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Private Krankenversicherung Die zehn größten Irrtümer – und was tatsächlich stimmt

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Leistet die PKV mehr als die GKV?

1. Die PKV lohnt sich für jeden, der mit seinem Jahreseinkommen über der Versicherungspflichtgrenze für die gesetzlichen Krankenkassen von 57.600 Euro (2017) liegt.

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Zwar können diese Versicherten von der GKV in die PKV wechseln. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob sie sich den PKV-Beitrag auch dauerhaft leisten können. Entscheidend für die Prämienhöhe ist der Gesundheitszustand des Versicherten und der hat mit dem Einkommen wenig zu tun. Wie stark die Prämien des jeweiligen Tarifs in der Zukunft steigen werden, hängt vom Gesundheitszustand der übrigen Versicherten im Tarif ab und wie konservativ der Versicherer die Einstiegsprämien kalkuliert hat. Je stärker die Prämien auf Kante genäht sind, desto größer ist das Risiko von massiven Beitragserhöhungen. Das sind jede Menge Unwägbarkeiten. Wer also in die PKV wechselt, sollte daher ausreichend finanzielle Polster in seinem Budget haben. Allein das Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze ist kein Argument für den Wechsel in die PKV.  

2. Die PKV leistet mehr als die GKV.

Zwar bietet die PKV grundsätzlich zusätzliche Leistungen an. Es gibt aber auch PKV-Tarife, die in einigen Leistungskategorien weniger Kosten für medizinische Leistungen übernehmen als die GKV. Das spricht dafür, sich in der PKV nicht für einen Billig-Tarif zu entscheiden. Tarife mit mehr Leistungen haben logischerweise höhere Prämien. Ein Grund mehr, genau zu kalkulieren, ob die PKV-Prämie zu schultern ist. 

3. Die PKV-Prämien sind niedriger als die Beiträge in der GKV.

In der Regel sind die PKV-Beiträge für junge Versicherte niedriger als in der GKV. Allerdings hinkt der Vergleich:

a) Weil die Prämien in der PKV im Alter stärker ansteigen können als in der GKV. Entscheidend ist die Beitragssumme über die gesamte Laufzeit.

b) Weil es in der PKV und der GKV um zwei unterschiedliche Leistungskataloge geht. Insofern ist die Prämienhöhe nur schwer vergleichbar.

c) Weil in der PKV die Prämie für einen Tarif mit einem begrenzten Pool an Versicherten berechnet wird, der ein ganz spezifisches Gesundheitsrisiko hat. Die Prämien unterschiedlicher Tarife können daher erheblich voneinander abweichen. In der GKV wird die Prämie dagegen über alle Kassenmitglieder berechnet.

Wie die privaten Krankenversicherer ihre Prämien im Detail kalkulieren, können Versicherte in einer Broschüre des PKV-Verbandes nachlesen.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der PKV
Wachsende Kluft zwischen privaten Versicherern Quelle: dpa
Entwicklungen Privater Krankenversicherer Quelle: dpa
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Top 2: W&W - Wüstenrot & Württembergische-Gruppe Quelle: dpa
Flop 5: Gothaer Versicherungsbank Quelle: dpa Picture-Alliance

4. Je älter die Versicherten in einem PKV-Tarif sind, desto stärker steigen die Prämien.

Mit dem Alter steigt zwar grundsätzlich das Krankheitsrisiko. Ein höheres Durchschnittsalter im Tarif bedeutet aber nicht zwangsläufig stärkere Beitragserhöhungen. Sind die Versicherten überdurchschnittlich gesund und sind in der Prämie ausreichend Alterungsrückstellungen eingerechnet, können die Beiträge sogar unterdurchschnittlich steigen.

5. Alles, was der behandelnde Arzt für medizinisch notwendig hält, übernimmt die PKV.

Der Krankenversicherer muss grundsätzlich nur das zahlen, was der Tarif abdeckt. Auch bei abgedeckten Leistungen prüft er, ob er die vollen Kosten übernimmt. Im schlimmsten Fall bleibt der Versicherte auf einem Teil der Arztrechnung sitzen. Versicherte sollten sich daher vor der Behandlung den Heil- und Kostenplan des Arztes vom Versicherer absegnen lassen. Ab einem bestimmten Rechnungsbetrag schreiben viele PKV-Tarife einen Heil- und Kostenplan zwingend vor.

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