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Mehr Geld ab Juli Rentenerhöhung? Nur für Gutverdiener!

Wer 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die Rentenkasse eingezahlt hat, bekommt ab Juli etwa 50 Euro mehr Rente Quelle: dpa

Ab Juli bekommen Rentner in Deutschland deutlich mehr Geld als vorher. Der Geldsegen ist jedoch ungleich verteilt: Ausgerechnet arme Rentner profitieren gar nicht, wenn sie Grundsicherung beziehen.

Ende Juli wird es für die 21 Millionen deutschen Rentner einen Anlass zum Feiern geben: den Moment, in dem die Rente auf ihrem Konto eintrifft. Dank der jüngsten Rentenerhöhung fällt die nämlich ab Juli höher aus, um 3,18 Prozent im Westen und 3,91 Prozent im Osten. Für einen Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang eingezahlt hat, sind das immerhin 46 beziehungsweise 54 Euro mehr brutto.

Wer viel Rente bekommt, muss allerdings einen Teil des Geldsegens in Form von Steuern wieder abgeben (mehr dazu lesen Sie hier).

Das noch größere Problem haben jedoch die Rentner am anderen Ende der Einkommensskala: Ausgerechnet diejenigen, die wenig Geld haben, profitieren gar nicht von der Rentenerhöhung. Zumindest dann, wenn sie die staatliche Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen.

Die Grundsicherung ist dafür gedacht, Ruheständler vor Altersarmut zu schützen. Dafür wird die finanzielle Situation jedes Einzelnen geprüft. Generell gilt Rentenexperten zufolge aber die Faustformel, dass jeder Rentner seinen Fall prüfen lassen sollte, der weniger als 838 Euro im Monat hat.

Das sind nicht wenige: Laut Statistischem Bundesamt bezogen Ende 2017 mehr als eine Million Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Und ihre Zahl dürfte noch deutlich wachsen: Jeder dritte Arbeitnehmer verdient heute zu wenig, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu bekommen.

All die heutigen und künftigen Grundsicherungsempfänger haben ein Problem: Rentenerhöhungen wie die jetzige verpuffen bei ihnen. Das liegt daran, dass Rente und Grundsicherung miteinander verrechnet werden. Für jeden Euro mehr Rente gibt es also einen Euro weniger Grundsicherung; es ist ein Nullsummenspiel.

Eine Ausnahme sind jene Menschen, die bislang gerade noch so Grundsicherung bekommen. Durch die Rentenerhöhung fallen sie aus der Grundsicherung hinaus. Dafür haben sie einerseits mehr Geld, müssen andererseits aber auch selbst in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen.

Dass Grundsicherungsempfänger nicht davon profitieren, wenn sie mehr Geld haben, wird immer wieder bemängelt. So sollte etwa die Mütterrente Frauen helfen, die viel Zeit als Hausfrau verbracht und so wenig Rentenpunkte gesammelt haben. Tatsächlich fallen aber eben viele dieser Frauen unter die Grundsicherung im Alter – und haben deshalb gar nicht von der Mütterrente profitiert.

Wenigstens in einem Punkt hat der Gesetzgeber die rigiden Bestimmungen zur Grundsicherung inzwischen geändert. Früher wurden auch Zusatzrenten, etwa Riester, komplett mit der Grundsicherung verrechnet. Private Vorsorge lohnte sich so für Niedrigverdiener überhaupt nicht. Seit vorigem Jahr dürfen Rentner, die Grundsicherung empfangen, nun 100 Euro Riesterrente im Monat komplett behalten. Übersteigt die Rente diesen Betrag, sind immerhin noch 30 Prozent des zusätzlichen Geldes anrechnungsfrei.

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