Rente Das Ungleichgewicht zwischen den Generationen nimmt zu

Erwerbstätige haben zunehmend Angst vorm Ruhestand. Deutschlands Rentner sind dagegen ganz zufrieden, wie eine Umfrage zeigt. Wie dieser Generationenkonflikt Wirtschaft und private Altersvorsorge künftig belasten wird.

Renten und die Angst der Deutschen. Quelle: Getty Images, Montage

Ein Café um kurz vor neun. Einige Rentner genießen die Sonne und einen ersten Morgenkaffee, während die Berufstätigen auf ihren Fahrrädern zur Arbeit hetzen, um noch pünktlich zum ersten Meeting zu kommen. Laut einer aktuellen Studie spiegelt diese Alltagssituation die Stimmung in punkto Altersvorsorge wider: Während fast zwei von drei Berufstätigen über eine wachsende Angst in Sachen Altersvorsorge klagen, freuen sich drei Viertel der derzeitigen Rentner darüber, dass ihre Lebensqualität im Alter gleich geblieben ist oder sich sogar verbessert hat.

Zu diesem Ergebnis kommt der neue AXA Deutschland-Report zur Ruhestandsplanung, der WirtschaftsWoche Online vorliegt. "Wir stellen immer wieder fest, wie unterschiedlich Ruheständler ihre Situation erleben gegenüber dem Bild, das sich die Erwerbstätigen davon machen", erklärt Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands der AXA Konzern AG. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre habe sich der Gegensatz nochmal deutlich verschärft.

AXA Deutschland-Report 2015

 

Für den Deutschland-Report zur Ruhestandsplanung haben die AXA und das Meinungsforschungsinstitut YouGov im März und April 2015 rund 3200 Interviews mit Rentnern und Erwerbstätigen in allen Bundesländern geführt. So konnten sie auch regional unterschiedliche Wahrnehmungen des Ruhestands und der Ruhestandsplanung ausfindig machen.

Ökonomische Belastung

Auch wenn dieser Generationenkonflikt für die meisten kaum überraschend sein dürfte - die Gefahr liegt darin, dass er sich wohl in den kommenden Jahren massiv verschärfen wird. Denn das Ungleichgewicht zwischen den Generationen nimmt immer weiter zu. 2011 mussten 100 Beschäftigte 31 Rentner finanzieren, in knapp 20 Jahren werden es schon 55 Ruheständler sein, die finanziert werden wollen. Wohlgemerkt, Anfang des Jahrtausends waren es nur 24 Rentner je 100 Berufstätige. Das Verhältnis droht also deutlich zu kippen.

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Vorsorge
Schlecht informiertDie Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden. Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB Quelle: Fotolia
Lückenhafte VorsorgeOft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören: 1) individuelle Vorsorgevollmacht 2) Patientenverfügung 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall 4) Testament Quelle: Fotolia
Die falschen Berater„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Quelle: Fotolia
Vorsorge ist nicht gleich VorsorgeJeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler. Quelle: Fotolia
Schwarze Schafe Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.
Informiert ins GesprächWer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen. Quelle: Fotolia
Vorsorge-FlickenteppichBeraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Quelle: Fotolia

 

Hinzu kommt die Interessenverlagerung, die ebenfalls zu Lasten der Zufriedenheit bei den Erwerbstätigen geht. Je älter die Bevölkerung im Durchschnitt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass in Politik und Gesellschaft vor allem die Interessen der Älteren verfolgt werden.

Das kann gefährliche wirtschaftliche Folgen haben, wie Henning Vöpel, Direktor am Hamburgerischen Weltwirtschafts Institut (HWWI), in einem Aufsatz konstatiert: „Die politischen Mehrheitsverhältnisse verschieben sich zu Ungunsten der Jüngeren“, schreibt Vöpel. Besitzstandswahrung und intergenerative Verteilungskonflikte würden so zum Hauptgegenstand der Politik.

Das Wichtige, nämlich Investition und Innovation, würden dagegen vernachlässigt. „Eine alternde Gesellschaft spart viel und investiert risikoavers“, erklärt Vöpel.

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