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Niedrigzinsen Das Ende der Lebensversicherung (wie wir sie kennen)

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Angespannte Stimmung

Wie soll es also weitergehen? Das Problem ist, dass in kaum einem denkbaren Szenario die Lebensversicherung wirklich gut abschneidet. Das zeigen drei Szenarien zur weiteren Zinsentwicklung:

1. Bleibt es längerfristig bei Niedrigstzinsen, können die Lebensversicherer die Altzusagen irgendwann nicht mehr erfüllen. Damit müssten Kundenansprüche reduziert werden, was rechtlich durchaus machbar ist.

Neukunden hätten bei weiter sinkenden Zinsen den Vorteil, noch von den vor ihrem Abschluss bereits gekauften Anleihen im Bestand der Versicherer zu profitieren. Nur würde die Finanzierung der an die Altkunden gemachten Garantien (bis zu 4,0 Prozent Garantiezins) für die Versicherer ein derart enges Korsett, dass Neukunden mit ihren deutlich niedrigeren Garantiezinsen (aktuell nur 1,25 Prozent) tatsächlich schlecht dastehen dürften.

Die Versicherer müssten alle Überschüsse für die alten Hochzins-Verträge einsetzen. Ihnen bliebe kaum noch etwas, um die Verzinsung der neueren Verträge aufzustocken.

Vier Versicherer verschweigen ihre Zinsen
Öko-Test: Töpfe der Versicherer sind prall gefülltDas Verbrauchermagazin Öko-Test hat die Ertragslage und die Stabilität der Lebensversicherer geprüft. Ergegnis: Die Branche verfüge weiterhin über hohe Bewertungsreserven. Auch die Töpfe mit bereits erzielten, aber noch nicht ausgeschütteten Gewinnen seien prall gefüllt: "Insgesamt schlummern hier weitere 40,8 Milliarden Euro, die eigentlich den Kunden zustehen." Die Finanzstärke der Versicherer wurde mit Schulnoten bewertet. Das ist wichtig für Verbraucher, die wissen wollen, ob ihr Versicherer seine Verpflichtungen erfüllen kann. Dabei wurde unterschieden nach großen und kleinen Versicherern. Ein "Sehr gut" erhielten nur einige kleine Unternehmen, unter den Großen aber keiner. Die Note zwei wurde dagegen immerhin acht Mal vergeben. Befriedigend und damit durchschnittlich lagen immerhin rund zwei Dutzend der Unternehmen. Der Rest landete im Vierer-Bereich.
Bund der Versicherten: "Die Versicherungen rechnen sich arm." Trotz des schwachen Zinsniveaus erwirtschafteten die Versicherer mit Kapitalanlagen immer noch hohe Gewinne, reagierte der Bund der Versicherten (BdV) auf Berechnungen von Öko-Test zur Finanzstärke der Lebensversicherer. Diese Gewinne würden in den Bilanzen aber schlichtweg verschleiert. „Die Versicherungen rechnen sich arm - auf Kosten der Kunden“, kommentierte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Dies geschehe laut Öko-Test zum einen mittels der sogenannten Zinszusatzreserve, welche die Unternehmen seit 2011 zu bilden verpflichtet sind. Diese zusätzliche Reserve soll Niedrigzinsphasen ausgleichen und so die garantierten Zinserträge der Kunden über viele Jahre hinweg langfristig sichern. Die Mittel für diese zusätzliche Reserve generierten die Unternehmen aus Kapitalerträgen. Demnach müssten sie in der Bilanz eigentlich als Gewinn auftauchen. Doch buchhalterisch werde so getan, als würden diese Mittel schon heute eine feste Zahlungsverpflichtung an den Kunden sein.
Was die Lebensversicherer mitteilen: vom Schlechtesten bis zum BestenDie jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung, allerdings ist die Begriffswahl nicht völlig einheitlich in der Branche. Manchmal ist auch von Gesamtverzinsung die Rede, obwohl Überschussbeteiligung gemeint ist. Diese Kennzahl setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Diese Prozentzahl ist meist höher und bezieht sich auf auslaufende Verträge, weil der Kunde noch etwas aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält.  Quelle: dpa
Map-Report: "Nicht verstecken"Aktuell sei die Bereitschaft der deutschen Lebensversicherer, Vorhabinformationen zu ihren Überschussdeklarationen zu geben, nicht besonders stark ausgeprägt, stellt der Branchenkenner Manfred Poweleit in seinem wöchentlichen Map-Fax fest. "Warum eigentlich?", so fragt er. "Nach wie vor hat die Lebensversicherung keinen Grund, sich zu verstecken. Im vergangenen Jahr 2013 wurden die Guthaben der Versicherten mit einer kapitalbildenden gemischten Lebensversicherung im Schnitt aller Rechnungszinssätze mit 3,66 Prozent verzinst."
Vier Versicherer, die lieber schweigenEinige Lebensversicherer liefern seit einigen Jahren keine Daten mehr, etwa an die Ratingagentur Assekurata. Die Analysten der Agentur fertigen jedes Jahr einen Überblick an, wie sich die Überschussbeteiligung und die Gesamtverzinsung von Lebensversicherungen entwickelt. Auf diese Weise sorgen sie für Transparenz in der Branche und für Kunden, die gerne wissen möchten, wie sich ihr Vertrag im Vergleich entwickelt. Doch folgende Versicherer schweigen lieber, wie eine Aufstellung von Assekurata im Internet ergibt. Dies sind: MÜNCHENER VEREIN Lebensversicherung a.G.Uelzener Lebensversicherungs-AktiengesellschaftVPV Lebensversicherungs-AGWWK Lebensversicherung a.G.Auch auf Nachfrage von Handelsblatt Online erfolgte bisher keine Reaktion dieser vier Versicherer.
WWK: keine AntwortDer Versicherer WWK nennt zwar keine Überschussbeteiligung für seine klassische Lebensversicherung. Stattdessen versucht das Unternehmen, sich mit anderen sich von der Konkurrenz abzusetzen. So sei das Unternehmen in der Kategorie „Inländische Anbieter - Agentur-und Maklervertrieb“ mit dem Titel „Bester Lebensversicherer Deutschlands“ ausgezeichnet worden. Jürgen Schrameier, Vorstandsvorsitzender der WWK, erklärte dazu: "Besonders stolz sind wir auf unsere seit vielen Jahren überdurchschnittlich hohe Substanzkraft. Sie ist der Garant für unseren Geschäftserfolg, dies gilt in Zeiten der Niedrigzinsphase stärker denn je.“ Auf Unternehmensebene berücksichtige die umfangreiche Analyse wesentliche Unternehmenskennzahlen wie Eigenkapital- und freie RfB-Quote im Verhältnis zur Deckungsrückstellung. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mit Beitragseinnahmen von rund einer Milliarde Euro zu den größten 30 Lebensversicherungen in Deutschland.
Münchener Verein: keine AntwortDas Versicherungsgeschäft werde nicht mit der primären Absicht der Gewinnerzielung betrieben, sondern vornehmlich zur Sicherung eines günstigen Versicherungsschutzes, erklärt das Unternehmen in einer Selbstdarstellung. Im Gegensatz zur Hauptversammlung der Aktiengesellschaft seien in der obersten Vertretung des Versicherungsvereins keine Personen vertreten, die Kapitalinteressen verfolgen, sondern Mitglieder, die gleichzeitig Versicherungsnehmer sind. Bei der Münchener Verein Kranken- und Lebensversicherung erfolge die Vertretung der Mitglieder in der Hauptversammlung durch Mitgliedervertreter. Da nur Mitglieder durch die oberste Vertretung repräsentiert würden, sei der Einfluss von dritter Seite ausgeschlossen. Im Belastungstest des Analysehauses Morgen & Morgen habe der Versicherer im Oktober erneut die Note „Sehr gut“ erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Morgen & Morgen untersucht dabei die Risiken, die aus den Verpflichtungen des Versicherungsbestands sowie den Kapitalanlagen eines Lebensversicherers resultieren. Quelle: Screenshot

2. Steigen die Zinsen hingegen schnell und deutlich an, würde das den Versicherern wieder mehr laufende Zinserträge bringen. Allerdings nur sehr langsam, weil sie das verwaltete Kapital auf etwa zehn Jahre angelegt haben und diese Laufzeiten in den vergangenen Jahren noch verlängert haben, um die Zinserträge ein wenig aufzubessern.

So berichtet etwa Generali-Finanzvorstand Torsten Utecht gegenüber dem Branchenverband GDV, dass die Generali Lebensversicherung die durchschnittliche Laufzeit der gehaltenen Anleihen (Duration) in den vergangenen Jahren von sechs auf neun Jahre erhöht habe.

Die Folge der längeren Laufzeiten: Anders als seit 1981 würde angesichts stark steigender Zinsen die laufende Durchschnittsverzinsung der Kapitalanlagen der Versicherer schnell unter die aktuell erreichbaren Renditen sinken und sich nur sehr langsam diesem Niveau annähern.

Das birgt zwei Probleme: Neukunden hätten kaum noch Gründe, eine Lebensversicherung abzuschließen. Denn mit ihrem Einstieg würden sie sich auch die von Versicherern früher gekauften, schlechter verzinsten Anleihen einkaufen.

Die hohen stillen Reserven aus den gehaltenen Anleihen (Bewertungsreserven) würden sich bei einem schnellen Zinsanstieg zudem auflösen. Dieser Topf wäre also nicht mehr verfügbar, um daraus irgendwelche Kundenansprüche zu finanzieren.

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3. Bleibt ein langsamer, aber ausreichend zeitnah beginnender Zinsanstieg. Dieses Szenario wäre für die Lebensversicherung wohl am besten. Die beschriebenen Probleme beim schnellen Zinsanstieg (Neukunden-Mangel, plötzliches Auflösen der Bewertungsreserven) kämen nur deutlich schwächer zum Tragen. Die Altzusagen könnten erfüllt werden; Neukunden wären zwar nicht leicht für die Lebensversicherung zu begeistern, könnten aber mit dem Verweis auf die lange Tradition und Krisenstabilität im Zweifel überzeugt werden.

Die angespannte Stimmung in der Branche wird sich so schnell wohl nicht beruhigen. Dass ausgerechnet Felix Hufeld, bisher oberster Versicherungsaufseher der Finanzaufsicht BaFin, nun auf den Chefposten der BaFin rücken soll, kann insofern auch als Signal verstanden werden: Die Versicherer werden in den kommenden Jahren große Herausforderungen zu meistern haben.

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