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Lücken im Krankenschutz Tiefschlag für private Krankenversicherer

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Wie ein Luxusauto ohne Motor

Zurück in die gesetzliche Krankenkasse
Grafik Wechsel zwischen Privaten und Gesetzlichen Krankenversicherungen
Frau am Schreibtisch Quelle: Picture-Factory - Fotolia.com
Büro Quelle: Picture-Factory - Fotolia.com
Agentur für Arbeit Quelle: dapd
Mutter mit Kind Quelle: diego cervo - Fotolia.com
Senioren auf einer Parkbank Quelle: dapd

Grundlage waren 208 Tarifsysteme mit insgesamt 1567 Kombinationen. Die Untersuchung ergab, dass kein Produkt alle 85 Kriterien erfüllen konnte. "Tarife wurden nicht bedarfsgerecht für Endkunden entwickelt, sondern unter der Prämisse", wie sie bei Preisvergleichen "abschneiden würden", heißt es in der Studie. Besonders problematisch ist laut "Spiegel", dass viele Versicherungen nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel übernehmen.

Das Absurde an manchen PKV-Tarifen sei: Sie deckten manchmal nicht einmal die Kosten für den Krankentransport ab, enthielten aber Extras wie Hustensäfte und Nasentropfen. "Das ist so, als würden sie einen Mercedes S-Klasse kaufen, aber ohne Motor und Getriebe", kritisiert Gorr. Zudem könnten Laien gar nicht erkennen, was ein Privatversicherer in seinen Bedingungen alles ausschließe. "Werden alle Kombinationen ausgeschöpft, sieht sich der Versicherte einem PKV-Versicherungsmarkt mit mindestens 250.000 Preisen gegenüber", sagt Gorr.

Produkte lange zu teuer verkauft

Der Unions-Gesundheitsexperte Jens Spahn (CDU) plädierte dafür, dass die Branche sich auf einen "Mindestversicherungsschutz" einigt. Auch der Chef der Ergo-Tochter DKV, Clemens Muth, sagte dem "Spiegel": "Wir brauchen einen Mindeststandard in den Bereichen, die für die Menschen oftmals erst im fortgeschrittenen Alter relevant werden." Viel zu lange seien die Produkte zu oft nur über den Preis verkauft worden und nicht über die Qualität. "Das hat dazu geführt, dass Billigtarife mit teils drastischen Leistungsausschlüssen auf dem Markt sind."

Die größten privaten Krankenversicherer - Platz 10 bis 1

Der Verbandsdirektor der PKV, Volker Leienbach, wies demgegenüber im "Spiegel" darauf hin, dass eine Vielzahl der Tarife wesentlich mehr leisteten als die GKV, etwa wenn es um Zahnersatz, Brillen oder Arzneimittel gehe. Das bestreiten die Autoren der Studie gar nicht. Natürlich gebe es auch leistungsstarke Tarife. "Die Frage ist nur, wie ein Versicherter die finden soll", sagt Gorr.

Die Autoren der Studie kritisieren scharf die Vertriebspraktiken in der privaten Krankenversicherung. "Im Tarifdickicht der PKV bräuchten die Leute Berater, die fachlich gut und ehrlich sind", sagte Gorr. Die gebe es jedoch kaum.

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