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Private Vorsorge Die besten Lebensversicherer

Nur finanzstarke Anbieter können das Geld der Versicherten noch rentabel anlegen. Sie haben genug Reserven, um in Aktien, Infrastruktur oder Immobilien zu investieren. Das exklusive Finsinger-Rating zeigt, welche Anbieter Kunden gute Chancen auf eine angemessene Verzinsung bieten.

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Bei der Lebensversicherung auf das richtige Pferd setzen Quelle: dpa

Die Karte des Stromnetzes ist groß wie eine Kinoleinwand. Deutschlands Norden leuchtet links, der Süden rechts. Davor, auf 21 Bildschirmen, simulieren Ingenieure des Netzbetreibers Amprion 15 Minuten im Voraus, wo in den 11 000 Kilometer Stromnetz eine Leitung ausfallen und womöglich eine Kettenreaktion ganze Städte in den Blackout reißen könnte. Bezahlt werden die Ingenieure in der Schaltzentrale in Brauweiler bei Köln von Stromkunden, die etwa drei Prozent ihrer Gelder an Amprion überweisen. Von ihrer Arbeit aber profitieren Lebensversicherte.

Zum Beispiel die der Neue Leben aus Hamburg: Der Versicherer ist an Amprion beteiligt. Vor einem Jahr haben die Neue Leben, die zum Talanx-Konzern gehört, und weitere Versicherer knapp 75 Prozent an Amprion von RWE übernommen, für 700 Millionen Euro. Als Investition ins Stromnetz verzinsen sich die Millionen nun mit etwa sieben Prozent pro Jahr.

Die Lebensversicherer mit *-Rating

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    * = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

    (sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

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    Lebensversicherer

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    für den Kunden
    1; 7
    Ergo3,6 %4,4 %6,4 %2,9 %80,6 %-66,8 %
    Münchener Verein 3,5 %3,8 %6,0 %3,6 %84,2 %-71,8 %
    Gothaer 3,3 %3,6 %5,9 %2,7 %81,9 %-80,8 %
    Arag 3,5 %4,0 %6,6 %4,1 %82,1 %-106,1 %
    HDI Gerling3,5 %4,5 %7,1 %2,8 %73,9 %-106,5 %
    Ideal 3,4 %4,1 %6,2 %4,9 %89,6 %-106,8 %
    VPV3,4 %3,6 %7,4 %3,3 %90,3 %-141,5 %
    Delta Lloyd3,5 %3,4 %10,3 %3,1 %67,2 %-234,0 %
    Direkte Leben3,8 %4,2 %11,2 %2,1 %89,4 %-256,3 %

    Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

    3,6 %

    4,3 %

    5,2 %

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    1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

    Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

    Lebensversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie ihren Kunden noch eine attraktive Rendite bieten wollen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen ihnen nur 1,5 Prozent Rendite pro Jahr. Selbst wenn sie dem Bund 30 Jahre Geld borgen, bekommen sie nur 2,3 Prozent. Das reicht nicht. Die Lebensversicherer garantieren Kunden auf eingezahlte Beiträge nach Abzug von Kosten im Durchschnitt 3,2 Prozent Zins. Während Neukunden heute nur noch 1,75 Prozent Mindestverzinsung auf den angelegten Teil ihres Beitrags zugesichert bekommen, steht in etwa jedem vierten der rund 90 Millionen abgeschlossenen Verträge noch ein Garantiezins von vier Prozent – von 1994 bis 2000 hatten sich die Lebensversicherer so weit aus dem Fenster gelehnt.

    Schrumpfkur - Obwohl Versicherer den garantiezins für Neukunden gesenkt haben, können sie ihn mit sicheren Anleihen nicht mehr erwirtschaften. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

    Die Niedrigzinsen treffen Versicherte hart. Fast 90 Prozent ihres Kapitals von 743 Milliarden Euro haben die Versicherer zu einem festen Zins investiert. Noch haben sie genug höher verzinste Anleihen aus früheren Jahren im Depot. Im Durchschnitt laufen die noch 9,5 Jahre. Deshalb schaffen die Anlagechefs mit den Kapitalanlagen 2012 immer noch etwa 3,8 Prozent Rendite. Schon das aber wären 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Entsprechend weniger werden die Versicherer ihren Kunden gutschreiben. Und die Renditen bröckeln weiter.

    Geliebte Bankpapiere - Investitionen der Lebensversicherer. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

    Notgedrungen müssen Versicherer umdenken: Sichere Anleihen rentieren nicht hoch genug. Sie brauchen andere Anlagen. Möglichst sicher sollen die sein, außerdem regelmäßig und langfristig kalkulierbare Erträge bringen – wie das Stromnetz.

    Fehlendes Kapital der Versicherer

    Wo Lebensversicherungen auf Renditejagd gehen
    7 Prozent Rendite holen Lebensversicherer aus dem StromnetzIngenieure in der Schaltzentrale des Netzbetreibers Amprion in Brauweiler sorgen für stabile Netze. 75 Prozent an Amprion halten Versicherer Wie stark weht der Wind an der Nordsee? Wie viel Sonne scheint auf die Solarparks in Bayern? Was verbrauchen die Fabriken an Rhein und Ruhr gerade? Solche Parameter und unzählige mehr jagen die Amprion-Ingenieure durch ihre Rechner. Drohen Engpässe, geht es schnell – militärisch knapp geben sie dann den Kollegen per Telefon Anweisung, damit Leitungen richtig geschaltet werden und der Strom stabil fließt – und mit ihm die Rendite. Quelle: dpa
    „Die Investition in Amprion ist für uns attraktiv, weil sie gut planbare und berechenbare Erträge bringt“, sagt Thomas Mann, Geschäftsführer der Talanx Asset Management. Da die Bundesnetzagentur die Entgelte für die Netznutzung so festsetzt, dass die Netzbetreiber eine fixe Eigenkapitalverzinsung erhalten, kann wenig schiefgehen. Quelle: Presse
    8 Prozent Rendite will die Allianz Leben mit Windenergie verdienenIn Windparks, hier in Suderbruch (Lüneburger Heide), und in Solaranlagen stecken ungefähr eine Milliarde Euro der Lebensversicherten Der Wind weht an diesem Herbsttag nur sanft über Suderbruch, einem Ferienort in der Lüneburger Heide. Bauernhöfe, allesamt in rotem Backstein, säumen die Dorfstraße. Ein kleiner Pfad führt zu den Windrädern, acht an der Zahl, die sich im Abstand von mehr als 100 Metern auf der weiten Flur verteilen. Im Frühjahr hat die Allianz den Windpark für geschätzt 30 Millionen Euro gekauft. Quelle: Presse
    „Ein wenig mehr könnte die Mühle schon noch leisten“, sagt Erik Sönksen. Der 43-Jährige kennt sich aus, seit 20 Jahren hat er mit Wind zu tun. Früher hat er die Mühlen – so nennt er die Windräder liebevoll – gebaut, heute kontrolliert er nach TÜV-Manier, ob alles sitzt, wie es soll. Am Turm wandert sein Blick langsam nach oben – 105 Meter –, bis er schließlich an den drei Rotorblättern hängen bleibt. Sie drehen sich gemächlich, neun Mal pro Minute. Dabei könnte das Getriebe bis zu 15 Umdrehungen pro Minute verarbeiten. Je stärker der Wind die Rotoren anschiebt, desto mehr Strom kann der Generator erzeugen – und desto mehr Geld fließt an die Versicherten der Allianz. Quelle: Presse
    300 Millionen Euro investiert die R+V Leben dieses Jahr in ImmobilienEinkaufspassagen, wie hier die Frankfurter Zeil 72–82, sind bei Lebensversicherern besonders beliebt. R+V kalkuliert mit fünf Prozent Rendite Bastian Becker holt tief Luft. Dann streift er seine Anti-Rutsch-Handschuhe über und stemmt die schweren Hanteln. Vier Mal die Woche kommt der 36-Jährige in das Frankfurter Fitness-First-Studio auf der Einkaufsmeile Zeil. Was der Hoteldirektor bislang nicht wusste: Er hält sich nicht nur fit, sondern finanziert nebenbei die Altersvorsorge vieler Lebensversicherten. Das Gebäude Zeil 72–82 gehört der Wiesbadener R+V Lebensversicherung. 50 Euro Beitrag überweist Becker im Monat an den Fitnessclub. „Ich selbst habe keine Lebensversicherung“, sagt Becker, als er wieder zu Atem gekommen ist, „aber über die Miete finanziere ich wohl einem Versicherten den Ruhestand mit.“ Quelle: WirtschaftsWoche
    Später, als Becker auf dem Crosstrainer am Fenster seine Ausdauer trainiert, kann er in der Haupteinkaufsmeile die shoppinglustigen Fußgänger beobachten. Wer Kleidung bei Zara oder Mango kauft, trägt ebenso zur R+V-Rendite bei wie die Kunden des Kosmetiksalons oder die Jugendlichen im Laden für Computerspiele. R+V setzt auf viele Mieter aus verschiedenen Branchen. „Fällt einer aus, trifft uns das nicht so hart“, sagt Markus Königstein, der für R+V Kapital in Immobilien anlegt. Quelle: WirtschaftsWoche
    200 Euro Gewinn machte die Gesellschaft des Hotels RosenparkAn der Gesellschaft, zu der das Luxushotel in Marburg gehört, hält die AachenMünchener 25 Prozent. Das Hotel läuft offenbar schlecht Im Garten des „Vila Vita Rosenpark“ in Marburg haben sich die Blätter rotgelb gefärbt. Durch das Dickicht der Herbstbäume hören Gäste die Lahn plätschern. Innen zieren handgeschmiedete Rosen das Geländer im Atrium des Fünf-Sterne-Superior-Luxushotels. Die Treppen führen hoch bis unter die Glaskuppel mit der goldenen Sonne. Und auf dem Weg in den Ballsaal Vivaldi mit seinen Lüstern plauschen betuchte Gäste auf Samtsesseln. Quelle: Presse

    Auch in Wind- und Solaranlagen, Einkaufscenter, Hotels und Wohnimmobilien stecken Lebensversicherer nun Geld und hoffen auf mehr Rendite. Längst nicht alle aber sind dazu in der Lage, sich ein Stück weg von den zinsschwachen Anleihen zu bewegen. "Viele Lebensversicherer können attraktive Geldanlagen nicht nutzen, weil sie nicht über ausreichend Kapital verfügen", sagt Stephan Kalb, Leiter Versicherungsanalyse bei der Ratingagentur Fitch. Die EU-Kommission hat die Pläne zur Einführung strengerer Eigenmittelvorschriften (Solvency II) zwar mehrfach verschoben, diese könnten sogar erst 2016 eingeführt werden. Doch die Lebensversicherer bereiten sich schon jetzt darauf vor. "Finanzschwache Versicherer halten sich schon zurück und investieren zum Beispiel nicht in Infrastruktur wie Stromnetze", sagt Kalb. Nach den aktuellen Plänen müssten Versicherer für solche Investments später 49 Prozent Eigenmittel bereitstellen. So soll verhindert werden, dass mögliche Verluste bei riskanteren Anlagen die den Versicherten zustehenden Gelder schmälern.

    Mit ihrer Zurückhaltung dürften kapitalschwache Versicherer zu stärkeren Wettbewerbern weiter ins Hintertreffen geraten. "Für Versicherte ist es daher wichtig wie nie, einen kapitalstarken Anbieter zu wählen", sagt Christoph Dittrich, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses Softfair. Nur kapitalstarke Versicherer können chancenreich investieren. Zieht der Versicherer den Kunden vom Beitrag außerdem möglichst geringe Kosten ab und beteiligt er sie großzügig an den erzielten Überschüssen, stehen die Renditechancen gut.

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      Beim Aufspüren der vorbildlichen Versicherer hilft das Rating der WirtschaftsWoche. Der Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger und das Analysehaus Softfair haben dazu 72 Lebensversicherer aus Kundensicht analysiert.

      Die Lebensversicherer mit **-Rating

      * = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

      (sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

      Zwei-Sterne
      Lebensversicherer

      Zins-

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      1; 2

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      Zins
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      Aus-
      schüttung
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      fähigkeit
      für den Kunden
      1; 7
      SV Sachsen3,3 %3,8 %5,6 %1,7 %89,8 %-38,6 %
      Barmenia Leben 3,6 %4,1 %5,5 %4,1 %87,1 %-42,1%
      Condor 3,6 %4,3 %5,8 %4,0 % 87,9 %-45,4 %
      Iduna Vereinigte3,5 %4,2 %5,6 %3,7 %84,1 %-50,0 %
      Württembergische3,6 %4,3 %6,2 %2,8 %82,9 %-55,7 %
      Nürnberger 3,6 %4,0 %6,1 %3,6 %85,0 %-59,9 %
      Deutscher Ring3,6 %4,1 %6,3 %3,4 %90,5 %-62,9 %
      Zurich Deutscher Herold3,5 %4,5 %6,3 %2,5 %78,6 %-63,3 %
      Axa 3,5 %4,3 %5,9 %3,3 %75,6 %-64,8 %
      DBV Dt. Beamten Lebensvers.3,5 %3,8 %6,0 %3,6 %89,3 %-66,2 %

      Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

      3,6 %

      4,3 %

      5,2 %

      2,6 %

      86,7 %

      1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

      Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

      Die WirtschaftsWoche hat sich außerdem vor Ort angeschaut, wie die Anlagemanager der Versicherer das Geld ihrer Kunden anlegen – abseits der üblichen Staatsanleihen, Bankschuldscheine und Pfandbriefe.

      Insgesamt stecken rund 1,3 Milliarden Euro der Allianz in 34 Windfarmen und sieben Solarparks in Deutschland, Frankreich und Italien. Etwa drei Viertel davon stammen von Lebensversicherten. Sieben bis acht Prozent Rendite sollen die Investments in erneuerbare Energien bringen, hofft die Allianz, und das über die 20 Jahre, für die die Einspeisevergütung staatlich garantiert ist.

      Noch gibt es Reserven - Die zehn größten Lebensversicherer im Bilanzcheck. (zum Vergrößern bitte anklicken)

      Die Allianz kann sich solche Investments locker leisten, hat sie doch besonders starke Kapitalpolster aufgebaut (siehe Tabelle links). Das gibt ihr Spielraum, das Geld der Kunden auch mal unkonventionell anzulegen. Allianz-Lebensversicherte verdienen auch an Parkuhren in Chicago. Gemeinsam mit anderen Investoren hat sich die Allianz für über eine Milliarde Dollar auf 75 Jahre die Rechte an deren Einnahmen gesichert. Von deutschen Lebensversicherten stecken rund 190 Millionen Dollar in den Parkuhren. Acht bis neun Prozent Rendite erwartet die Allianz.

      Woher kommen die Reserven?

      Die 10 größten Versicherer Europas
      AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
      AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
      GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
      AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
      Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
      Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
      CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot

      Der Marktwert aller Kapitalanlagen der Allianz lag Ende 2011 rund elf Prozent über dem Wert, zu dem sie in den Büchern standen. Das ist viel: Im Branchenschnitt der Lebensversicherer lag der Marktwert der Kapitalanlagen Ende 2011 um 4,6 Prozent über deren Bilanzwerten. Ein Jahr zuvor lagen diese stillen Reserven sogar nur bei 2,8 Prozent, hat das Analysehaus Morgen & Morgen errechnet. Einen großen Teil der Reserven verdanken Versicherer den eigentlich so schädlich niedrigen Zinsen. Denn mit dem stetigen Zinsrückgang sind die Kurse der von ihnen gehaltenen, noch hoch verzinsten Anleihen stetig gestiegen, die Papiere sind also wertvoller geworden. Würden die Zinsen anziehen, würde ein Teil der Reserven wieder verschwinden.

      So rechnet die Huk-Coburg vor, dass ein Anstieg der Zinsen um einen Prozentpunkt den Marktwert ihrer Festzins-Anlagen um 384 Millionen Euro drücken würde – was immerhin fünf Prozent des Bilanzwerts aller Huk-Kapitalanlagen entspricht. Wenn Lebensversicherer, wie etwa die AachenMünchener oder die Generali, schon jetzt, trotz der gefallenen Zinsen, nur über geringe oder gar keine stillen Reserven verfügen, ist das für Kunden ein Warnsignal.

      Top-Jobs des Tages

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      Standort erkennen

        Die Lebensversicherer mit ***-Rating

        * = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

        (sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

        Drei-Sterne
        Lebensversicherer

        Zins-

        prog.
        1; 2

        histor.

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        1; 3

        Ab-
        schluss-

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        1; 4

        Verw.-
        kosten
        1; 5
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        Leistungs-
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        1; 7
        HanseMerkur 3,6 %4,0 %4,8 %3,0 %79,4 %0,0 %
        DEVK Allgemeine 3,5 %4,6 %5,3 %2,0 %90,2 %-3,1 %
        Universa 3,6 %4,0 %4,8 %4,7 %92,6 %-6,8 %
        DEVK V.a.G. 3,6 %4,8 %5,4 %2,7 %86,4 %-11,8 %
        Swiss Life3,5 %4,6 %5,2 %2,4 %80,7 %-13,3 %
        Neue Bayerische 3,4 %4,2 %4,8 %3,1 %89,5 %-18,7 %
        Asstel3,4 %4,0 %5,3 %2,1 %85,5 %-20,6 %
        Generali3,4 %3,6 %4,9 %2,9 %87,3 %-21,2 %
        PB Lebensversicherung (PBV + PB)3,9 %4,7 %5,3 %5,5 %73,8 %-25,9 %
        Familienfürsorge 3,5 %4,0 %5,5 %2,8 %82,6 %-27,7 %
        Helvetia3,5 %4,0 %5,5 %2,8 %83,2 %-29,7 %
        Continentale Leben 3,6 %4,8 %6,0 %2,5 %91,2 %-29,8 %
        Rheinland 3,5 %4,3 %4,5 %5,2 %79,8 %-29,8 %
        AachenMünchener 3,4 %4,0 %5,1 % 2,7 %80,0 %-31,4 %
        Deutsche Ärzteversicherung3,6 %4,1 %5,5 %3,5 %85,0 %-32,6 %
        WWK Leben 3,5 %4,6 %5,5 %3,2 %92,0 %-32,8 %

        Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

        3,6 %

        4,3 %

        5,2 %

        2,6 %

        86,7 %

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        1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

        Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

        Im Rating von Finsinger und Softfair haben die Kapitalpolster der Lebensversicherer, zu denen auch stille Reserven zählen, besonderes Gewicht. Beim Testsieger LVM machen sie über neun Prozent der Anlagen aus. So kann die LVM das Geld ihrer Kunden etwas riskanter anlegen, ohne deren Ansprüche zu gefährden. Für die kommenden Jahre prognostiziert Finsinger für die LVM einen realistischen Zins auf die Kapitalanlagen von respektablen 3,7 Prozent.

        Ähnlich wichtig für das, was Versicherten am Ende der Vertragslaufzeit bleibt, sind Kosten, die Versicherer ihnen berechnen. Schließlich bringt es den Kunden wenig, wenn ihr Versicherer zwar einen höheren Zins als die Konkurrenz erwirtschaftet, dafür aber deutlich höhere Kosten abzwackt. Die Unterschiede sind groß: Kunden der LVM, die am wenigsten für Vertreterprovisionen abzweigt, zahlen 40 Prozent weniger Abschlusskosten als der Branchendurchschnitt. Kunden der Europa, die durch die niedrigsten Verwaltungskosten glänzt, zahlen für Verwaltung sogar 69 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Lebensversicherungskunde.

        Senken Versicherer Kosten, werden sie für Kunden schnell attraktiver: Universa, Öffentliche Leben Sachsen-Anhalt und Alte Leipziger etwa haben sich im Ranking im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie Kunden weniger für Vertragsabschluss und Verwaltung berechnen. Über einen Zeitraum von drei Jahren betrachtet, zieht die Alte Leipziger statt 2,8 Prozent der Beiträge nur noch 2,4 Prozent für die Verwaltung ein. Asstel, SV Sachsen und Inter hingegen sind aus Kundensicht jetzt weniger leistungsfähig – vor allem wegen höherer Kosten. Asstel verlangt von Neukunden allein für den Abschluss 5,3 Prozent der Beiträge – vor einem Jahr lag die Quote noch bei 4,3. Für einen Direktversicherer, der seine Policen kostengünstig über Internet und Telefon verkauft, sind beides schlechte Werte.

        Immobilien sind begehrt

        Wo die Immobilienpreise am höchsten sind
        Platz 11: DortmundDie Ruhr-Metropole zählt zu den vergleichsweise günstigen Großstädten. In den vergangenen zwölf Monaten waren die Preise dort sogar rückläufig. Kaufpreis pro Quadratmeter: 1.330 Euro Preisveränderung: - 0,7 Prozent* *Preisentwicklung der vergangenen zwölf Monate. Quelle: dpa
        Platz 10: EssenKaufpreis pro Quadratmeter: 1.420 Euro Preisveränderung: - 0,7 Prozent Quelle: dpa
        Platz 9: LeipzigKaufpreis pro Quadratmeter: 1.460 Euro Preisveränderung: + 3,5 Prozent Quelle: dpa
        Platz 8: DresdenKaufpreis pro Quadratmeter: 1.780 Euro Preisveränderung: + 9,2 Prozent Quelle: ap
        Platz 7: KölnKaufpreis pro Quadratmeter: 2.240 Euro Preisveränderung: + 5,2 Prozent Quelle: dpa
        Platz 6: BerlinKaufpreis pro Quadratmeter: 2.430 Euro Preisveränderung: + 11,5 Prozent Quelle: dpa
        Platz 5: StuttgartKaufpreis pro Quadratmeter: 2.640 Euro Preisveränderung: + 10,5 Prozent Quelle: dpa

        Aktuell hat der Versicherer R+V Kapital rund fünf Prozent seines Portfolios in Betongold investiert – auf bis zu acht Prozent will Königstein die Quote hochfahren. Das geht langsamer als erträumt. Dem "Trendbarometer Immobilienanlagen" der Beratung Ernst & Young zufolge wollen 60 Prozent der Versicherer ihre Immobilienquote erhöhen. Einkaufscenter und Ladenzeilen wie die von R+V sind mit Abstand am begehrtesten. Auch Königstein muss lange suchen: "Eine Zeit lang haben wir kaum geeignete Objekte gefunden, es waren zu viele Investoren unterwegs."

        Dennoch: Rund 300 Millionen Euro wird R+V 2012 neu in Immobilien investiert haben. Ins Visier hat Königstein vor allem Büros in Metropolen oder Wohnungen in Großstädten wie Stuttgart genommen. Er kalkuliert mit über fünf Prozent Rendite. Doch für Investitionen in Immobilien werden Lebensversicherer in Zukunft mehr Kapital brauchen, nach aktuellen Plänen wären 25 Prozent Eigenmittel nötig.

        Kunden kapitalstarker Anbieter profitieren nicht erst in Zukunft von mehr finanziellem Spielraum und den dadurch erhofften höheren Renditen. Teilweise profitieren sie schon jetzt. So müssen Lebensversicherer ihre Kunden an den mit ihren Beiträgen aufgebauten stillen Reserven beteiligen – wenn auch nur zu 50 Prozent.

        Die Lebensversicherer mit ****-Rating

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          * = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

          (sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

          Vier-Sterne-
          Lebensversicherer

          Zins-

          prog.
          1; 2

          histor.

          Zins
          1; 3

          Ab-
          schluss-

          kosten
          1; 4

          Verw.-
          kosten
          1; 5
          Aus-
          schüttung
          1; 6
          Leistungs-
          fähigkeit
          für den Kunden
          1; 7
          Volkswohl-Bund 3,6 %4,7 %4,9 %2,0 %91,0 %+32,1 %
          Itzehoer 3,6 %4,1 %4,7 %1,1 %71,0 %+24,9 %
          Öffentl. Braunschweig 3,6 %4,7 %4,7 %2,3 %80,1 %+22,1 %
          InterRisk3,5 %4,4 %3,3 %5,6 %83,1 %+18,6 %
          Nürnberger Beamten 3,4 %3,2 %4,3 %2,2 %81,7 %+18,3 %
          Öffentl. Berlin Brandb.3,5 %4,1 %4,9 %2,3 %91,5 %+18,0 %
          Hamburger Leben3,2 %3,2 %3,4 %3,3 %78,7 %+14,6 %
          Stuttgarter 3,9 %4,5 %6,0 %2,4 %91,5 %+13,3 %
          LV von 1871 3,6 %4,2 %5,0 %2,5 %90,8 %+13,2 %
          Inter 3,3 %3,4 %3,5 %4,0 %80,7 %+12,6 %
          Provinzial Rheinland 3,4 %4,0 %4,8 %1,8 %85,8 %+12,6 %
          Provinzial Hannover  3,6 %4,3 %5,5 %1,8 %94,1 %+12,2 %
          Saarland 3,6 %4,4 %5,1 %2,1 %85,9 %+11,4 %
          SV Versicherung3,6 %4,2 %5,2 % 2,4 %85,9 %+9,4 %
          Victoria 3,6 %3,9 %4,8 %3,3 %80,7 %+3,8 %
          Provinzial Nord-West3,6 %4,0 %5,3 %2,2 %89,5 %+1,5 %
          Basler3,7 %4,8 %5,0 %4,1 %86,8 %+1,3 %

          Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

          3,6 %

          4,3 %

          5,2 %

          2,6 %

          86,7 %

          -

          1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

          Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

          Angesichts der niedrigen Zinsen wehren sich die Versicherer allerdings dagegen. Ihr Argument: Da sie die Anleihen bis zum Laufzeitende halten – sie brauchen die hohen Zinszahlungen –, wäre es nicht sinnvoll, zu verkaufen und die stillen Reserven in echtes Geld umzumünzen. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab. "Die Lebensversicherer dürfen wohl künftig einen Teil der stillen Reserven als temporär einstufen", sagt Versicherungsanalyst Kalb. Für alle Kunden, die kurz vor der Auszahlung ihrer Police stehen, wäre das bitter: Sie würden an den Reserven dann nicht mehr beteiligt. Kunden mit lang laufenden Verträgen würden hingegen profitieren, da den Versicherern mehr Reserven und damit mehr Anlagespielraum bliebe.

          An anderer Stelle schränken die niedrigen Zinsen diesen Spielraum ohnehin ein: Seit 2011 müssen Lebensversicherer Rückstellungen bilden, wenn der Zins sicherer Anleihen im zehnjährigen Durchschnitt unter den Garantiezins einzelner Verträge fällt. 2011 war dieser Vergleichszins auf 3,9 Prozent gefallen, für alle Verträge mit garantierten vier Prozent Zins waren Rückstellungen fällig. Seitdem ist er weiter gesunken. Ende 2012 müssen Versicherer dafür "insgesamt etwa fünf Milliarden Euro zurückstellen", schätzt Kalb von Fitch.

          Woher soll das Geld derzeit kommen? Viele Lebensversicherer müssen Reserven anzapfen. Oft nutzen sie einen Bilanzpuffer, mit dem sie in ertragsschwachen Jahren die an die Kunden ausgezahlten Überschüsse aufbessern können. Ende 2011 machte dieser Puffer noch 3,4 Prozent aller für die Kundenansprüche gebundenen Rückstellungen aus – 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

          Luxus ist nicht die bevorzugte Anlageklasse

          Was Versicherer von ihren Kunden denken
          Frühnebel, Dunkelheit und Frost - nicht nur für Autofahrer werden die kommenden Monate gefährlich. Für die Versicherer heißt es sogar auf Jahre hinaus: "Augen auf" und "Licht an"! Damit sie die Kunden und ihre Bedürfnisse besser erkennen! Sonst sieht es bald ganz düster aus. Quelle: dpa
          Versicherer verlieren Kunden aus den AugenKein gutes Umfeld für Versicherungsgeschäfte sehen die Berater: Die Beitragseinnahmen der Versicherungsgesellschaften stagnierten oder gingen sogar zurück. Der Wettbewerbsdruck in allen Sparten steige. Und die Regulierungsdichte wachse: Deutschlands Versicherer bewegten sich aktuell in einem schwierigen Marktumfeld und müssten - auch mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung der Branche - einen weitreichenden Umbau ihrer Geschäftsmodelle bewältigen. "Angesichts dieser Herausforderungen laufen viele Anbieter Gefahr, ihr wichtigstes Kapital aus den Augen zu verlieren: ihre Kunden", stellen die Berater fest. In der Folge steige die Unzufriedenheit und Wechselbereitschaft bei den Kunden, wie die aktuelle Bain-Befragung von mehr als 2.500 Kunden aller großen deutschen Versicherer belege. Quelle: Handelsblatt Online
          Wie die Berater zufriedene Kunden erkennenBain & Company misst die Kundenzufriedenheit seit mehr als zehn Jahren mit dem Net Promoter® Score (NPS). Diese Kennzahl ergibt sich aus den Antworten auf eine einzige Frage: „Auf einer Skala von null bis zehn, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie diese Versicherung einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?“ Die Antworten werden drei Kategorien zugeordnet. Dabei habe sich gezeigt, dass nur Werte von neun oder zehn für wirklich begeisterte Kunden stehen („Promotoren“), sieben und acht eher „passiv Zufriedene“ sind und Bewertungen von sechs oder weniger als „Kritiker“ eingestuft werden müssen. Minuswerte bedeuten, dass es weit mehr Kritiker als Anhänger gibt. Ein hoher NPS-Wert, insbesondere im Vergleich zum Wettbewerb, besitzt eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Quelle: Handelsblatt Online
          Versicherte auf dem SprungDeutschlands Versicherern droht eine Abstimmung mit den Füßen, glauben die Bain-Berater aufgrund ihrer Befragungsmethode. 70 Prozent der Kritiker seien wechselwillig, und auch bei den neutral Eingestellten könne sich jeder Dritte einen Wechsel seiner bisherigen Versicherung vorstellen. Zwar befänden sich damit Millionen Versicherte der Bain-Umfrage zufolge auf dem Sprung. Doch noch hätten die Versicherer Zeit zu reagieren. Denn bislang suche nur eine Minderheit der Wechselwilligen aktiv nach alternativen Angeboten; die Mehrzahl würde erst handeln, wenn ein solches vorläge. Quelle: Handelsblatt Online
          Aktiengesellschaften sind schlecht angesehenDie Unzufriedenheit der Kunden betrifft Vertreter aller Unternehmensgruppen. Allerdings differenzieren die Bundesbürger zwischen den einzelnen Anbietern und treffen keine Pauschalurteile. Bei einer Betrachtung der durchschnittlichen NPS-Werte für die großen Aktiengesellschaften, Versicherungsvereine, öffentliche Versicherer und Direktversicherer komme es daher zu erheblichen Unterschieden, so die Berater. "Das Nachsehen haben die großen Aktiengesellschaften." Dazu zählen die Branchengrößen Allianz, Munich Re mit der Ergo sowie Talanx. Quelle: Handelsblatt Online
          Loyalität fördert EmpfehlungsbereitschaftBesonders loyale Kunden bleiben ihrem Anbieter länger treu als Kritiker oder neutral Eingestellte: Im Durchschnitt liegt die Vertragslaufzeit mit 9,4 Jahren rund eineinhalb Jahre bzw. 22 Prozent höher als bei anderen Kunden. Solche Kunden agieren zudem freiwillig als Markenbotschafter. Sie empfehlen ihre Versicherung im Durchschnitt 1,7-mal pro Jahr einem Freund oder Kollegen. Alle anderen können sich nicht durchringen, jemandem auch nur einmal pro Jahr zu einem Wechsel zu ihrem Anbieter zu raten. Besonders ausgeprägt ist die Empfehlungsbereitschaft bei den oftmals stark in einer Region verwurzelten öffentlichen Versicherern: Hier raten besonders loyale Kunden durchschnittlich sogar mehr als 2,1-mal pro Jahr einem Wechselwilligen zu. Generell steigt die Bereitschaft zur Weiterempfehlung, wenn Kunden mehrere Produkte eines Anbieters nutzen. Quelle: Handelsblatt Online
          Begeisterung steigert den AbsatzBegeisterte Kunden bringen fast doppelt so hohe Prämieneinnahmen, stellen die Berater fest. Der Wert einer Empfehlung lasse sich nur schwer beziffern. Anders sehe dies beim Erwerb einer größeren Zahl von Produkten und längeren Vertragslaufzeiten aus. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass die kumulierten Prämieneinnahmen eines loyalen Kunden mehr als doppelt so hoch liegen wie die eines Kritikers. Schon wenn es gelinge, einen Kritiker zu einem neutral eingestellten Kunden zu machen, steige die kumulierte Prämie um 42 Prozent. Quelle: Handelsblatt Online

          Mit viel Luxus jedoch möchte einer der Investoren des Hotels Vila Vita Rosenpark, die AachenMünchener Lebensversicherung, allerdings nicht in der Öffentlichkeit stehen. Das Thema sei nicht attraktiv für die Presse, teilt ein Sprecher des Konzerns mit. Luxushotels zählten "nicht zu einer bevorzugten Anlageklasse". Vielmehr sei der 25-Prozent-Anteil an der Hotel und Seniorenresidenz Rosenpark GmbH strategisch, da die Vertriebstruppe der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) das zugehörige Hotel als Rückzugsort bei Tagungen nutze. Der umstrittene Strukturvertrieb ist mit der AachenMünchener liiert, die DVAG-Berater verkaufen exklusiv deren Lebensversicherungen. In der Kasse der GmbH hinterlassen sie aber offenbar wenig Geld: 2011 blieben als Jahresüberschuss müde 200 Euro übrig, im Vorjahr entstand ein hoher Verlust.

          Die leistungsstärksten Lebensversicherer mit *****-Rating

          * = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

          (sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

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            1; 2

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            Leistungs-
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            für den Kunden
            1; 7
            LVM 3,7 %4,4 %3,1 %2,0 %91,6 %+145,3 %
            Huk-Coburg 3,6 %4,3 %3,1 %1,6 %93,3 %+130,2 %
            Debeka 3,6 %5,0 %3,3 %1,3 %87,9 %+120,6 %
            Hannoversche 3,6 %4,2 %3,5 %1,3 %93,3 %+115,5 %
            Europa 3,6 %4,7 %3,8 %0,8 %91,2 %+110,7 %
            Allianz 3,8 %4,7 %4,0 %1,1 %83,0 %+108,3 %
            WGV 3,6 %4,6 %3,6 %1,6 %87,7 %+100,5 %
            Mecklenburgische 3,9 %4,0 %4,3 %2,7 %89,2 %+99,7 %
            Süddeutsche 3,6 %4,6 %3,2 %2,3 %83,3 %+94,0 %
            R+V AG3,7 %4,7 %4,1 %1,7 %87,1 %+90,2 %
            Cosmos Direkt3,2 %4,1 %3,2 %1,0 %91,4 %+83,3 %
            Öff. LV-Anstalt Oldenburg3,6 %4,3 %4,1 %1,8 %96,2 %+80,4 %
            Concordia 3,7 %4,1 %3,8 %2,8 %86,9 %+79,2 %
            Oeco Capital3,5 %4,4 %3,6 %3,1 %92,6 %+71,7 %
            Neckermann4,2 %4,6 %5,0 %1,9 %71,3 %+70,4 %
            Neue Leben3,6 %4,5 %4,4 %1,1 %85,2 %+62,8 %
            Bayern-Versicherung3,7 %4,4 %4,6 %1,7 %83,4 %+50,3 %
            Ergo Direkt3,5 %4,4 %4,0 %2,1 %78,4 %+41,5 %
            Öff. Leben Sachsen-Anh. 3,6 %4,4 %4,9 %1,5 %85,8 %+41,3 %
            Alte Leipziger 3,8 %4,9 %4,9 %2,4 %83,6 %+40,8 %

            Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

            3,6 %

            4,3 %

            5,2 %

            2,6 %

            86,7 %

            -

            1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

            Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

            Andere Lebensversicherer halten Hotels aber sehr wohl, um Geld zu verdienen. So ist die Ideal Lebensversicherung seit 2007 Mehrheitseigentümerin des Ellington-Hotels in der Berliner City-West. "Steigende Touristenzahlen" nennt der Vorstandsvorsitzende Rainer Jacobus als Grund für den Einstieg. Die Rendite liege "deutlich über der Pfandbriefrendite von zwei Prozent".

            Darf's etwas weniger sein? Weil die Kapitalanlagen der Versicherer nicht genug Rendite bringen, bekommen Kunden immer weniger Geld (in Prozent). (zur Vergrößerung bitte anklicken)

            Das klingt immer noch bescheiden, spiegelt aber die harte Realität wider, auf die sich Lebensversicherte einstellen müssen. Wer heute mit 30 Jahren eine Rentenversicherung abschließt, 25 Jahre lang einzahlt und sich dann die angesparte Summe auszahlen lässt, kommt nach einer Prognose des Analyseinstituts Assekurata im Durchschnitt nur noch auf 0,9 Prozent garantierte Rendite auf den Beitrag – viel weniger als die aktuelle Inflationsrate von zwei Prozent. Erst wenn nicht garantierte Überschüsse aus der Vergangenheit fortgeschrieben werden, was angesichts des jahrelangen Rückgangs optimistisch ist, haben Versicherte im Schnitt 3,7 Prozent Beitragsrendite in Aussicht.

            Wohneigentum zu finanzieren ist für Lebensversicherer attraktiv: Mit Immobilien besicherte Kredite sind wenig riskant. Die Kunden sind unabhängig voneinander – bedient einer seinen Kredit nicht mehr, kann der Nachbar durchaus noch zahlen. Versicherer bekommen das Gros der Kredite so mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück. Zudem laufen Kredite bis zu 30 Jahre, und Versicherer brauchen lange Laufzeiten, weil auch die Policen ihrer Kunden lange laufen. Die Debeka hat 2,5 Milliarden Euro an Häuslebauer verliehen – stolze 7,2 Prozent ihrer Kapitalanlagen. "Im Bereich der sicheren Anlagen bekommen wir für Baufinanzierungen immer noch vergleichsweise hohe Zinsen", sagt Debeka-Finanzvorstand Rolf Florian, der Kunden derzeit einen 30-jährigen Immobilienkredit zu 3,5 Prozent Nominalzins anbietet.

            Vorsorge



            Für einige Kunden, unter ihnen auch die Familie Kanontzidis, kommt ein positiver Effekt hinzu: Da sie bei der Debeka Leben selbst versichert ist, landet ein kleiner Teil ihrer gezahlten Kreditzinsen am Ende wieder bei ihnen – als Überschuss ihrer Lebensversicherung. Und die relativ günstige Baufinanzierung tröstet ein Stück weit über die schmaler werdende Rendite der Leben-Police hinweg. Niedrige Zinsen können also auch ihr Gutes haben.

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