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Private Vorsorge Schlecht versorgt mit Riester-Rente

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Tabelle: Schneller ans Geld Quelle: Institut für Vorsorge und Finanzplanung

Prinzipiell gilt: Je höher die Lebenserwartung des Kunden in Renditeberechnungen angesetzt wird, desto höher fällt die errechnete Rendite aus. Oft gehen Berechnungen von den Sterbetafeln für Rentenversicherungen der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) aus. Diese Kalkulation nutzen die Versicherer auch bei der Kalkulation der Rente. Natürlich müssen sie dabei konservativ rechnen, um auch für überraschende medizinische Fortschritte und eine entsprechend längere Lebensdauer der Versicherten gewappnet zu sein. Aus Sicht der Riester-Sparer aber eignen sich die daraus abgeleiteten Lebenserwartungen kaum für eine Renditeberechnung – sie sollten bei ihrer Kalkulation ebenfalls konservativ vorgehen und eher von einer niedrigen als einer besonders hohen Lebenserwartung ausgehen.

Bei den sechs Musterfällen ist die WirtschaftsWoche diesem Glaubensstreit aus dem Weg gegangen: Durch die Angabe von drei verschiedenen Lebenserwartungen bekommen Sparer ein realistisches Bild von den Renditechancen je nach Sterbealter. So kommt ein 30-jähriger Sparer mit 40 000 Euro jährlichem Bruttoeinkommen bei Erreichen des 90. Lebensjahres auf 1,7 Prozent garantierte Nettorendite auf seine Eigenbeiträge. Mit 85 Jahren sind es 1,0 Prozent und mit 80 Jahren sogar nur läppische 0,1 Prozent. Wer früher stirbt, rutscht schnell ins Minus. Die Inflation ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Erst inklusive der nicht garantierten Überschüsse würde der Sparer höhere Renditen von 2,4 bis 3,9 Prozent erzielen. Die Berechnungen zeigen, dass sich eine Riester-Rentenversicherung trotz staatlicher Förderung nur bei überdurchschnittlich hoher Lebensdauer lohnt.

Höhere Renditechancen

Honorarberaterin Kühn hat daraus ihre Schlüsse gezogen: Sie rät Kunden von Riester-Rentenversicherungen meist ab. „Wer eine lebenslange Rente braucht, kann immer noch zu Rentenbeginn eine ungeförderte Rentenpolice gegen Einmalbeitrag abschließen“, sagt Kühn. Zu diesem Zeitpunkt könnten Sparer auch eher absehen, ob sie noch lange gesund bleiben.

Sparer, die mit einem geförderten Fondssparplan vorsorgen, haben immerhin etwas größere Renditechancen als mit einer Riester-Rentenversicherung. Im Gegenzug müssen sie etwas höhere Risiken tragen. Ein 40-jähriger Riester-Fondssparer mit 50.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen erreicht dort schon mit 85 Jahren 4,5 Prozent Zinsertrag nach Steuerabzug. Dabei werden sechs Prozent jährliche Rendite auf Fondsebene unterstellt. Anders als bei einer klassischen Rentenversicherung hat der Fondssparer aber außer dem garantierten Kapitalerhalt zu Rentenbeginn keine weiteren Zinsversprechen: Die garantierte Rendite fällt bei gleicher Lebensdauer daher etwa einen Prozentpunkt ‧niedriger aus als bei der Rentenversicherung.

Bei den Banksparplänen ist es genau umgekehrt: Die garantierten Renditen der Riester-Banksparpläne mit fixem Zins liegen in der Regel über denen der Rentenversicherungen. Dafür hat der Bankkunde aber auch keine Chance auf weitere Überschüsse.

Hintertür Frühauszahlung

Mit der Riester-Rente will der Staat die private Altersvorsorge stärken. Alle Anbieter müssen den Kunden deshalb die Zahlung einer lebenslangen Rente ermöglichen. Selbst wer als Kunde einen Bank- oder Fondssparplan abschließt, bekommt daher zum Beginn der Auszahlung auch eine Rentenversicherung. Wer dieser späteren Verrentung seines Riester-Vermögens entgehen will, dem bleibt nur eine Hintertür: das Geld vorzeitig auszahlen zu lassen.

Offiziell kommen Riester-Sparer zu Rentenbeginn an 30 Prozent ihres Guthabens, ohne darüber die staatliche Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen zu verlieren. Damit bekommen die Sparer zwar direkt Zugriff auf einen Teil ihres Guthabens, die Rentenzahlung können sie so aber nicht gänzlich meiden. Letzteres geht nur, wenn sie sich ihr komplettes Guthaben auszahlen lassen. Genau wie Riester-Sparer die ihren Vertrag während der Ansparphase kündigen, müssen sie dann jedoch die komplette bereits erhaltene staatliche Förderung zurückzahlen.

Abschreckend? Nein! Denn überraschenderweise ist die Auszahlung auf einen Schlag in vielen Fällen eine lohnende Alternative zur Verrentung. Denn obwohl die Riester-Aussteiger Zulagen und Steuervorteile erstatten müssen, bleiben ihnen alle erwirtschafteten Zinsen und Zinseszinsen erhalten. Je länger die Anspardauer ist, desto eher ist das eine beachtliche Summe. „Der Staat erweist sich hier als Schulmeister des Zinseszinseffekts“, sagt Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. Die Riester-Produkte würden dadurch „flexibler als angenommen“.

Der Beispielfall mit einer Rentenversicherung zeigt, dass die Auszahlung auf einen Schlag sich im Vergleich zur Verrentung rechnet. Der Mustersparer erzielt direkt mit dem 67. Lebensjahr 1,7 Prozent garantierte Rendite, seine prognostizierte Rendite liegt sogar bei 4,3 Prozent. Hätte der Riester-Sparer die Verrentung gewählt, müsste er weit über 90 Jahre alt werden, um auf ähnlich hohe Werte zu kommen.

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