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Private Altersvorsorge Rentenversicherer suchen verzweifelt Rendite

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Versicherer schichten um

Ernst & Young Quelle: dapd

Das künftig geltende Regelwerk soll die tatsächlichen Risiken der Assekuranzen besser abbilden und fordert im Sinne der Kunden mehr Schutz. Vor allem werden die Kapitalanlagen dabei unter die Lupe genommen, die früher nicht als Risiko galten und immer wieder Schwächen und Verluste im eigentlichen Versicherungsgeschäft ausgeglichen haben.

Allerdings muss nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen für Investitionen in Immobilien rund 25 Prozent Eigenkapital als Risikopuffer zurückgehalten werden. Bei Erneuerbaren Energien, Infrastrukturprojekten und Aktien sind es im sogenannten Standardmodell sogar satte 49 Prozent. Bei Staatsanleihen sind es unverändert null Prozent - eine paradoxe Situation vor dem Hintergrund drohender Staatspleiten in der Euro-Zone.

Die Versicherer schichten zwar fleißig um - in Rohstoffe, Pfandbriefe, Aktien, Unternehmensanleihen sowie Wind- und Solarprojekte. Doch die hohen Risikopuffer sind ein Problem: „Das hat das Potenzial, die Investments zu limitieren“, sagt David Jones, Chef der Allianz-Sparte für Anlagen in Erneuerbare Energien. „Niedrige Risikopuffer würden es attraktiver machen.“ Verlässlichkeit ist zudem für die Versicherer entscheidend: „Aus Investorensicht braucht man Klarheit und Sicherheit“, so Allianz-Manager Jones.

Was an der Riester-Kritik dran ist

Nicht immun gegen die Schuldenkrise

Versicherungsgesellschaften und berufliche Vorsorgeeinrichtungen sind nach Ansicht des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (European Systemic Risk Board, ESRB) nicht immun gegenüber den Auswirkungen der Euroraum-Schuldenkrise auf die Finanzmärkte. "Ihr zunehmendes Risiko aus der Wechselwirkung zwischen Staats- und Bankenrisiken wird zunehmend eine Herausforderung, zumindest was die Konzentration von Risiken angeht", schrieb der ESRB in ihrem Jahresbericht. „Sollten sich die derzeitigen Zinskonditionen verschlechtern oder mehrere Jahre anhalten, dürften Schwachstellen in der Branche zutage treten." Weiter heißt es: „In welchem Ausmaß und wie rasch Versicherungen ihre Anlagemuster ändern, wird beeinflussen, ob sich die Bedingungen an den Finanzmärkten stabilisieren oder nicht und ob dies Auswirkungen auf das allgemeine Kreditangebot hat."

Der Immobilienmarkt scheint für eine Ausweichstrategie der Versicherer aber nur bedingt geeignet. Einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge drängen immer mehr Versicherer in den Immobilienmarkt, finden aber immer weniger Anlageziele. Der Befragung von 25 Versicherern zufolge würde jedes Unternehmen 2012 im Durchschnitt gerne knapp 300 Millionen Euro in Immobilien in Deutschland und europäische Kernmärkte investieren, was die Immobilienquote auf 6,7 von zuletzt 6,3 Prozent nach oben schrauben würde.

Da sich alle befragten Versicherer auf gut vermietete Einzelhandels- und Büroobjekte in Top-Lagen sowie zunehmend auch auf Wohnungsbestände fokussieren, wird es eng, die Preise steigen. Dennoch betrachten sie Aktien in der Euro-Schuldenkrise als ein zu volatiles Investment, langfristig vermietete Immobilien dagegen versprächen verlässliche Einnahmen. Vor allem deshalb stehen bei den Versicherern Direktinvestitionen in Immobilien weiter ganz oben auf der Wunschliste.

Auch bei den großen Wohnungspaketen, die hierzulande gerade den Besitzer wechseln, mischt die Assekuranz zunehmend mit: So machte zu Jahresbeginn beim milliardenschweren Verkauf der LBBW-Wohnungen ein Konsortium um die Augsburger Immobiliengesellschaft Patrizia und etliche Pensionskassen das Rennen. Ähnliche Bieter bringen sich für das Wohnungspaket der BayernLB in Süddeutschland in Stellung. Aber auch indirekte Immobilieninvestitionen gewinnen für die Versicherer weiter an Bedeutung - etwa in Form von klassischen Immobilienfinanzierungen oder als Eigenkapitalgeber in Fonds. (mit Material von Reuters)

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