Mehr Transparenz gefordert Hebammenverband muss sich für umstrittene Zahlungen rechtfertigen

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Noch keine langfristige Lösung

Die Schatzmeisterin beklagte sich bei der Delegiertenkonferenz 2011 darüber, dass „die Einnahmen aus dem ideellen Bereich die Kosten aus dem ideellen Bereich nicht decken können.“ Konsequenz: „Hier muss aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgeglichen werden.“ Größter Erlösbringer dort: Die Versicherungseinnahmen.

Mittelweile fordern auch Verbandsmitglieder mehr Aufklärung, was die Zahlungen angeht. "Die Verbandsleitung verhält sich nicht besonders transparent", sagt eine Hebamme. Viele erhoffen sich außerdem mehr Einsatz seitens des Verbandes. Auch die zahlreichen öffentlichen Proteste für die Hebammen seien maßgeblich aus Elterninitiativen hervorgegangen, der Verband habe da wenig beigetragen, so eine Hebamme. Statt dessen konzentriert sich der Verband auf die politischen Verhandlungen. Um dem zuständigen Minister Zeit für Änderungen zu gewähren, werde sich der Verband zunächst mit Protesten noch zurückhalten, heißt es in einem Schreiben an die DHV-Mitglieder vom März dieses Jahres, welches der WirtschaftsWoche vorliegt.

Deckelung erwünscht

Bisher konnte in diesen politischen Verhandlungen immerhin erreicht werden, dass die Krankenkassen einen Ausgleichsbetrag für die gestiegenen Prämien zahlen. Davon profitieren aber vor allem Hebammen, die viele Geburten betreuen können, aber nicht die Teilzeitkräfte. Diese sollen dafür ab Juli 2015 einen sogenannten Sicherstellungszuschlag von den Kassen erhalten. Bisher gilt eine Übergangsregelung. Als langfristige Lösung gilt das allerdings nicht.

Einige fordern dafür einen Regressverzicht seitens der Sozialversicherer. Damit könnte die Schadenssumme gedeckelt werden, dass würde sich positiv auf die Prämien auswirken. Andere wiederum sehen einen Fonds als langfristige Lösung. Möglich wäre, die Haftung durch die Hebamme bei einer Million Euro zu deckeln. Dafür wäre auch bezahlbarer Versicherungsschutz verfügbar. Alles, was darüber an Schäden anfällt, könnte durch einen staatlichen Haftungsfonds finanziert werden. Derartige Modelle mit Beteiligung des Staates gibt es unter anderem bereits in den Niederlanden und skandinavischen Ländern.

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Die freiberuflichen Hebammen in Deutschland können allerdings nur hoffen, dass überhaupt eine langfristige Lösung gefunden wird. Denn bisher gibt es nur einen Vertrag bis 2016, danach ist die Versicherungsfrage der Geburtshelfer völlig offen.

Möglicherweise ließe sich bei einem neuen Vertrag auch der angebotene Leistungskatalog etwas abspecken. Nicht nur, dass bisher laut Hebammen auch schwierige Geburtssituationen versichert sind, die von Hebammen alleine gar nicht durchgeführt werden sollten. Die aktuelle Police versichert auch die Vierbeiner der Hebammen - mit einer Hundehalterhaftpflicht. Egal, ob Fiffi mit im Haushalt wohnt oder nicht. Die Spezialisten des DHV erklären dazu, die Versicherung sei im Paket enthalten und habe keinen Einfluss auf die Prämie. Fiffi freut`s.

Egal ob mit oder ohne Hundehalterhaftpflicht, eine bezahlbare Versicherungsprämie für Hebammen in Deutschland muss dringend her - denn wenn sich eine so große Volkswirtschaft wie Deutschland keine flächendeckende Versorgung mit Hebammen mehr leisten kann, ist das ein verdammt schlechtes familienpolitisches Signal.

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