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Rating beste Lebensversicherer Die leistungsstärksten Lebensversicherer 2021

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Infrastrukturinvestments im Trend

Kommen Nachrufe auf die Lebensversicherung also zu früh? „Wir sind zuversichtlich“, sagte Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), jüngst beim vom „Handelsblatt“ organisierten Strategiemeeting der Branche. Sorge, dass die Versicherer aufgrund des bestehenden Niedrigzinsumfeldes zu viel in hochriskante Anlagen investierten, bestehe nicht: „Übermäßige Risiken gehen sie derzeit nicht ein.“ Als Vertrauensbeweis wertet Grund vielmehr, dass die Unternehmen zu Beginn der Coronakrise antizyklisch auch in Anleihen mit geringer Bonität investiert und damit das Finanzsystem gestützt hätten.

Auch Grund nannte Infrastrukturprojekte als eine Anlageoption mit wachsender Bedeutung. Versicherer hätten ihm signalisiert, dass sie dort künftig verstärkt investieren wollten. So wie Branchenprimus Allianz: Dieser sucht sein Zinsglück neuerdings in Glasfaserkabeln und Sozialwohnungen. Die meisten Versicherer sind in ihrer Anlagestrategie aber bereits eingeschränkt. Für viele lohnende Kapitalanlagen müssten sie zu viel Eigenmittel vorhalten – dafür reichen ihre Puffer nicht. Sollte die Regulierung tatsächlich verschärft werden, würde dieser Druck zunehmen. Einige Lebensversicherer nutzen schon jetzt einen übergangsweise erlaubten Spielraum bei der Bewertung ihrer Reserven, weil sie die vorgeschriebenen Quoten sonst nicht erfüllen würden.

Die niedrigsten Werte ohne Anpassungen weisen die Landeslebenshilfe, der Versicherer im Raum der Kirchen (VRK) und die Öffentliche LV-Anstalt Oldenburg aus. Sie halten nur zwischen null und zehn Prozent der Mittel vor, die sie bräuchten, um auch rein statistisch nur allen 200 Jahren auftretenden Extremereignissen standzuhalten.

Ein Mann mit zwei Teilen eines unvollständigen Rettungsrings. Illustration. Quelle: Illustration: Dmitri Broido

Die großzügigen Übergangsregeln gelten aber nur noch bis 2031. Mit Ablauf dieser Frist werde die BaFin das Geschäft nur jenen erlauben, die dann die vorgeschriebene Quote erreichten, betonte Grund. 20 Lebensversicherer begleitet die BaFin deshalb bereits besonders eng, von „Manndeckung“ ist die Rede. Ganz folgenlos dürfte das nicht bleiben. „Im Neugeschäft könnte es für einige schwierig werden“, sagt Grund.

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    Erste Versicherer haben schon Fakten geschaffen. Generali Leben oder die Ergo Lebensversicherung haben ihr Neugeschäft eingestellt und wickeln ihre Bestände in der klassischen Lebensversicherung nun selbst oder extern ab – in der Branche heißt das „Run-off“. Viele Unternehmen prüften diese Option, sagt Claudius Vievers von der Abwicklungsplattform Athora Deutschland, die von Versicherern Verträge übernimmt.



    Kunden fürchten, dass sie nach einem Run-off noch schlechter gestellt werden. Anders als Versicherer können die Plattformen Überschüsse kürzen, ohne nachteilige Folgen im Vertrieb fürchten zu müssen – wer nicht um Neukunden wirbt, dem kann der negative Imageeffekt egal sein. Vievers hält dagegen: Weil Athora niedrigere Kosten habe als viele Versicherer, schütte die Plattform sogar überdurchschnittlich viel an die Versicherten aus.

    Auf die Kosten sollten Lebensversicherungskunden grundsätzlich besonders achten. Hier sind im Rating die Unterschiede zwischen den Anbietern sogar noch größer als bei den Renditen aus Kapitalanlagen. Die teuersten Versicherer berechnen fast drei Mal so hohe Abschluss- und sechs Mal so hohe Verwaltungskosten wie die günstigen. Mit dem Direktversicherer Europa schneidet ein relativ preiswerter Lebensversicherer auch insgesamt am besten ab. Besonders teure Gesellschaften landen ganz hinten in der Tabelle.

    Das ist definitiv anders als im Fußball.

    Mehr zum Thema: Tabelle: Die leistungsstärksten Lebensversicherer 2021

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