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Private Altersvorsorge Rentenversicherer suchen verzweifelt Rendite

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Anlage-Notstand der Versicherer alarmiert Politik

Klaus-Peter Flosbach Quelle: Pressebild

Das Problem ruft jetzt auch die Politik auf den Plan. Denn am Ende könnte die Altersvorsorge von Millionen Deutschen in Gefahr sein. Um das zu verhindern, zeigt sich die Koalition in Berlin offen, den Versicherern aus der Patsche zu helfen. Ideen werden gesammelt. Vor allem soll es den Firmen erleichtert werden, mehr Geld in Sachwerte zu stecken.

„Der niedrige Zins für Staatsanleihen ist ein wahnsinnig großes Problem“, sagt Volker Wissing, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Wir haben damit eine Gefährdung der Altersvorsorge.“ Auch beim Koalitionspartner CDU/CSU läuten die Alarmglocken: „Mit dem aktuellen Niveau bei zehnjährigen Papieren kann man keinen Garantiezins darstellen“, sagt der Finanzexperte der Unions-Fraktion im Bundestag, Klaus-Peter Flosbach. „Noch profitieren die Versicherer von ihren Altanlagen, aber die laufen irgendwann aus“, warnt er.

Viele Lebensversicherer haben ihren Kunden eine Rendite von vier Prozent und mehr pro Jahr versprochen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen aber seit Ausbruch der Schuldenkrise in der Euro-Zone weniger als zwei Prozent. Die Rechnung geht also ohne bessere Investments auf Dauer nicht mehr auf. Gleichzeitig dürfen die Alternativen aber auch nicht zu viele Risiken mitbringen, um die Renten nicht zu gefährden. Das Problem frisst sich langsam in die Bücher der Anbieter.

Die Münchener Rück als weltgrößter Rückversicherer kam mit ihren Kapitalanlagen von mehr als 200 Milliarden Euro vergangenes Jahr auf eine Rendite von 3,4 Prozent - historisch betrachtet ein magerer Wert. Doch immer wieder laufen Investments aus und dieses Geld will neu angelegt werden. Und hier liegt die Rendite nur noch bei unter drei Prozent. Die Lage verschlechtert sich also jeden Tag. Kapitalstarke Firmen wie die Münchener Rück und die Allianz werden das noch Jahre verkraften können, kleinere Unternehmen aber nicht.

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Trommeln bei der Politik

Die EIOPA geht davon aus, dass wenn die Regierungen in Europa daran scheiterten, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen und dies die Konjunktur stark belaste, zunächst vor allem kleinere, nationale Versicherer darunter litten. Wenn sich die Lage in Griechenland zu einer Währungskrise auswachse und die Märkte erschüttere, wären auch die Großen der Branche betroffen. Zu ihnen gehören etwa die Allianz, die französische Axa und die italienische Generali.

Auch Elke König, Chefin der deutschen Finanzaufsicht BaFin, bezeichnete die Lage der Lebensversicherer in Deutschland als „angespannt“. Im Schnitt haben sie ihren Versicherten eine Rendite von 3,3 Prozent versprochen, erwirtschaften mit ihren neuen festverzinsten Geldanlagen aber derzeit weniger als drei Prozent. Die fehlende Rendite müssen die Anbieter zur Not aus ihren Reserven beisteuern, wenn sie Policen auszahlen müssen.

Einige Versicherer suchen bereits ihr Heil in mehr Aktien- oder Immobilieninvestments. Die Alte Leipziger-Hallesche etwa, ein wichtiger Anbieter von Lebensversicherungen, erhöht bereits wieder seine Aktienquote. Sie soll von null auf fünf Prozent steigen – allen Risiken der krisengeschüttelten Börsen zum Trotz. Mit Dividendenpapieren will der Versicherer so wieder eine attraktive Rendite reinholen. Gleiches erhofft sich die Alte Leipziger offenbar auch von Immobilieninvestments. Andere Versicherer dürften dem Beispiel folgen. Die Aktienquote von Marktführer Allianz beträgt 7,2, bei der Münchener Rück beträgt sie 3,1 Prozent. Beide denken über eine Erhöhung der Quoten nach.

Bei der Politik trommeln die Versicherer bereits für eine Lockerung der Anlagevorschriften. FDP-Mann Wissing erklärt, in der Vergangenheit seien Anreize für Investments in Staatsanleihen gesetzt worden. Nun müssten die Aufseher die Weichen aber so stellen, dass es mehr Möglichkeiten gebe. „Es ist wünschenswert, dass die Realwirtschaft als Investmentziel für die Versicherungsbranche wieder eine stärkere Rolle spielt. Es besteht Kapitalbedarf im Energiebereich, auch bei Unternehmensanleihen“, sagt Wissing. „Die bisherige Sichtweise, Staatsanleihen sind sicher, die Realwirtschaft nicht, hält keiner Überprüfung mehr stand.“

Sein Unions-Pendant Flosbach kritisiert in erster Linie die auf der EU-Ebene ausgearbeiteten neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer. „In Solvency II sind eine Reihe von Fehlern drin.“ Dadurch könne noch mehr Druck auf die Versicherer entstehen. „Es ist zum Beispiel völlig verrückt, welche Kapitalanforderungen Solvency an Immobilieninvestitionen legt.“

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