Mehr Transparenz gefordert Hebammenverband muss sich für umstrittene Zahlungen rechtfertigen

Freiberuflichen Hebammen droht wegen ihrer teuren Haftpflicht das Aus. Doch einen Teil der Prämien bekommt auch der Deutsche Hebammenverband. Nur wohin das Geld fließt, ist nicht ganz klar.

Bundesweit fanden im Frühjahr und Sommer Demonstrationen zur Unterstützung der freiberuflichen Hebammen statt. Quelle: dpa

"Rettet die Hebammen", "Familien fordern Hebammen", oder "Rote Liste: Hebammen vom Aussterben bedroht" - so stand es im Frühjahr und Sommer dieses Jahres auf zahlreichen Plakaten. In vielen Städten in Deutschland gingen zahlreiche Eltern und Hebammen auf die Straße, um vor allem die freiberuflichen Geburtshelfer vor dem beruflichen Aus zu retten.

Auslöser der Proteste ist der Haftpflichtschutz der Hebammen. Dieser ist in den letzten Jahren so teuer geworden, dass sich die Geburtshilfe für viele von ihnen nicht mehr lohnt. Mehr als 5000 Euro kostet die Police mittlerweile im Jahr. Für eine Beleggeburt im Krankenhaus bekommen freiberufliche Hebammen allerdings nur pauschal knapp 238 Euro - egal, ob die Geburt vier oder zehn Stunden dauert. Bei einer Hausgeburt sind es knapp 550 Euro.

Allein um die Versicherungsprämie zu verdienen, sind also zahlreiche Geburten notwendig. Viele Hebammen arbeiten allerdings Teilzeit - und können sich daher die hohe Prämie in der Geburtshilfe nicht mehr leisten und bieten nur noch andere Leistungen wie Geburtsvorbereitung oder die Betreuung nach der Geburt, im Wochenbett, an. Für das nächste Jahr ist bereits die nächste Prämiensteigerung von erneut 20 Prozent angekündigt, in vielen Regionen Deutschlands ist die Versorgung mit Hebammen schon jetzt flächendeckend nicht mehr gewährleistet. Der Beruf steht buchstäblich vor dem Aus.

Größte Versicherungen weltweit im Jahr 2013

Eigentlich ist in solchen Situationen der jeweilige Berufsverband besonders gefragt. Der Deutsche Hebammenverband (DHV), der sich von Dienstag bis Donnerstag in Fulda zur Bundesdelegiertentagung trifft, muss sich allerdings zunächst vor seinen Mitgliedern rechtfertigen, für umstrittene Einnahmen. Denn auch der Verband bekommt einen Teil der hohen Versicherungsprämien, die die Hebammen zahlen. Der zwischengeschaltete Versicherungsmakler leitet aus seiner Provision gut eine halbe Million Euro pro Jahr an den DHV.

Erklärungswünsche

Das wundert auch Gesundheitspolitiker, bei denen die Haftpflichtproblematik seit Monaten ein Thema ist. "Wenn der Verband in so großem Umfang von Provisionen profitiert, wirft das Fragen auf", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, der WirtschaftsWoche. "Ich würde mir da mehr Transparenz wünschen." Im Mai hatte Spahn im Gesundheitsausschuss die anwesende Hebammen-Vertreterin, Katharina Jeschke, gefragt, ob für die Vermittlung von Haftpflichtversicherungen Provisionen an den Verband flössen. Jeschke wies das zurück und kündigte "rechtliche Schritte gegen diese Verleumdung" an.

Auf Nachfrage der WirtschaftsWoche rechtfertigte sich der Verband, es handele sich nicht um Provisionen, sondern um Bearbeitungsgebühren. Durch den Makler werde dem DHV ein finanzielles Volumen zu Verfügung gestellt, um damit die zwingend notwendige individuelle Betreuung der Mitglieder und die damit korrespondierende Verwaltung gewährleisten zu können, teilt der Verband mit. Denn der DHV zieht die Beiträge ein und stellt Policen aus. Dies bestätigte auch die Versicherungskammer Bayern, die federführende Assekuranz im Konsortium, welches die Hebammen des DHV versichert.

Auch Bernd Hendges vom Versicherungsmakler Securon erklärt, wie die Zahlungsströme verlaufen. „Der Verband zieht den Beitrag ein und rechnet mit Securon ab. Securon leitet die Prämien an die Versicherer weiter und erstattet dem DHV die Bearbeitungsgebühr.“

35 Euro

Auf Nachfrage sagt Hendges auch, woher das Geld kommt, das er den Hebammen zurückerstattet: Aus der Maklercourtage der Securon, sprich: der Provision. Kritik daran will Hendges nicht gelten lassen: "Wenn man die Bearbeitungsgebühr auf die rund 14.000 versicherten Hebammen umrechnet, sind das nur 35 Euro pro Police.“

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