Privatinsolvenzen Immer mehr Rentner rutschen in die Pleite

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Privatinsolvenzen bundesweit. Eine Altersgruppe schlittert jedoch immer öfter in die private Pleite: die über 61-Jährigen. Warum ist das so?

Ältere Menschen haben zunehmend mit Privatinsolvenzen zu kämpfen. Quelle: dpa

Eigentlich haben sich die Zahlen zu den Insolvenzverfahren in Deutschland in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Sowohl bei Firmen- als auch Privatinsolvenzen sanken die Fallzahlen auf breiter Front. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sanken die Unternehmensinsolvenzen 2014 um 8,9 Prozent auf 23.800, die privaten Pleiten nahmen um 4,9 Prozent ab. Insgesamt zählte Creditreform 2014 86.900 Verbraucher, die Insolvenz anmelden mussten. 2010 hatte dieser Wert mit knapp 110.000 einen Rekord markiert.

Die Gründe für den Rückgang der Privatpleiten waren bei Präsentation der Statistik im Dezember schnell ausgemacht: Höhere Tarifabschlüsse, geringere Arbeitslosigkeit und niedrige Inflation sorgen für den Rückgang. Allerdings gibt es eine Bevölkerungsgruppe, bei der die Entwicklung entgegengesetzt verläuft.

Wo die meisten Schuldner wohnen
BremenIn allen 16 Bundesländern ist die Überschuldung hoch, wie der SchuldnerAtlas 2014 offenlegt. Auch in diesem Jahr hat die creditreform die Überschuldung der Verbraucher in Deutschland analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend: In 14 Bundesländern haben sich gegenüber dem Vorjahr sogar noch mehr Verbraucher verschuldet. Zusätzlich sind 90.000 Personen betroffen. Auch 2014 bleibt Bremen das Bundesland mit der höchsten Schuldnerquote und damit Negativ-Spitzenreiter im SchuldnerAtlas 2014. Mit einer Schuldnerquote von 13,95 Prozent bildet Bremen somit das Schlusslicht des Rankings. Quelle: dpa
Luxus-Handtaschen auf einer Vitrine im Kaufhaus des Westens Quelle: dpa/dpaweb
Nordrhein-WestfalenDie Überschuldungssituation der Verbraucher in Deutschland hat sich 2014 sogar spürbar verschlechtert. Auf der Königsallee in Düsseldorf herrscht täglich Andrang. Nicht verwunderlich ist daher, dass in Nordrhein-Westfalen ein Plus von 26.000 Überschuldungsfällen zu verzeichnen ist. Von 2004 bis 2014 ist die Schuldnerquote um 0,79 Punkte angestiegen. Insbesondere im Ruhrgebiet befindet sich ein "Hotspot" sozialer Problemlagen und stellt daher das eigentliche "Sorgenkind" der Überschuldungsentwicklung dar. Nordrhein-Westfalen hat eine Schuldnerquote von 11,46 Prozent und macht Platz 13 aus. Schlechter schneidet Sachsen-Anhalt mit 12,57 Prozent ab. Schleswig-Holstein (11,01%) und das Saarland (11,31%) schaffen es auf Platz elf und zwölf. Quelle: dpa
Menschen laufen mit Einkaufstüten eine Straße entlang. Quelle: dpa
HessenIn Frankfurt befindet sich die umsatzstärkste Einkaufsstraße Deutschlands. Doch nicht jeder sollte hier auf großem Fuß leben. Die Landeshauptstadt von Hessen zeigt die extremste Verschlechterung der Schuldnerquote. In Wiesbaden nahm die Überschuldung im Langzeitvergleich um rund 8.000 Überschuldungsfälle zu. 2014 beträgt hier die Quote 16, 27 Prozent. Hessen rangiert mit 9,96 Prozent insgesamt auf Platz fünf des SchuldnerAtlas 2014. Nur ein wenig höher ist die Schuldnerquote in Rheinland-Pfalz (10,00%). Quelle: dpa
Ein Mann hält ein Mahnschreiben in der Hand Quelle: dpa
ThüringenIn diesem Jahr zeigt Thüringen die größten Rückgange der Schuldnerzahlen unter allen fünf ostdeutschen Ländern und rangiert damit auf Platz drei der Bundesländer im SchuldnerAtlas 2014. Die Schuldnerquote beträgt 9,07 Prozent. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Überschuldung in Ballungsräumen höher ist als in ländlichen Regionen. Soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut korrelieren meist stärker, wenn Städte und Großstädte den Menschen häufiger und intensiver Konsumangebote bieten. Quelle: dpa

Der Anbieter von Wirtschafts- und Bonitätsinformationen Bürgel, eine Tochter der Allianz Group und der Otto Group, hat sich die Privatinsolvenzen genauer angesehen. Das im Februar vorgestellte Schuldenbarometer 2014 kam zu dem Ergebnis, dass die Altersgruppe der über 61-Jährigen eine deutliche Zunahme zahlungsunfähiger Verbraucher aufweist. In dieser Bevölkerungsgruppe stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 13,9 Prozent auf 10.683 Fälle. Bereits 2013 war ihre Zahl um 8,4 Prozent gestiegen.

Mehr Bankrotte in Niedersachsen

Diese Ergebnisse hat Bürgel nochmals analysiert. Demnach sind vor allem in Niedersachsen ältere Bundesbürger häufiger in den Bankrott geschlittert: In dem Bundesland stiegen die Fallzahlen um 23,4 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit einer Zunahme um 21,2 Prozent und dem Saarland mit einem Plus von 20,8 Prozent.

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Relativ zur gesamten Einwohnerzahl hält allerdings Hamburg den größten Anteil der mindestens 61-Jährigen in Privatinsolvenz. Pro 100.000 Einwohner kam es in dieser Gruppe zu 86 Insolvenzverfahren. Dennoch haben die Pleiten der Rentnergeneration im Vergleich zum Vorjahr um 12,9 Prozent abgenommen. Nach Hamburg haben Schleswig-Holstein und Bremen die höchsten Fallzahlen. Die wenigsten Verbraucherinsolvenzen ab 61 Jahren verzeichneten Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg mit Fallzahlen zwischen 35 und 38 je 100.000 Einwohnern. Im Bundesdurchschnitt sind 49 Personen je 100.000 Einwohnern betroffen.

Bürgel sieht die Hauptursachen für eine Überschuldung im Alter in Krankheiten und damit verbundenen Kosten sowie in gescheiterter Selbstständigkeit. Aber auch das sinkende Rentenniveau verschärfe die Lage. Fallende Versorgungsansprüche und weiter steigende Steuern und Sozialversicherungsbeiträge dürften demnach das Problem perspektivisch ebenso verstärken wie der demographische Wandel und der wachsende Niedriglohnsektor, der das Erreichen einer auskömmlichen Rente erschwert.

Fazit: Eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe dürfte im Alter vor finanziellen Problemen stehen. Vieles deutet somit darauf hin, dass das Phänomen der Altersarmut auch mittel- bis langfristig weiter zunimmt.

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