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Private Versicherung Hohe Zuschläge bei PKV-Tarifen

Versicherte können die Prämie mindern, wenn sie den Tarif oder den Anbieter wechseln.

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Bei steigenden Beiträgen haben privat Versicherte ein Sonderkündigungsrecht Quelle: dpa

Privat Krankenversicherte müssen zweistellige Prämienerhöhungen nicht hinnehmen. Steigt der Beitrag, haben sie ein Sonderkündigungsrecht und können innerhalb von vier Wochen in einen günstigeren Tarif ihres Anbieters wechseln.

Tarif wechseln

In der Praxis stoßen Wechselwillige auf Hindernisse. Versicherer haben kein Interesse daran, dass ältere, kränkere Versicherte in einen preiswerteren Tarif wechseln. Die Senioren würden den Prämienschnitt des Tarifs erhöhen. Es wäre dann schwerer, jüngere und meist gesündere Neukunden mit diesen Tarifen anzuwerben. So bieten sie Kunden, die umsatteln wollen, häufig nur unattraktive Tarife an. Abschreckend wirken auch hohe Risikozuschläge für Tarife, die zwar weniger Prämie kosten, aber Extras gegenüber dem alten Tarif bieten. Nur wenn der neue Tarif gleich viel oder weniger Leistung bietet, dürfen Versicherer keine Risikozuschläge verlangen. Wer weniger Leistungen oder höhere Selbstbeteiligungen akzeptiert, kann sparen.

Tarif-Hopping spart kräftig
Versicherter: 63-jähriger Angestellter im öffentlichen Dienst
Tarife: Gothaer GS, Variante 1 bis 4
Der Versicherte war 2009 im Tarif GS1. 2010 wechselte er in den Tarif GS2, anderenfalls hätte er 81,90 Euro monatlich mehr Prämie zahlen müssen. Auch 2011 und 2012 stieg er auf günstigere Tarife (GS3, GS4) um, weil die Gothaer die  Prämie massiv angehoben hatte. Beim Tarifwechsel sparte er vor allem, weil er bei Krankheit einen höheren Selbstbehalt zahlen müsste (GS1 = 130 Euro pro Jahr, GS2 = 420 Euro, GS3 = 912 Euro, GS4 = 1404 Euro).
Jahr Beitrag ohne Tarifwechsel alter TarifBeitrags-
erhöhung
Beitrag nach Tarifwechselneuer Tarifdurch Tarifwechsel gespart
2009 724,90 € / Monat--(kein Wechsel)--
2010

806,80 € / Monat

GS1

11,3 %

717,58 € / Monat

GS2

11,1%

2011

878,26 € / Monat

GS2

22,4 %

659,79 € / Monat

GS3

24,9 %

2012

808,17 € / Monat

GS3

22,5 %

696,52* € / Monat

GS4

13,8 %

* derzeit verhandelt der Versicherte über einen Tarifwechsel ohne erhöhten Selbstbehalt; Quelle: Albert Kapune, Gothaer

Neuer Anbieter

Als Neuzugang bei einem Krankenversicherer muss sich der Kunde einer Gesundheitsprüfung unterziehen Quelle: dpa

Den Anbieter zu wechseln, lohnt sich in der Regel nur für Versicherte, die ihre Police 2009 oder später abgeschlossen haben. Anders als Altkunden können sie einen Teil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen. Private Krankenversicherungen bilden Rückstellungen aus den Prämien ihrer Kunden, um die Beiträge im Alter weniger stark anheben zu müssen. Wenn ein Neukunde den PKV-Anbieter wechselt, rechnet die alte Versicherung aus, wie viel Rückstellungen aufgelaufen wären, wenn der Versicherte den Basistarif gewählt hätte. Der Basistarif leistet in etwa so viel wie die gesetzliche Krankenversicherung und ist damit die billigste PKV-Variante. Ist der Versicherte in einem Tarif, der mehr Leistungen bietet als der Basistarif und daher auch mehr kostet, geht beim Wechsel des Anbieters ein Teil der Alterungsrückstellungen verloren.

Wer vor 2009 privat versichert war, verliert beim Wechsel die kompletten Alterungsrückstellungen. Für diese Altkunden ist es daher günstiger, beim selben Anbieter einen neuen Tarif zu wählen.

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Gesundheitsprüfung

Generell gilt: Wer neu zu einem Krankenversicherer kommt, muss sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Vorerkrankungen müssen angegeben werden und können Risikozuschläge nach sich ziehen. Diese Zuschläge fressen einen Teil des Prämienvorteils wieder auf, den der neue Versicherer bietet. Versicherte sollten daher mehrere Angebote einholen, bevor sie den alten Vertrag kündigen.

Wechselwillige können sich von unabhängigen Versicherungsberatern des Verbandes BVVB helfen lassen (www.bvvb.de). Anders als Vermittler arbeiten sie gegen Stundenhonorar und bekommen keine Provision von Versicherungen. Sie haben daher kein finanzielles Interesse daran, bestimmte Anbieter zu empfehlen.

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