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Porträt Im Haus von Marc Faber: Zwischen Mao und John Stuart Mill

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Marc Fabers Büro

Wegen seiner erstaunlichen Trefferquote ist Fabers Meinung heute gefragter als jemals zuvor. Sein monatlicher „Gloom, Boom & Doom Report“ genießt bei Anlegern auf der ganzen Welt Kultstatus. Seit vielen Jahren nimmt er am Börsen-Roundtable des US-Anlegermagazins „Barrons“ teil, er ist regelmäßiger Interviewpartner in den Börsenprogrammen von Bloomberg und CNBC und wird als Redner zu unzähligen Investmentkonferenzen auf der ganzen Welt eingeladen. Sein konträrer Anlagestil und seine meist pessimistischen Ansichten über die Wirtschaft haben ihm zwar den Titel „Dr. Doom„ eingebracht. Trotzdem sei er Optimist, sagt Faber. Warum? Weil er sich traue, in Thailand Motorrad zu fahren.

Aber nicht nur deshalb: In seinem 2002 veröffentlichen Buch „Tomorrow's Gold – Asia's Age of Discovery“, hat Faber ausführlich zukünftige Investitionsmöglichkeiten rund um den Globus beschrieben. Das Buch stand mehrere Wochen auf der Amazon-Bestsellerliste und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Und als im März 2009 niemand Aktien haben wollte, riet Faber allein auf weiter Flur in einem Bloomberg-Interview zum Einstieg in den Aktienmarkt. Der US-Aktienindex S&P 500 legte anschließend um mehr als 80 Prozent zu. Es sei ja schön, akademisch zu argumentieren, aber man müsse auch praktisch handeln, sagt Faber. Er sei schließlich Anleger.

Mao-Sammlung ist in Vermögen wert

Marc Faber wurde 1946 in Zürich geboren. Nach seiner Schulzeit in Genf und Zürich studierte er Ökonomie an der Universität Zürich, wo er im Alter von 24 Jahren mit Auszeichnung magna cum laude in Wirtschaftsgeschichte promovierte. 1970 heuerte Faber bei der US-Investmentbank White Weld & Company an, für die er bis zu deren Übernahme durch Merrill Lynch 1978 in New York, Zürich und Hong Kong arbeitete. 1973 verlegte Faber seinen Lebensmittelpunkt nach Asien und zog nach Hongkong. 1978 wurde er Managing Director in der Hongkonger Niederlassung von Drexel Burnham Lambert, jener Investmentbank, die der legendäre Junk-Bond-Königs Michael Milken Mitte der Achtzigerjahre zur profitabelsten Wall-Street-Adresse machte und 1990 wegen Milkens Fehlspekulationen und Insiderskandalen unterging.

Im Juni 1990 machte sich Faber selbständig und gründete in Hongkong die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd. Für seine vorwiegend in Asien ansässigen Kunden verwaltet er heute etwa 300 Millionen Dollar. Es könnten problemlos ein paar Milliarden Dollar sein. Doch Faber hat keine Lust auf den damit verbundenen organisatorischen und juristischen Aufwand. Faber berät außerdem eine Reihe privater Investmentfonds und sitzt in Aufsichtsgremien mehrerer Unternehmen. Er ist Direktor von Ivanhoe Mines, dem Bergbauunternehmen des schillernden Mineninvestors Robert Friedland, sowie von Sprott Inc., einem unabhängigen kanadischen Vermögensverwalter, bei dem Faber auch im Anlageausschuss sitzt.

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    Faber steht für Unabhängigkeit, das demonstriert er auch in seinem Auftreten. Dem WirtschaftsWoche-Fotografen präsentierte er sich in der vergangenen Woche in Berlin nicht als nicht als glattgebügelter Investmentbanker im Nadelstreifenanzug, sondern im Tiger-T-Shirt.

    Nicht alle seine genialen Einfälle hat er postwendend weitergegeben. So hat er die Idee, Mao-Memorabilia zu sammeln, für sich behalten. Als er Anfang der Siebzigerjahre nach Hongkong kam, lebte Mao Tse-tung noch; es gab Poster, Büsten und Badges in Hülle und Fülle für wenig Geld zu kaufen. „Ich dachte mir, dass dieser ganze Schrott, sobald Mao stirbt, nicht mehr hergestellt und vermutlich sogar zerstört werden wird, und dass sich diese Dinge in Sammelobjekte verwandeln könnten.“ Dr. Doom behielt recht. Seine Sammlung mit über 3000 Plakaten, 33 000 Buttons und unzähligen der kleinen roten Bücher mit Zitaten aus Maos Reden, ist heute ein Vermögen wert. Poster, die er einst für 20 US-Cent erstanden hatte, wechseln heute für Hunderte von Dollar den Besitzer. Allein die Mao-„Buttons“ und „Plates“ um die Gartentür – auch dies ein imposantes und extrem gewichtiges Holzportal – sind so viel wert wie ein Kleinwagen. Nicht dass er vorhätte, sie zu verkaufen: „Meine Tochter wird später entscheiden müssen, was mit dem Kram geschehen soll.“ 

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