OECD-Bericht Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme Europas

Gute Gesundheitsversorgung kostet Geld. In Deutschland sogar so viel, dass das deutsche Gesundheitswesen laut einem aktuellen OECD-Bericht zu den teuersten in Europa gehört. Ein Grund sind enorm viele Krankenhausfälle.

Die finanzielle Eigenleistung deutscher Patienten gering – die Wahlmöglichkeiten bei Ärzten aber enorm hoch. Quelle: AOK MEDIENDIENST

Deutschland hat nach einem OECD-Bericht mit das teuerste Gesundheitssystem in Europa, ist aber nicht in allen Bereichen unter den Spitzenreitern. Dies geht aus dem Bericht „Gesundheit auf einen Blick“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Die Gesundheitsausgaben lagen danach 2013 bei 11 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit deutlich über dem Durchschnitt innerhalb OECD von 8,9 Prozent vom BIP.

Der OECD-Bericht bemängelt unter anderem eine hohe Zahl vermeidbarer Krankenhausfälle. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die Zahl der Krankenhausbetten trotz Rückgang immer noch auf einem hohen Niveau befinde und damit auch zu Eingriffen Anreize geben könne, die nicht zwingend seien, so die Argumentation der OECD.

Die häufigsten Todesursachen in Deutschland
Im Jahr 2013 verstarben in Deutschland insgesamt 893.825 Menschen, davon 429.645 Männer und 464.180 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist damit die Zahl der Todesfälle gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen. Durch einen Suizid beendeten 10.076 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 73,9 Prozent fast dreimal so hoch war wie der Anteil der Frauen mit 26,1 Prozent. Quelle: dpa
In 10.842 Fällen (4 972 Männer und 5 870 Frauen) war ein Sturz die Ursache für den Tod. Quelle: dpa
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten waren für 18.475 Sterbefälle verantwortlich. Quelle: dpa
3,8 Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung, einen Unfall oder eine Vergiftung zurückzuführen (34.133 Sterbefälle). Quelle: dpa
Eine deutliche Zunahme um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist bei den Psychischen und Verhaltensstörungen festzustellen. Hieran verstarben 2013 insgesamt 36.117 Menschen, davon 14.241 Männer und 21.876 Frauen. In 80 Prozent dieser Sterbefälle war eine Demenzerkrankung die Todesursache. Quelle: dpa
Die Zahl der Sterbefälle infolge von Krankheiten des Verdauungssystems betrug im vergangenen Jahr 40.112. Das entspricht einer Rate von 4,5 Prozent. Quelle: dpa
Mann packt scih an die Brust Quelle: dpa

Nach Darstellung der Organisation sind deutsche Ärzte im Durchschnitt relativ alt. 2013 seien 42 Prozent 55 Jahre und älter gewesen. Ausländische Ärzte würden zur Deckung des Personalbedarfs immer wichtiger. Von 2000 bis 2014 stieg deren Zahl von knapp 10.000 auf 32.000, was einem Anteil von 8,8 Prozent entspricht. Durch die Alterung der Bevölkerung werde das Gesundheits- und Pflegesystem insgesamt vor besondere Herausforderungen gestellt.

Anders als der Eindruck hierzulande müssen die Patienten in Deutschland im OECD-Vergleich nur geringe Wartezeiten bei der Gesundheitsversorgung in Kauf nehmen. Die finanzielle Eigenleistung der Patienten sei relativ gering und die Wahlmöglichkeiten der Patienten dagegen recht gut.

So teuer sind manche Medikamente

Nach dem OECD-Bericht sind die Arzneimittelausgaben in Deutschland höher als in den allermeisten anderen europäischen Staaten. Und auch im OECD-Vergleich liegt Deutschland mit 678 US-Dollar – das sind umgerechnet rund 620 Euro – pro Einwohner 30 Prozent über dem Durchschnitt. „In Europa toppt das nur Griechenland“, hieß es.

Im vergangenen Jahr stiegen hier die Ausgaben nach einer Phase der Stagnation von 2009 bis 2013 um etwa sieben Prozent. Die allgemeinen Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben wuchsen von 2009 bis 2013 im Schnitt dagegen nur um zwei Prozent jährlich, 2014 nach vorläufigen Schätzungen um 2,5 Prozent.

Dass die Arzneimittelkosten so stark nach oben gegangen seien, begründe sich zum Teil mit erhöhten Ausgaben für sehr teure Medikamente wie Hepatitis C-Präparate. Darüber hinaus sei der Rabatt, den Hersteller Krankenkassen für patentgeschützte Arzneimittel gewähren müssen, Anfang 2014 gesunken.

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Die Deutschen nähmen verhältnismäßig viele Medikamente ein. „Ihr Verbrauch von Blutdruck senkenden Mitteln zum Beispiel ist höher als in allen anderen OECD-Ländern und liegt beim Dreifachen der in Österreich konsumierten Menge.“

Auch würden hierzulande Antidiabetika wesentlich häufiger verschrieben als im OECD-Schnitt. Zwischen 2000 und 2013 habe sich der Verbrauch fast verdoppelt. Die Zunahme hänge auch mit der Alterung der Gesellschaft und dem Anstieg der Zahl Übergewichtiger zusammen.

Noch stärker gestiegen ist der Verbrauch von Antidepressiva. Hier liegt Deutschland zwar mit 53 Tagesdosen je 1000 Einwohner etwas unter dem Schnitt der Industrieländer, der bei 58 Tagesdosen pro 1000 Einwohner liegt. 2000 lag der Verbrauch hierzulande aber erst bei 21 Tagesdosen.

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