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Privatrente Wann sich eine Sofortrente lohnt

Sofortrenten-Policen und Fonds-Auszahlpläne bieten Anlegern eine regelmässige Rente gegen Einmalbeitrag. Welches Produkt für wen geeignet ist.

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Privatrente Illu2 Quelle: Martin Haake

Von wegen betonsicher: Angesichts massiver Geldabflüsse mussten im vergangenen Jahr offene Immobilienfonds rund 34 Milliarden Euro Anlegergelder einfrieren. Etwa 40 Prozent aller in diesen Fonds angelegten Gelder sind blockiert. Das trifft zurzeit vor allem Besitzer von Fonds-Auszahlplänen: Diese Anleger, in der Regel Ruheständler, haben auf einen Schlag einige Zehn- oder Hunderttausend Euro investiert und bauen jetzt darauf, Monat für Monat einen festen Betrag ausgezahlt zu bekommen und sich so eine Zusatzrente zu sichern.

Bei einzelnen Immobilienfonds, zum Beispiel dem Axa Immoselect, ist dieser Geldfluss nun erst mal versiegt. Fondsgesellschaften wie die SEB, KanAm oder die Degi, die ihre Fonds zwar eingefroren, die Besitzer von Auszahlplänen aber weiter bedienen, müssen sich mit der Aufsichtsbehörde BaFin herumschlagen. Die pocht auf die Gleichbehandlung aller Anleger – keiner soll also an sein Geld kommen – und sieht sich nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt von Ende Dezember im Recht.

Millionen Anleger fragen sich nun, ob mit der Schließung der offenen Immobilienfonds das Ende der Auszahlpläne gekommen ist. Doch die Immobilienfonds sind nur ein kleiner Baustein im Anlagemix, mit dem sich Auszahlpläne aufbauen lassen. Geschätzt setzen gerade einmal 25 000 Auszahlpläne auch auf offene Immobilienfonds, nur bei wenigen Tausend Anlegern kommt derzeit tatsächlich kein Geld an. Gut konzipierte Auszahlpläne setzen außerdem auf ganz verschiedene Anlageklassen, sodass ein zwischenzeitlicher Zahlungsausfall einer einzelnen Anlage keine großen Probleme bereitet.

Wem das Risiko eines solchen Auszahlplans dennoch zu hoch erscheint, dem stehen andere Möglichkeiten offen, um aus einer einmal angesparten Summe, etwa der Auszahlung einer Lebensversicherung, eine regelmäßige Rente zu beziehen. Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag, die sogenannten Sofortrenten, sind eine Alternative.

„Hören Sie nicht auf Bankvertriebe und Vermögensberater"

Sofortrenten bieten die Garantie auf eine lebenslange Rente. Die Rendite der Policen hängt zum Teil aber vom Erfolg des Versicherers ab. Wer seine Grundversorgung im Alter schon abgesichert hat und etwas Risiko eingehen kann, sollte einen Auszahlplan auf Basis von Fonds bevorzugen. Er bietet die Chance auf hohe Rendite und gibt dem Anleger die Möglichkeit, Erben eventuell auch noch nach vielen Jahren ein beachtliches Vermögen zu hinterlassen.

Erster Schritt bei der Planung fürs Alter ist die Ermittlung des notwendigen Renteneinkommens. „Jeder sollte seine Ausgaben durchleuchten und den eigenen Bedarf im Alter ermitteln“, sagt Peter Sachs, Sachverständiger für Kapitalanlagen und private Finanzplanung aus Bad Homburg.

Überwiegen heute Ausgaben, die im Ruhestand wegfallen? Oder gibt es vor allem Kosten, die im Alter neu hinzukommen? Sein Ratschlag für angehende Rentner: „Hören Sie nicht auf Bankvertriebe und Vermögensberater, fragen Sie sich, was Sie selbst im Alter wirklich wollen.“ Erst wenn die eigenen Wünsche feststehen, sollte ein Kassensturz folgen. Nur wer weiß, welche Ansprüche er aus der gesetzlichen und einer eventuellen betrieblichen Altersvorsorge hat, kann eine mögliche Lücke errechnen und seine private Vorsorge zum Auffüllen nutzen.

So wie Olaf Hasselmann, der sich auf das monatliche Extra gefreut hatte, dann aber später doch enttäuscht wurde. Mehr als 30 Jahre lang hatte der Pfälzer aus Bad Dürkheim, früher kaufmännischer Angestellter beim Chemiekonzern BASF, von seinem Gehalt etwas zurückgelegt. Zum 60. Geburtstag machte ihm seine Versicherung, die Berlinische Leben, dann ein verlockendes Angebot: Aus der angesparten Summe würde sie ihm eine kleine Zusatzrente zahlen, bis ans Lebensende. „Die Beispielrechnung dazu sah sehr gut aus“, erzählt Hasselmann. Er entschied sich deshalb gegen die Auszahlung auf einen Schlag und für eine Rentenzahlung.

Heute, im Alter von 70 Jahren, weiß er: Die Wirklichkeit sieht anders aus als eine Musterrechnung. Nur wenige Jahre lang bekam er zusätzlich zur Garantierente noch hohe Überschussbeteiligungen. „Im Nachhinein habe ich den Eindruck, ich wurde in dieser Zeit angefüttert“, sagt Hasselmann.

Denn wenige Jahre nach Rentenbeginn – der niederländische Versicherer Delta Lloyd, unter dessen Namen die ehemalige Berlinische Leben heute firmiert, war bei seiner Versicherung eingestiegen – erhielt Hasselmann neue Briefe, mit neuen Berechnungen. Erst wurde ihm die Zusatzrente um 26,5 Prozent gekürzt, dann nochmals um rund 5 Prozent. Hasselmanns Vertrauen in die Versicherung schwand. Nur gut, dass dieser Vertrag für ihn nur ein kleines Extra sei, sagt er heute – seine Grundversorgung sei auch ohne die Rente gesichert.

Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag funktionieren nach einer simplen Formel: Der Anleger zahlt einen größeren Betrag, beispielsweise 100 000 Euro, und bekommt dafür von der Versicherung jeden Monat eine Zusatzrente aufs Konto, so wie bei Olaf Hasselmann. Diese Rente fließt garantiert lebenslänglich. Das kommt in Krisenzeiten an: Insgesamt flossen etwa 2007 rund sechs Milliarden Euro in diese Verträge. Doch Hasselmanns Erfahrung zeigt, dass der Abschluss gut bedacht werden sollte.

 

Privatrente Illu Quelle: Martin Haake

Immerhin: Die Sofortrente bietet mit ihrer lebenslangen Rentenzahlung Sicherheit. Die Auszahlung kann, je nach Vertrag, konstant bleiben oder jedes Jahr ein wenig steigen. Wie hoch die private Rente tatsächlich ausfällt, ist allerdings nie exakt vorherzusagen. Zwar gibt es ein zugesichertes Mindestniveau und einen Garantiezins auf das Guthaben von derzeit 2,25 Prozent bei neuen Verträgen. Einige Versicherer bieten auch Höchststandsgarantien an, die Rente kann dann selbst bei mageren Erträgen nicht unter das Vorjahresniveau sinken. Ob obendrauf noch ein Zuschlag, die Überschussbeteiligung, gezahlt wird, hängt jedoch vom Anlageerfolg der Versicherung ab. Eine Garantie für diesen Überschuss gibt es auch bei den Top-Angeboten (siehe Tabelle) nicht. Nur wer sich das klarmacht, kann Enttäuschungen wie die von Hasselmann vermeiden.

Die Versicherer preisen noch gerne einen Vorteil an: Der persönliche Steuersatz wird nur auf einen Teil der Rente erhoben. Je nach Renteneintrittsalter ist dieser unterschiedlich hoch, für 65- oder 66-Jährige liegt er derzeit bei 18 Prozent. Für Jüngere höher, für Ältere niedriger. Ein 65-Jähriger mit einem Steuersatz von 35 Prozent muss so nur 6,3 Prozent seiner Rente an den Fiskus abführen.

Letztlich ist die Sofortrente eine Wette auf ein langes Leben. Nur wer sehr alt wird, hat ein gutes Geschäft gemacht. Eine Gesundheitsprüfung gibt es deshalb nicht, rein rechnerisch dürften sowieso nur Gesunde Interesse an einem solchen Vertrag haben. Darauf stellen sich die Versicherungen mit ihren Berechnungen ein und gehen von einer besonders langen Lebensdauer aus. „Die Versicherten müssen schon um die 90 Jahre alt werden, damit sich das für sie wirklich lohnt“, sagt der Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV), Thorsten Rudnik.

Oft zeigt sich im Nachhinein, dass die Rechnung eigentlich nicht aufgegangen ist. Denn tatsächlich wird ein 60-jähriger Mann in Deutschland derzeit im Schnitt 80 Jahre alt, eine Frau 84. Das rein statistisch gesehen schlechte Geschäft bietet aber einen großen Vorteil: die Sicherheit, bis ans Lebensende versorgt zu sein.

Auf die Hinterbliebenenvorsorge achten

Meist soll aber nicht nur das eigene Auskommen im Ruhestand, sondern auch das des Partners gesichert werden. Eine Hinterbliebenenvorsorge bieten nicht alle Sofortrenten – und sie kostet Rendite. Für den Sachverständigen Sachs ist die Sofortrente daher vor allem interessant, wenn ein Ruheständler keine Angehörigen absichern muss – und auf entsprechende Zusatzklauseln verzichten kann. Ohne diese gehen der Partner oder auch Kinder und Enkel im Todesfall aber leer aus.»

Viele Ruheständler können das nicht in Kauf nehmen. Rudnik vom Bund der Versicherten rät ihnen, bei den Verträgen auf die Art der Hinterbliebenenvorsorge zu achten. Oft gebe es ausschließlich beim Todesfall innerhalb der ersten 10 oder 15 Vertragsjahre eine weitere Rentenzahlung: „Für eine echte Hinterbliebenenvorsorge reicht das nicht.“ Nur wenn bis zum Tod des Partners gezahlt wird, gebe es wirkliche Sicherheit.

Damit die kein unbezahlbarer Schutz ist, kann die Rente nach dem Tod des Versicherten gesenkt werden. Der Partner oder andere Angehörige werden dann zwar weiter versorgt, bekommen aber etwas weniger ausgezahlt als die ursprüngliche Rente.

Auch eine Beitragsrückgewähr ist möglich, die Hinterbliebenen erhalten in diesem Fall beim Tod des Versicherten die ursprünglich eingezahlte Einmalsumme abzüglich der ausgezahlten Renten zurück. Klar, dass auch diese Absicherung auf Kosten der Rente zu Lebzeiten geht.

Beim Auszahlplan aus einem Fondsdepot zahlt der Versicherte ebenfalls eine größere Summe ein und finanziert daraus seine Rente. Falls er stirbt, steht jedoch der noch nicht verbrauchte Teil des angelegten Vermögens für die weitere Versorgung der Hinterbliebenen bereit. Meist investieren Banken das Kapital in festverzinsliche Wertpapiere, die regelmäßige Erträge mit relativ hoher Sicherheit kombinieren.

Besonders wichtig ist dabei eine gute Verteilung auf verschiedene Anlagen, wie die vorübergehende Schließung der offenen Immobilienfonds gezeigt hat. Zwischenzeitliche Probleme oder Auszahlungsstopps gefährden dann nicht die komplette Zahlung.

Einen Teil des Geldes können Anleger auch in riskantere Produkte, etwa Investmentfonds mit Aktien, stecken. Im Idealfall steigert das die Rendite, gleichzeitig nimmt das Risiko zu. Doch selbst ein weitreichender Kurssturz bringt die Rechnung nicht unbedingt ins Wanken. Tom Friess, Chef des Vermögenszentrums in München, hat eine typische Vorsorgesituation durchgerechnet und einen solchen Auszahlplan dem Krisencheck unterzogen (siehe Beispielrechnung).

In diesem Beispiel fährt ein Ruheständler selbst im negativsten Szenario, bei einer mageren Rendite von zwei Prozent und einem einmaligen Wertverlust von 20 Prozent des kompletten Portfolios bis ins Alter von 83 Jahren mit dem Auszahlplan besser als mit der Sofortrente. Er erhält in dieser Zeit die gleiche Rentenzahlung wie bei der Sofortrente, verfügt aber über einen größeren Kapitalstock.

Bei 3,5 Prozent Rendite und ohne Crash liegt der Auszahlplan bis zum Alter von 90 Jahren vorn. Dabei wird unterstellt, dass die Versicherung tatsächlich auch die prognostizierten Überschussbeteiligungen zahlt. Kommt es nicht dazu, fällt die Rechnung für die Sofortrente noch schlechter aus. Gleiches gilt, wenn Anleger von einer höheren Rendite als den moderaten Raten der Beispielrechnung ausgehen.

Wer Aktien und Investmentfonds nicht über den Weg traut, der kann den Plan auch nur mit Tagesgeld, Festgeld und Staatsanleihen aufbauen. Steuerlich macht das keinen Unterschied: Auf die Erträge fällt seit Jahresbeginn ein Steuersatz von 26,4 Prozent an (Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag). Die Steuerzahlungen sind beim Auszahlplan damit in der Regel zu Beginn etwas höher als bei der Sofortrente, sinken aber kontinuierlich.

Auf eigene Faust investieren

Neu-Rentner können sich die Anlagemischung für einen Auszahlplan auch selbst zusammenstellen. Wer sich mit Finanzthemen etwas auskennt, sollte das in Erwägung ziehen, meint der Sachverständige Sachs. „Viele kommen gar nicht auf die Idee, sich selbst darum zu kümmern.“ Um sowohl eine ausreichende Risikoabsicherung als auch den regelmäßigen Zugriff zu garantieren, ist ein Expertenrat aber sinnvoll. Zumal jeder Auszahlplan einen Nachteil hat: Der Sparer muss ihn einhalten, damit die Rechnung aufgeht. Das erfordert Disziplin. Wer von vorneherein etwas Spielraum bei seinen monatlichen Raten einplant, ist auch für unvorhersehbare Ausgaben gewappnet.

Eines ist jedoch bei realistischen Renditeerwartungen sicher: Irgendwann ist der Kapitalstock des Fondsdepots aufgebraucht, weitere Auszahlungen sind dann nicht möglich. Damit die Chance auf ein besonders langes Leben nicht zum Risiko wird, bietet sich ein Auszahlplan daher vor allem für eine Rentenaufstockung an. Fällt die monatliche Rate zwischenzeitlich etwas niedriger aus oder ist das Fondsdepot eines Tages aufgebraucht, sollte das kein existenzielles Problem sein. Die Grundversorgung sollten Ruheständler ohne die monatlichen Beträge aus dem Auszahlplan meistern können. Ist das nicht möglich, spielt die Sofortrente mit den garantiert lebenslangen Zahlungen ihren Trumpf aus.

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