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Private Vorsorge Schlecht versorgt mit Riester-Rente

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Grafik: Versicherung bevorzugt Quelle: BMAS

Während die Riester-Beiträge von der Steuer befreit sind und in der Ansparphase auch keine Abgeltungsteuer anfällt, müssen die späteren Renten voll versteuert werden. Anders als bei anderen Geldanlagen kassiert das Finanzamt in der Auszahlungsphase also nicht nur auf Zinserträge Steuern, sondern auf die komplette Rente.

Besonders risikoscheue Anleger sollten sich, wenn überhaupt, für eine Riester-Rentenversicherung oder einen Riester-Banksparplan entscheiden. Diese garantieren ihnen zu Rentenbeginn nicht nur den Kapitalerhalt, sondern auch eine kleine Rendite. Die Rentenversicherer verzinsen die jährlichen Beiträge mit wenigstens 2,25 Prozent pro Jahr. Dieser Garantiezins sinkt 2012 für neu abgeschlossene Verträge auf 1,75 Prozent.

Neben dem Garantiezins zahlen die Versicherer noch eine Überschussbeteiligung. Dieser Zinsbonus ist allerdings nicht garantiert, seine Höhe schwankt. Bevor die Versicherer ihren Kunden den Zins gutschreiben, ziehen sie außerdem all ihre Kosten ab, vor allem für den Vertragsabschluss, für Vertrieb und Verwaltung. Über die gesamte Vertragsdauer machen diese Kosten oft zehn Prozent der Beiträge aus. Da die Versicherer die Kosten meist während der ersten fünf Jahre der Vertragslaufzeit berechnen, bleibt zu Beginn von den Beiträgen nur ein kleiner Teil übrig und verzinst sich wirklich im Vertrag. Es braucht daher ein paar Jahre, ehe die Kosten mit Zins und Zinseszins ausgeglichen sind. Wer es sich nur wenige Jahre nach Abschluss anders überlegt und seine Rentenversicherung wieder kündigt, erleidet daher oft hohe Verluste. Trotz der meist üppigen Kosten haben sich 71 Prozent aller Riester-Kunden für eine Rentenversicherung entschieden. Pro Jahr zahlen sie insgesamt fünf Milliarden Euro in ihre Policen ein.

Voll versteuert

Der Berliner Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein geht davon aus, dass Versicherer mit hohen oder mittleren Kosten im kommenden Jahr nach Absenkung des Garantiezinses älteren Sparern keine Riester-Renten mehr anbieten werden: Der niedrigere Garantiezins von nur noch 1,75 Prozent pro Jahr führe dazu, „dass der Zinseszinseffekt bei kürzeren Ansparzeiten oft nicht mehr ausreicht, um die Kosten auszugleichen“. Die Versicherer müssten diese Kunden also ablehnen, da sie das Riester-Versprechen über den garantierten Kapitalerhalt zum Rentenbeginn nicht halten könnten.

Der Tarifvergleich des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung zeigt, welche Policen vergleichsweise renditestark, sicher, flexibel und transparent sind. Die angegebenen Renditen beziehen sich jeweils nur auf die Police. Sie zeigen also, wie hoch die Verzinsung nach Abzug der Kosten im Vertrag ist. Anders als bei den übrigen Musterrechnungen werden die persönlichen Steuervorteile und Steuerzahlungen sowie die staatlichen Zulagen nach den Riester-Regeln hier nicht berücksichtigt. Für die Renditeberechnung wurde die individuelle Lebenserwartung angesetzt, wie sie das Statistische Bundesamt mithilfe der Generationentafel ermittelt.

Deutlich günstiger als Rentenversicherungen sind Banksparpläne. Hier bekommt der Sparer neben der staatlichen Förderung jedes Jahr einen Zins gezahlt, der entweder vorab feststeht oder mit dem all‧gemeinen Zinsniveau steigt und fällt. Anders als bei den Versicherern verzinst sich tatsächlich fast der gesamte Sparbeitrag des Kunden. Da die Banksparpläne den Anbietern relativ wenig einbringen, bekommen Sparer sie nur bei Sparkassen und Volksbanken – teilweise auch nur in ländlichen Regionen. Einige dieser Banken bieten die Banksparpläne aber auch bundesweit an. Der weit verbreitete Riester-Sparplan der Sparkasse Günzburg-Krumbach wird mittlerweile nur noch regional angeboten, bundesweit erhältlich und empfehlenswert sind aber zum Beispiel die Riester-Banksparpläne „Vorsorge Plus“ der Sparkassen Holstein und Pfullendorf-Meßkirch.

Kostengünstige Sparpläne

Jüngere und etwas risikobereite Anleger können alternativ auf einen Fondssparplan ausweichen. Die Fondsgesellschaft Union Investment bietet über die Volks- und Raiffeisenbanken ihren Sparplan mit dem Namen UniProfiRente an, die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS hat gleich mehrere Fondssparpläne im Angebot.

Während Sparer bei der UniProfiRente die hohen Ausgabeaufschläge auf die Fonds von fünf Prozent nicht umgehen können – und damit von jedem Sparbeitrag erst einmal ein Zwanzigstel verlieren – lassen sich die etwas niedrigeren Ausgabeaufschläge der DWS-Fondssparpläne Top-Rente von 4,5 Prozent noch weiter drücken. Über den Internet-Ableger DWS Direkt zahlen Fondssparer beispielsweise nur die halben Ausgabeaufschläge. Wer über freie Fondsdiscounter wie AVL in seinen Fondssparplan investiert, bekommt sie komplett erstattet.

Damit zum Rentenbeginn Zulagen und Eigenbeiträge tatsächlich vorhanden sind, müssen die Fondsgesellschaften bei hohen Börsenverlusten irgendwann die Reißleine ziehen. Union Investment schichtet in besonders hektischen Börsenphasen zum Beispiel nach einem festen Schema je nach Alter des Sparers von Aktien in Anleihen um. Ist das vorhandene Vermögen erst einmal umgeschichtet worden, bleibt es bis zur Auszahlung in den neuen Anlagen. Das Geld steckt dann also in Anleihen, vor allem in deutschen Staatspapieren – relativ sicher, aber gering verzinst. Nur neue Sparbeiträge fließen noch in Aktien.

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