Mehr Milliardäre Die unendlich Reichen werden noch reicher

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung ist noch reicher als gedacht. Neue Zahlen zeigen, dass Milliardäre bei Umfragen bewusst tief stapeln. Ein weiteres Geheimnis: Mit viel Geld kann man viel Geld verstecken.

Ein Mann präsentiert seine Rolex. Dem reichsten 0,1 Prozent gehören 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der USA. Quelle: dpa

Der Reichtum des wohlhabendsten Prozents der Weltbevölkerung ist im wahrsten Sinne des Wortes unermesslich. Staaten gehen dadurch Milliarden an Steuergeldern verloren und es wird immer schwieriger, verlässliche Daten zur Ungleichheit weltweit zu gewinnen.

Wie aus zwei unabhängig voneinander veröffentlichten Studien hervorgeht, wird der Wohlstand der Superreichen zu gering eingeschätzt. Ein Teil ihrer Reichtümer ist in Steueroasen versteckt; zudem antworten die Milliardäre nicht auf Umfragen, wie aus den Untersuchungen von Philip Vermeulen, einem Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) beziehungsweise von Gabriel Zucman von der London School of Economics hervorgeht.

Werden Einkommensdaten um vergleichbare Unzulänglichkeiten bereinigt, dann zeigt sich nach einer Analyse der Weltbank, dass fast der gesamte zwischen 1998 und 2008 erzielte Fortschritt beim Abbau des Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich weltweit zunichte gemacht wurde.

„Wir haben schon immer geahnt, dass das reichste Prozent zu niedrige Zahlen angibt“, sagt Volkswirt und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der Verfasser des Buches „Der Preis der Ungleichheit: Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht“. „Immer mehr sind der Überzeugung, dass unser System manipuliert und unfair ist.“

Wenn die tatsächlichen Ausmaße von Wohlstand und Einkommen nicht richtig erfasst werden können, wird es Volkswirten und politischen Entscheidungsträgern schwer gemacht, das Ungleichgewicht zu verstehen und damit umzugehen. So könnten beispielsweise andere Steuerstrukturen eher durchzusetzen sein, wenn bekannt würde, dass Einkommen und Vermögenswerte stärker konzentriert sind, sagt Zucman.

Millionäre werden immer reicher
Besonders wohlhabende Menschen haben ihren Reichtum im vergangenen Jahr erneut kräftig gemehrt. Das Vermögen aller Millionäre kletterte 2013 weltweit um fast 14 Prozent auf den Rekordwert von insgesamt 53 Billionen Dollar, wie aus einer Studie von CapGemini und RBC Wealth Management hervorgeht. Quelle: AP
Weltweit gab es 2013 fast 14 Millionen Personen mit einem Anlagevermögen von mindestens einer Million Dollar. Davon wohnten 1,13 Millionen in Deutschland und 330.000 in der Schweiz. Quelle: dpa
Die Wirtschaftspolitik der Regierung Abe bescherte Japan den stärksten Anstieg bei der Zahl der Millionäre. Brasilien und Russland lagen unter den größeren Ländern dagegen am Ende dieser Rangliste. Quelle: dpa
Treiber des globalen Millionärszuwachses und dem Anstieg des Vermögens waren die gute Entwicklung der Aktienmärkte und die konjunkturelle Erholung.
Doch die mit dem meisten Geld in der Tasche gucken bei Börsengeschäften nur zu. Nur 26 Prozent des Vermögens der Megareichen ist in Aktien angelegt. Zum Vergleich: Profi-Investoren und Fondsmanager halten etwas mehr als der Hälfte ihres verwalteten Vermögens in Aktien. Die Reichen hätten den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg verpasst, erklärt Anlagestratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Asset Management. Die US-Bank schätzt, dass ihre reichsten Kunden sogar 40 Prozent ihres Vermögens in Cash vorhalten. Die Aktienkurse seien nach der Finanzkrise 2008 einfach zu schnell gestiegen, fügt Jacobsen hinzu. Quelle: dpa
20 Prozent legen die Reichen in Immobilien an. Vor allem seit dem Ausbruch der Finanzkrise horten sie ihr Geld, statt in volatile Märkte zu investieren: Vor 2008 lag die Barquote nur etwa halb so hoch wie heute. Quelle: dpa
Die Superreichen sitzen auf hohen Bargeldbeständen - und die verlieren ständig an Wert, weil die Mini-Zinsen auf Sparguthaben unter der Inflationsrate liegen. Der Studie von CapGemini und RBC Wealth Management zufolge halten die zwölf Millionen Reichsten der Welt 28 Prozent ihres Vermögens in bar. Quelle: dpa/dpaweb

„Wenn wir nicht richtig erkennen, wie die Welt aussieht, fällt es auch schwer zu sagen, wie sich eine bestimmte Maßnahme auswirken könnte“, erläutert Carter Price, Mathematiker am Center for Equitable Growth in Washington, das sich mit Themen der wirtschaftlichen Ungleichheit beschäftigt. „Auch zurückblickend ist es schwer, Auswirkungen von Maßnahmen zu bestimmen.“

In den USA hielten die Reichsten der Reichen - die obersten 0,1 Prozent mit einem Nettovermögen von mindestens 20 Millionen Dollar - im Jahr 2012 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der Amerikaner, sagt Zucman. Er war zuvor von 21,5 Prozent ausgegangen, fügte dann jedoch Schätzungen für im Ausland versteckte Gelder hinzu.

Umfragedaten zu den Superreichen insgesamt fallen ebenfalls zu niedrig aus, schreibt Vermeulen in seinem Bericht vom Juli. Das oberste Prozent hielt seinen Nachforschungen zufolge im Jahr 2010 35 bis 37 Prozent des Vermögens – die US-Notenbank geht von lediglich 34 Prozent aus.

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