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Private Vorsorge Die besten Lebensversicherer

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Luxus ist nicht die bevorzugte Anlageklasse

Was Versicherer von ihren Kunden denken
Frühnebel, Dunkelheit und Frost - nicht nur für Autofahrer werden die kommenden Monate gefährlich. Für die Versicherer heißt es sogar auf Jahre hinaus: "Augen auf" und "Licht an"! Damit sie die Kunden und ihre Bedürfnisse besser erkennen! Sonst sieht es bald ganz düster aus. Quelle: dpa
Versicherer verlieren Kunden aus den AugenKein gutes Umfeld für Versicherungsgeschäfte sehen die Berater: Die Beitragseinnahmen der Versicherungsgesellschaften stagnierten oder gingen sogar zurück. Der Wettbewerbsdruck in allen Sparten steige. Und die Regulierungsdichte wachse: Deutschlands Versicherer bewegten sich aktuell in einem schwierigen Marktumfeld und müssten - auch mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung der Branche - einen weitreichenden Umbau ihrer Geschäftsmodelle bewältigen. "Angesichts dieser Herausforderungen laufen viele Anbieter Gefahr, ihr wichtigstes Kapital aus den Augen zu verlieren: ihre Kunden", stellen die Berater fest. In der Folge steige die Unzufriedenheit und Wechselbereitschaft bei den Kunden, wie die aktuelle Bain-Befragung von mehr als 2.500 Kunden aller großen deutschen Versicherer belege. Quelle: Handelsblatt Online
Wie die Berater zufriedene Kunden erkennenBain & Company misst die Kundenzufriedenheit seit mehr als zehn Jahren mit dem Net Promoter® Score (NPS). Diese Kennzahl ergibt sich aus den Antworten auf eine einzige Frage: „Auf einer Skala von null bis zehn, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie diese Versicherung einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?“ Die Antworten werden drei Kategorien zugeordnet. Dabei habe sich gezeigt, dass nur Werte von neun oder zehn für wirklich begeisterte Kunden stehen („Promotoren“), sieben und acht eher „passiv Zufriedene“ sind und Bewertungen von sechs oder weniger als „Kritiker“ eingestuft werden müssen. Minuswerte bedeuten, dass es weit mehr Kritiker als Anhänger gibt. Ein hoher NPS-Wert, insbesondere im Vergleich zum Wettbewerb, besitzt eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Quelle: Handelsblatt Online
Versicherte auf dem SprungDeutschlands Versicherern droht eine Abstimmung mit den Füßen, glauben die Bain-Berater aufgrund ihrer Befragungsmethode. 70 Prozent der Kritiker seien wechselwillig, und auch bei den neutral Eingestellten könne sich jeder Dritte einen Wechsel seiner bisherigen Versicherung vorstellen. Zwar befänden sich damit Millionen Versicherte der Bain-Umfrage zufolge auf dem Sprung. Doch noch hätten die Versicherer Zeit zu reagieren. Denn bislang suche nur eine Minderheit der Wechselwilligen aktiv nach alternativen Angeboten; die Mehrzahl würde erst handeln, wenn ein solches vorläge. Quelle: Handelsblatt Online
Aktiengesellschaften sind schlecht angesehenDie Unzufriedenheit der Kunden betrifft Vertreter aller Unternehmensgruppen. Allerdings differenzieren die Bundesbürger zwischen den einzelnen Anbietern und treffen keine Pauschalurteile. Bei einer Betrachtung der durchschnittlichen NPS-Werte für die großen Aktiengesellschaften, Versicherungsvereine, öffentliche Versicherer und Direktversicherer komme es daher zu erheblichen Unterschieden, so die Berater. "Das Nachsehen haben die großen Aktiengesellschaften." Dazu zählen die Branchengrößen Allianz, Munich Re mit der Ergo sowie Talanx. Quelle: Handelsblatt Online
Loyalität fördert EmpfehlungsbereitschaftBesonders loyale Kunden bleiben ihrem Anbieter länger treu als Kritiker oder neutral Eingestellte: Im Durchschnitt liegt die Vertragslaufzeit mit 9,4 Jahren rund eineinhalb Jahre bzw. 22 Prozent höher als bei anderen Kunden. Solche Kunden agieren zudem freiwillig als Markenbotschafter. Sie empfehlen ihre Versicherung im Durchschnitt 1,7-mal pro Jahr einem Freund oder Kollegen. Alle anderen können sich nicht durchringen, jemandem auch nur einmal pro Jahr zu einem Wechsel zu ihrem Anbieter zu raten. Besonders ausgeprägt ist die Empfehlungsbereitschaft bei den oftmals stark in einer Region verwurzelten öffentlichen Versicherern: Hier raten besonders loyale Kunden durchschnittlich sogar mehr als 2,1-mal pro Jahr einem Wechselwilligen zu. Generell steigt die Bereitschaft zur Weiterempfehlung, wenn Kunden mehrere Produkte eines Anbieters nutzen. Quelle: Handelsblatt Online
Begeisterung steigert den AbsatzBegeisterte Kunden bringen fast doppelt so hohe Prämieneinnahmen, stellen die Berater fest. Der Wert einer Empfehlung lasse sich nur schwer beziffern. Anders sehe dies beim Erwerb einer größeren Zahl von Produkten und längeren Vertragslaufzeiten aus. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass die kumulierten Prämieneinnahmen eines loyalen Kunden mehr als doppelt so hoch liegen wie die eines Kritikers. Schon wenn es gelinge, einen Kritiker zu einem neutral eingestellten Kunden zu machen, steige die kumulierte Prämie um 42 Prozent. Quelle: Handelsblatt Online

Mit viel Luxus jedoch möchte einer der Investoren des Hotels Vila Vita Rosenpark, die AachenMünchener Lebensversicherung, allerdings nicht in der Öffentlichkeit stehen. Das Thema sei nicht attraktiv für die Presse, teilt ein Sprecher des Konzerns mit. Luxushotels zählten "nicht zu einer bevorzugten Anlageklasse". Vielmehr sei der 25-Prozent-Anteil an der Hotel und Seniorenresidenz Rosenpark GmbH strategisch, da die Vertriebstruppe der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) das zugehörige Hotel als Rückzugsort bei Tagungen nutze. Der umstrittene Strukturvertrieb ist mit der AachenMünchener liiert, die DVAG-Berater verkaufen exklusiv deren Lebensversicherungen. In der Kasse der GmbH hinterlassen sie aber offenbar wenig Geld: 2011 blieben als Jahresüberschuss müde 200 Euro übrig, im Vorjahr entstand ein hoher Verlust.

Die leistungsstärksten Lebensversicherer mit *****-Rating

* = stark unterdurchschnittlich; ***** = stark überdurchschnittlich

(sortiert nach Leistungsfähigkeit in absteigender Reihenfolge)

Fünf-Sterne-
Lebensversicherer

Zins-

prog.
1; 2

histor.

Zins
1; 3

Ab-
schluss-

kosten
1; 4

Verw.-
kosten
1; 5
Aus-
schüttung
1; 6
Leistungs-
fähigkeit
für den Kunden
1; 7
LVM 3,7 %4,4 %3,1 %2,0 %91,6 %+145,3 %
Huk-Coburg 3,6 %4,3 %3,1 %1,6 %93,3 %+130,2 %
Debeka 3,6 %5,0 %3,3 %1,3 %87,9 %+120,6 %
Hannoversche 3,6 %4,2 %3,5 %1,3 %93,3 %+115,5 %
Europa 3,6 %4,7 %3,8 %0,8 %91,2 %+110,7 %
Allianz 3,8 %4,7 %4,0 %1,1 %83,0 %+108,3 %
WGV 3,6 %4,6 %3,6 %1,6 %87,7 %+100,5 %
Mecklenburgische 3,9 %4,0 %4,3 %2,7 %89,2 %+99,7 %
Süddeutsche 3,6 %4,6 %3,2 %2,3 %83,3 %+94,0 %
R+V AG3,7 %4,7 %4,1 %1,7 %87,1 %+90,2 %
Cosmos Direkt3,2 %4,1 %3,2 %1,0 %91,4 %+83,3 %
Öff. LV-Anstalt Oldenburg3,6 %4,3 %4,1 %1,8 %96,2 %+80,4 %
Concordia 3,7 %4,1 %3,8 %2,8 %86,9 %+79,2 %
Oeco Capital3,5 %4,4 %3,6 %3,1 %92,6 %+71,7 %
Neckermann4,2 %4,6 %5,0 %1,9 %71,3 %+70,4 %
Neue Leben3,6 %4,5 %4,4 %1,1 %85,2 %+62,8 %
Bayern-Versicherung3,7 %4,4 %4,6 %1,7 %83,4 %+50,3 %
Ergo Direkt3,5 %4,4 %4,0 %2,1 %78,4 %+41,5 %
Öff. Leben Sachsen-Anh. 3,6 %4,4 %4,9 %1,5 %85,8 %+41,3 %
Alte Leipziger 3,8 %4,9 %4,9 %2,4 %83,6 %+40,8 %

Vergleichsmaßstab (Benchmark)8

3,6 %

4,3 %

5,2 %

2,6 %

86,7 %

-

1 in Prozent, gerundet; 2 prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell; 3 bisherige historische Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip zu aktuellen Zeitwerten; dient nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein; Mittelwert 2005 bis 2011; 4 Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neu abgeschlossenen Verträge, Mittelwert 2009 bis 2011; 5 jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2009 bis 2011; 6 Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an die Kunden ausschüttet, Mittelwert 2005 bis 2011; 7 Leistungsfähigkeit nach dem Finsinger-Modell im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; 8 Durchschnittswert der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Lebensversicherern;

Quelle: Softfair, Professor Jörg Finsinger; Hinweise zur Methodik finden Sie hier.

Andere Lebensversicherer halten Hotels aber sehr wohl, um Geld zu verdienen. So ist die Ideal Lebensversicherung seit 2007 Mehrheitseigentümerin des Ellington-Hotels in der Berliner City-West. "Steigende Touristenzahlen" nennt der Vorstandsvorsitzende Rainer Jacobus als Grund für den Einstieg. Die Rendite liege "deutlich über der Pfandbriefrendite von zwei Prozent".

Darf's etwas weniger sein? Weil die Kapitalanlagen der Versicherer nicht genug Rendite bringen, bekommen Kunden immer weniger Geld (in Prozent). (zur Vergrößerung bitte anklicken)

Das klingt immer noch bescheiden, spiegelt aber die harte Realität wider, auf die sich Lebensversicherte einstellen müssen. Wer heute mit 30 Jahren eine Rentenversicherung abschließt, 25 Jahre lang einzahlt und sich dann die angesparte Summe auszahlen lässt, kommt nach einer Prognose des Analyseinstituts Assekurata im Durchschnitt nur noch auf 0,9 Prozent garantierte Rendite auf den Beitrag – viel weniger als die aktuelle Inflationsrate von zwei Prozent. Erst wenn nicht garantierte Überschüsse aus der Vergangenheit fortgeschrieben werden, was angesichts des jahrelangen Rückgangs optimistisch ist, haben Versicherte im Schnitt 3,7 Prozent Beitragsrendite in Aussicht.

Wohneigentum zu finanzieren ist für Lebensversicherer attraktiv: Mit Immobilien besicherte Kredite sind wenig riskant. Die Kunden sind unabhängig voneinander – bedient einer seinen Kredit nicht mehr, kann der Nachbar durchaus noch zahlen. Versicherer bekommen das Gros der Kredite so mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück. Zudem laufen Kredite bis zu 30 Jahre, und Versicherer brauchen lange Laufzeiten, weil auch die Policen ihrer Kunden lange laufen. Die Debeka hat 2,5 Milliarden Euro an Häuslebauer verliehen – stolze 7,2 Prozent ihrer Kapitalanlagen. "Im Bereich der sicheren Anlagen bekommen wir für Baufinanzierungen immer noch vergleichsweise hohe Zinsen", sagt Debeka-Finanzvorstand Rolf Florian, der Kunden derzeit einen 30-jährigen Immobilienkredit zu 3,5 Prozent Nominalzins anbietet.

Vorsorge



Für einige Kunden, unter ihnen auch die Familie Kanontzidis, kommt ein positiver Effekt hinzu: Da sie bei der Debeka Leben selbst versichert ist, landet ein kleiner Teil ihrer gezahlten Kreditzinsen am Ende wieder bei ihnen – als Überschuss ihrer Lebensversicherung. Und die relativ günstige Baufinanzierung tröstet ein Stück weit über die schmaler werdende Rendite der Leben-Police hinweg. Niedrige Zinsen können also auch ihr Gutes haben.

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