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Privatrente Wann sich eine Sofortrente lohnt

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Privatrente Illu Quelle: Martin Haake

Immerhin: Die Sofortrente bietet mit ihrer lebenslangen Rentenzahlung Sicherheit. Die Auszahlung kann, je nach Vertrag, konstant bleiben oder jedes Jahr ein wenig steigen. Wie hoch die private Rente tatsächlich ausfällt, ist allerdings nie exakt vorherzusagen. Zwar gibt es ein zugesichertes Mindestniveau und einen Garantiezins auf das Guthaben von derzeit 2,25 Prozent bei neuen Verträgen. Einige Versicherer bieten auch Höchststandsgarantien an, die Rente kann dann selbst bei mageren Erträgen nicht unter das Vorjahresniveau sinken. Ob obendrauf noch ein Zuschlag, die Überschussbeteiligung, gezahlt wird, hängt jedoch vom Anlageerfolg der Versicherung ab. Eine Garantie für diesen Überschuss gibt es auch bei den Top-Angeboten (siehe Tabelle) nicht. Nur wer sich das klarmacht, kann Enttäuschungen wie die von Hasselmann vermeiden.

Die Versicherer preisen noch gerne einen Vorteil an: Der persönliche Steuersatz wird nur auf einen Teil der Rente erhoben. Je nach Renteneintrittsalter ist dieser unterschiedlich hoch, für 65- oder 66-Jährige liegt er derzeit bei 18 Prozent. Für Jüngere höher, für Ältere niedriger. Ein 65-Jähriger mit einem Steuersatz von 35 Prozent muss so nur 6,3 Prozent seiner Rente an den Fiskus abführen.

Letztlich ist die Sofortrente eine Wette auf ein langes Leben. Nur wer sehr alt wird, hat ein gutes Geschäft gemacht. Eine Gesundheitsprüfung gibt es deshalb nicht, rein rechnerisch dürften sowieso nur Gesunde Interesse an einem solchen Vertrag haben. Darauf stellen sich die Versicherungen mit ihren Berechnungen ein und gehen von einer besonders langen Lebensdauer aus. „Die Versicherten müssen schon um die 90 Jahre alt werden, damit sich das für sie wirklich lohnt“, sagt der Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV), Thorsten Rudnik.

Oft zeigt sich im Nachhinein, dass die Rechnung eigentlich nicht aufgegangen ist. Denn tatsächlich wird ein 60-jähriger Mann in Deutschland derzeit im Schnitt 80 Jahre alt, eine Frau 84. Das rein statistisch gesehen schlechte Geschäft bietet aber einen großen Vorteil: die Sicherheit, bis ans Lebensende versorgt zu sein.

Auf die Hinterbliebenenvorsorge achten

Meist soll aber nicht nur das eigene Auskommen im Ruhestand, sondern auch das des Partners gesichert werden. Eine Hinterbliebenenvorsorge bieten nicht alle Sofortrenten – und sie kostet Rendite. Für den Sachverständigen Sachs ist die Sofortrente daher vor allem interessant, wenn ein Ruheständler keine Angehörigen absichern muss – und auf entsprechende Zusatzklauseln verzichten kann. Ohne diese gehen der Partner oder auch Kinder und Enkel im Todesfall aber leer aus.»

Viele Ruheständler können das nicht in Kauf nehmen. Rudnik vom Bund der Versicherten rät ihnen, bei den Verträgen auf die Art der Hinterbliebenenvorsorge zu achten. Oft gebe es ausschließlich beim Todesfall innerhalb der ersten 10 oder 15 Vertragsjahre eine weitere Rentenzahlung: „Für eine echte Hinterbliebenenvorsorge reicht das nicht.“ Nur wenn bis zum Tod des Partners gezahlt wird, gebe es wirkliche Sicherheit.

Damit die kein unbezahlbarer Schutz ist, kann die Rente nach dem Tod des Versicherten gesenkt werden. Der Partner oder andere Angehörige werden dann zwar weiter versorgt, bekommen aber etwas weniger ausgezahlt als die ursprüngliche Rente.

Auch eine Beitragsrückgewähr ist möglich, die Hinterbliebenen erhalten in diesem Fall beim Tod des Versicherten die ursprünglich eingezahlte Einmalsumme abzüglich der ausgezahlten Renten zurück. Klar, dass auch diese Absicherung auf Kosten der Rente zu Lebzeiten geht.

Beim Auszahlplan aus einem Fondsdepot zahlt der Versicherte ebenfalls eine größere Summe ein und finanziert daraus seine Rente. Falls er stirbt, steht jedoch der noch nicht verbrauchte Teil des angelegten Vermögens für die weitere Versorgung der Hinterbliebenen bereit. Meist investieren Banken das Kapital in festverzinsliche Wertpapiere, die regelmäßige Erträge mit relativ hoher Sicherheit kombinieren.

Besonders wichtig ist dabei eine gute Verteilung auf verschiedene Anlagen, wie die vorübergehende Schließung der offenen Immobilienfonds gezeigt hat. Zwischenzeitliche Probleme oder Auszahlungsstopps gefährden dann nicht die komplette Zahlung.

Einen Teil des Geldes können Anleger auch in riskantere Produkte, etwa Investmentfonds mit Aktien, stecken. Im Idealfall steigert das die Rendite, gleichzeitig nimmt das Risiko zu. Doch selbst ein weitreichender Kurssturz bringt die Rechnung nicht unbedingt ins Wanken. Tom Friess, Chef des Vermögenszentrums in München, hat eine typische Vorsorgesituation durchgerechnet und einen solchen Auszahlplan dem Krisencheck unterzogen (siehe Beispielrechnung).

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