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Methodik Wie das Lebensversicherungs-Rating funktioniert

Lebensversicherung: So funktioniert das Rating Quelle: Fotolia

Je freier ein Lebensversicherer anlegen kann, desto besser stehen die Chancen der Kunden. Die Methodik der Analyse nach Jörg Finsinger.

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Seit 22 Jahren ermittelt die WirtschaftsWoche, welche Lebensversicherer Kunden die besten Renditechancen bieten. Der zentrale Ansatz: Je mehr Kapitalpolster Versicherer haben, desto rentabler können sie anlegen. Zusätzlich wird berücksichtigt, welche Kosten den Kunden aufgebürdet werden und welchen Anteil vom erwirtschafteten Überschuss sie bekommen. In Summe definiert dies die „Leistungsfähigkeit für den Kunden“. Die Methode hat der Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger entwickelt. Das Hamburger Ratinghaus softfair analyse und die WirtschaftsWoche werten nach ihr die Geschäftsberichte der Versicherer anhand von 29 Kennzahlen aus. Auf dieser Basis werden die zu erwartenden Überschüsse prognostiziert.

Anders als bei anderen Vergleichen geht es nicht um vergangene Erfolge, sondern um die Verzinsung der Kapitalanlagen, die Versicherer künftig erzielen können. Die bisherige Verzinsung wird nur zum Vergleich genannt, sie fließt nicht ins Rating ein. Die künftige Verzinsung wird mithilfe eines Modells prognostiziert. Dazu ermittelt softfair analyse für jeden Versicherer das frei verfügbare Kapital, das nicht durch feste Ansprüche der Kunden gebunden ist. Es kann riskanter und renditestärker angelegt werden – so steigt der „realistische Zins auf die Kapitalanlagen“. Im Modell beträgt die Langfristrendite für sichere Anlagen 2,1 Prozent, die für riskantere 5,1 Prozent.

Realistischer Zins von 2,5 Prozent

Beispiel: Bei der Huk-Coburg macht das freie Risikokapital 7,6 Prozent der Kapitalanlagen aus – ein hoher Wert. Dieses Kapital kann riskanter angelegt werden. Lebensversicherer müssen dabei aber einige Regeln beachten; Totalverluste sind extrem unwahrscheinlich. Daher geht das Modell davon aus, dass die Lebensversicherer sogar das 1,89-Fache des freien Risikokapitals riskanter anlegen können. Dieser Faktor errechnet sich aus statistischen Verlustwahrscheinlichkeiten. Bei der Huk-Coburg können damit 14,4 Prozent der Kapitalanlagen riskanter investiert werden (1,89 mal 7,6 Prozent). Diese 14,4 Prozent des Kapitals bringen dann 5,1 Prozent Rendite, die restlichen 85,6 Prozent werfen 2,1 Prozent Rendite ab. Unter dem Strich beträgt der realistische Zins auf Kapitalanlagen 2,5 Prozent.

Wie viel Versicherte bekommen, hängt aber auch von Kosten und Ausschüttungen ab: Welchen Anteil der Beiträge verbrauchen Vertreter und Verwaltung (Kostenquoten)? Wie viel wird ausgeschüttet (Ausschüttungsquote)? Diese Werte (realistischer Zins auf die Kapitalanlagen, Kostenquoten und Ausschüttungsquote) werden jeweils mit einem branchenüblichen Niveau verglichen. Schneidet der Versicherer besser ab, steigt seine Leistungsfähigkeit. Zum besseren Verständnis wird der Wert in Relation zur Benchmark gesetzt, einem Durchschnitt 25 besonders wachstumsstarker Anbieter, und in eine Sterneskala übersetzt.

Bei hoher Leistungsfähigkeit sollte der Versicherer sein Zinsversprechen auch bei anhaltenden Niedrigzinsen halten können und Überschüsse erzielen. Eine negative Abweichung um mehr als 100 Prozent zeigt, dass Kunden im Modell in Zukunft theoretisch mit keinen Überschüssen rechnen dürfen. In der Realität kann dies natürlich dennoch gelingen.

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