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Rente gegen Pension So viel mehr Geld haben Lehrer im Ruhestand

Rente oder Pension Quelle: Getty Images

Anders als Arbeitnehmern droht Beamten keine große Rentenlücke: Um eine Rente in Höhe einer Grundschullehrer-Pension zu bekommen, müssen Angestellte in der freien Wirtschaft viel länger arbeiten und sehr gut verdienen.

Wer bald in Rente geht, den wird mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich weniger zum Leben haben als heute: Jeden zweiten baldigen Rentner erwartet dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge eine deutliche Rentenlücke. Bei den Jüngeren sieht es noch düsterer aus: Sie werden im Schnitt weniger als 40 Prozent ihres letzten Einkommens aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Doch es gibt eine Bevölkerungsgruppe, die trotz demografischen Wandels und erodierenden Rentenkassen gelassen in die Zukunft blicken kann: die Beamten.

Schon wer nur fünf Jahre lang als Beamter gearbeitet hat, hat Anspruch auf eine Mindestpension von 1660 Euro im Monat. Für eine solche Rente müsste ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt von gut 3000 Euro 52 Jahre lang arbeiten.

Verbeamtete Grundschullehrer: mehr als 70 Prozent nach 40 Jahren

Doch auch abseits dieses Extrembeispiels offenbaren sich große Unterschiede. Betrachten wir etwa den Fall einer ganz normalen Grundschullehrerin in Bayern, die im Besoldungsgrad A12 eingestuft ist. Wenn sie nach 40 Dienstjahren in Rente geht, verdient sie 4578 Euro im Monat. Da pro Jahr knapp 1,8 Prozent des letzten Gehalts als Pension gezahlt werden beziehungsweise maximal 71,75 Prozent, bekommt sie im Ruhestand rein rechnerisch 3284 Euro im Monat. Zieht man davon den sogenannten Korrekturfaktor sowie den Abschlag für Pflegeleistungen ab, bleiben der pensionierten Grundschullehrerin immer noch 3142 Euro im Monat. Hinzu kommt noch ein Weihnachtsgeld, das hier jedoch unberücksichtigt bleiben soll.

Selbst ohne Weihnachtsgeld ist es für einen Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft unmöglich, in der Regelarbeitszeit von 45 Jahren eine gesetzliche Rente in dieser Höhe zu erreichen. Das liegt daran, dass die Rentenansprüche gedeckelt sind. Egal, wie viel jemand verdient, er kann nicht mehr als gut zwei Rentenpunkte pro Jahr erwerben.

Zur Erinnerung: Einen Rentenpunkt bekommt, wer genau das Durchschnittsgehalt verdient. Dessen Höhe wird von der Rentenversicherung festgelegt und beträgt derzeit im Westen 3045 Euro im Monat. Für jedes Jahr, in dem ein Arbeitnehmer dieses Gehalt verdient, erwirbt er Ansprüche auf einen Rentenpunkt, der aktuell wiederum im Westen 32,03 Euro entspricht. Wer also 45 Jahre lang stets das Durchschnittsgehalt verdient hat, bekommt als Neurentner im Westen eine gesetzliche Rente von 1441 Euro.

Verdient der Arbeitnehmer mehr, bekommt er auch mehr Rentenpunkte – und damit mehr Rente. Das gilt jedoch nur bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Die entspricht derzeit 6500 Euro im Monat und damit 2,13 Rentenpunkten. Wer mehr verdient, erhält also trotzdem nicht Anspruch auf mehr Rente. Dafür steigen auch seine Rentenbeiträge jenseits der Beitragsbemessungsgrenze nicht weiter.

Bei Angestellten schwankt die Rente mit dem Einkommen

Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass die Grenze stets bei 2,13 Rentenpunkten lag. Um auf die Altersbezüge der Grundschullehrerin zu kommen, müsste ein Arbeitnehmer im Westen demnach gut 46 Jahre lang arbeiten - und das stets mit einem Top-Gehalt oberhalb der Bemessungsgrenze.

Das ist jedoch ein eher theoretischer Wert: Bei Beamten wird das letzte Einkommen als Grundlage für die Pension genommen, es ist also egal, wie viel sie zu Beginn ihrer Laufbahn verdient haben. In der gesetzlichen Rentenversicherung zählt jedoch das tatsächliche Einkommen jedes einzelnen Berufsjahres. Da die meisten Arbeitnehmer zu Beginn ihrer Karriere vergleichsweise wenig verdienen, kommt in Realität kaum jemand auf so hohe Summen.

Ähnlich sieht es in Ostdeutschland aus. Grundschullehrer verdienen in Berlin am Ende ihres Berufslebens 4389 Euro, der geringste Wert in ganz Deutschland. Daraus folgt nach 40 Jahren ein Pensionsanspruch von 3013 Euro im Monat.

Ein Rentenpunkt in Ostdeutschland wiederum entspricht 30,69 Euro Monatsrente bei einem Gehalt von 2695 Euro. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 5800 Euro im Monat und damit bei 2,15 Rentenpunkten. Wer in Ostdeutschland sein Leben lang an der Beitragsbemessungsgrenze verdient hat, kommt ebenfalls nach knapp 46 Jahren auf einen Rentenanspruch, der der Pension von 3013 Euro entspricht.

Diese Rechnung ist freilich vereinfachend, da sie Steuern und Sozialabgaben außen vor lässt. Zwar werden ab dem Jahr 2040 Renten und Pensionen gleich besteuert, nämlich zu 100 Prozent. Aktuell gibt es jedoch noch Unterschiede. Wer etwa dieses Jahr in Rente geht, muss nur 76 Prozent seiner Rente versteuern, 24 Prozent bleiben steuerfrei. Bei Beamten bleiben aktuell 19,2 Prozent beziehungsweise höchstens 1440 Euro der Pension steuerfrei. Pensionäre zahlen derzeit also mehr Steuern als Rentner.

Hinzu kommt, dass Beamte in der Regel privat versichert sind und im Alter oft höhere Beiträge in die PKV einzahlen als gesetzlich Versicherte in die GKV. Dafür haben sie aber auch weiterhin einen Beihilfeanspruch von bis zu 70 Prozent.

Wie viel ein Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft also genau verdienen muss, um im Alter netto so viel Geld zu haben wie ein Grundschullehrer, lässt sich schlecht verallgemeinern, da es von zu vielen Faktoren abhängt. Klar ist jedoch, dass es ein Top-Gehalt nahe der Bemessungsgrenze sein muss - und damit deutlich mehr, als ein Grundschullehrer in seinen aktiven Zeiten verdient.

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