Rentenexperte Niels Nauhauser "Wir brauchen nicht noch mehr staatliche Förderung"

Die Zahl der Riester-Verträge sinkt. Der Ruf nach mehr Subventionen komme aber meist aus dem Lager der Versicherungsanbieter, sagt Rentenexperte Niels Nauhauser. Anstatt mehr staatlicher Förderung verlangt er bessere Beratung.

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Vorsorge
Schlecht informiertDie Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden. Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB Quelle: Fotolia
Lückenhafte VorsorgeOft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören: 1) individuelle Vorsorgevollmacht 2) Patientenverfügung 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall 4) Testament Quelle: Fotolia
Die falschen Berater„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Quelle: Fotolia
Vorsorge ist nicht gleich VorsorgeJeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler. Quelle: Fotolia
Schwarze Schafe Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.
Informiert ins GesprächWer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen. Quelle: Fotolia
Vorsorge-FlickenteppichBeraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Quelle: Fotolia
Sinnlose versus sinnvolle VersicherungenEinige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind. Quelle: Fotolia
Hochriskante AnlagenWer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente. Quelle: Fotolia
Alles auf eine Karte setzenWinkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne. Quelle: Fotolia

Niedrigzinsen am Anleihemarkt machen private Rentenversicherungen immer unattraktiver. Im ersten Quartal dieses Jahres ist nun erstmals der Bestand an staatlich geförderten Riester-Renten gesunken, wie die jüngste Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt. Niels Nauhauser, Spezialist für Renten- und Finanzfragen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema private Rentenversicherung.

WirtschaftsWoche Online: Woher kommt der Rückgang bei den Riester-Verträgen?

Niels Nauhauser: Über die Gründe kann man nur spekulieren, da eine Analyse hierzu nicht existiert. Dass die Vertragszahlen zurückgehen, muss aber kein Anzeichen dafür sein, dass die Verbraucher weniger fürs Alter vorsorgen oder unvernünftig sind. Denn auch andere Verträge eignen sich zur Vermögensbildung für das Alter, oft sogar besser als diejenigen, die Riester-förderfähig sind.

Niels Nauhauser Quelle: (c) Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Fehlt das Bewusstsein für die Bedeutung privater Vorsorge?

Das Bewusstsein ist durchaus vorhanden, sofern die Mittel dafür da sind. Wer etwa sein Eigenheim entschuldet, eine kleine Erbschaft anlegt oder ab und zu Geld in Wertpapiere investiert, der hat formal keinen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen, sorgt aber sehr wohl vor. Die Behauptung, die Menschen würden zu wenig vorsorgen, hört man oft aus dem Anbieterlager und sie wird meist direkt mit mehr staatlichen Subventionen für die Eigenvorsorge verknüpft. Subventionen sind ein Verkaufsargument. Damit lassen sich sogar schlechte Produkte verkaufen, wie sich unter anderem bei der Riester-Rente zeigt.

Zur Person

Was sind bessere Alternativen?

Die Klientelpolitik zugunsten der Finanzlobby muss aufhören. Die Verbraucherzentralen werben seit Jahren für einen Vorsorgefonds, der das Geld der Anleger passiv und sehr kostengünstig in Aktien und Rentenpapieren anlegt. In Schweden hat man damit gute Erfahrungen gemacht. In Deutschland steht die Diskussion erst am Anfang, sei es unter der Bezeichnung Vorsorgefonds, Basiskonto oder Deutschland-Rente.

Sollte der Gesetzgeber eine andere Form der Altersvorsorge bezuschussen?

Wir brauchen nicht noch mehr staatliche Förderung, die wir Steuerzahler uns ja nur selbst von der einen in die andere Tasche stecken. Was wir brauchen sind bessere Produkte und bessere Beratung. Wenn der Gesetzgeber die Kapitaldeckung effizienter aufstellen würde, könnten wir jährliche Kosten vom Anlagekapital in Höhe von an die zwei Prozentpunkten einsparen. Klar, das Geld geht dann nicht mehr an die Finanzlobby. Dafür bekommen die späteren Rentner aber eine doppelt so hohe Rente für denselben Beitrag. Das ist keine Zauberei, sondern simple Mathematik.

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