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Private Krankenversicherung Die Schlinge um die PKV zieht sich zu

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Die Linken: Die PKV hat ihre besten Zeiten hinter sich

Dieses Image gerät durch teilweise horrende Beitragssteigerungen einzelner Versicherer wie Central und überbordende Provisionen für Vermittler ins Wanken. Besonders bedrohlich ist dabei: In Berlin baut sich eine nahezu alle Parteien übergreifende Front gegen die PKV auf. SPD, Grüne und neuerdings auch die Linken profilieren sich als besonders starke PKV-Kritiker. 

Die Linken waren es dabei, die der Bundesregierung hoch interessante Zahlen zur Beitragsentwicklung in der PKV entlockten. Die Finanzaufsicht Bafin führt eine Statistik, die auf Daten der Anbieter beruht. Generell ist die PKV-Branche sehr zurückhaltend mit Angaben zur Beitragsentwicklung. Nur einzelne Unternehmen, die vergleichsweise gut dastehen, nennen bereitwillig Daten. Andere verweisen nur auf Durchschnittswerte, die oft wenig aussagekräftig sind. 

Die Bafin-Statistik bestätigt nun erstmals offiziell die Schätzungen mancher Analysten, dass Privatversicherte im Schnitt mit einem Beitragsanstieg von mehr als fünf Prozent pro Jahr rechnen müssen. Es können aber in einzelnen Jahren auch mehr als sieben Prozent werden. 

Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Durchschnittswerte durch die hohe Zahl der Beamten verzerrt sind. Diese Gruppe macht knapp die Hälfte der PKV-Versicherten aus, verursacht aber erfahrungsgemäß weniger Kosten. Daher steigen die Prämien der Beamten auch nicht so stark. Umgekehrt beklagen vor allem Angestellte und Selbstständige immer wieder starke Beitragserhöhungen.  

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei. 

Breite Kritik an der PKV

Nicht nur SPD und Grüne, auch Teile der CDU und FDP stimmen inzwischen in den Anti-PKV-Chor mit. Der Unions-Politiker Jens Spahn fiel bereits mit PKV-Kritik auf. Und nun fordert auch der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“. Selbst auf den Gesundheitsminister der FDP, Daniel Bahr, können sich die Privaten nicht mehr vorbehaltlos verlassen.

Warum die Prämien in der PKV steigen müssen

Die Krankenkassen, die rund 70 Millionen Deutsche versichern, erhalten in dieser politischen Gemengelage richtig Oberwasser. Im vergangenen Jahr hatten noch viele mit den eigenen Finanzen zu kämpfen, nun beschäftigen sie sich mit dem Systemgegner, der ihnen Jahr für Jahr die besten Kunden abwirbt – vor allem gut verdienende Angestellte und Selbstständige. 

Besonders aus dem größten Krankenkassenlager, der AOK, kommt immer mehr öffentlicher Gegenwind. Jüngstes Beispiel: Eine AOK-Studie, die den neun Millionen Privatversicherten stark steigende Beiträge in der Zukunft vorhersagt. Aus der Präsentation, die dem Handelsblatt vorliegt, geht hervor, dass die privaten Krankenversicherer von jedem Mitglied 2700 Euro Prämie im Jahr zusätzlich verlangen müssten, um in den nächsten 40 Jahren finanziell über die Runden zu kommen. Allein um diesen Fehlbetrag auszugleichen, seien etwa vier Prozent Prämiensteigerungen pro Jahr notwendig.

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