFs haben den Vorteil, dass sie sich an einem bestimmten Aktienindex orientieren, es gibt also keinen Manager, der vermeintlich besonders renditestarke Werte aussucht. Das schafft ohnehin kaum jemand längerfristig. Welche ETFs sind die richtigen? Möglichst welche, die wirklich geringe Kosten haben – denn auch bei ETFs gibt es schwarze Schafe, wo die Kosten dann doch nicht so gering sind. Wichtig ist auch eine breite Streuung, zum Beispiel beim MSCI World, der trotz des Namens nur die Industrieländer abdeckt.

Je nach Alter kann man sich auch fragen, ob man wirklich zu 100 Prozent in Aktien gehen will. Oder mischt man noch Anleihen rein, also festverzinsliche Wertpapiere? Das ist in diesem Zinsumfeld allerdings schwierig. Wir haben bei uns bei der WirtschaftsWoche ein extra Mischdepot für Leute, die Schwankungen meiden wollen. Da haben wir nur 30 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, einen Gold-Bestandteil (nicht wegen der Rendite, sondern als Krisenversicherung) und auch einen kleinen Teil auf dem Tagesgeldkonto, als Puffer. Das wäre die nervenschonende Variante. 

Mehr Lesenswertes zum Thema Altersvorsorge sowie einen detaillierten siebenteiligen Coach finden Sie auf unserem neuen Nutzwert-Portal WiWo-erfolg.reich.

Unsere Experten aus der Redaktion sowie Koryphäen aus Politik und Wirtschaft können auch Sie persönlich auf einem unserer Events treffen. Mehr dazu finden Sie beim WiWo-Club.  

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