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Riester-Rente Warum absurde Regeln die Rendite vermiesen

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Attraktiv, aber sehr komplex

Auch Wohn-Riester ist interessant, also die Förderung einer Immobilienfinanzierung. Vor allem die Kreditvariante, bei der Kunden dank Förderung Kredite schneller abzahlen, lohnt sich. Kunden ersparen sich mit jeder Rate die sonst anfallenden Kreditzinsen.

Die allerdings sind in den vergangenen Jahren gesunken. Außerdem habe sich der Gesetzgeber bei den Wohn-Riester-Regeln „so sehr ausgetobt“, dass das sinnvolle Produkt „fast zu Tode geritten wurde“, sagt Heinrich Bockholt, Baufinanzierungsexperte der Fachhochschule Koblenz. Ohne einen Experten an der Seite solle sich daher niemand an Wohn-Riester wagen. Schon bei einem Umzug drohe sonst der Verlust der Förderung.

Auf einfachere und günstigere Regeln sollten Riester-Kunden, unabhängig von der Vertragsart, nirgendwo hoffen. Einzig Geringverdiener sollen 2018 gesetzlich besser gestellt werden: Bis zu 200 Euro Rente aus privater Altersvorsorge sollen künftig nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet werden. Hartz-IV-Bezieher sind bei Riester bereits vor Pfändung geschützt. Zudem soll die Riester-Grundzulage im nächsten Jahr von 154 auf 165 Euro steigen.

Das aber klingt lukrativer, als es ist: Da Zulagen vom rechnerischen Steuervorteil abgezogen werden, bringt der Aufschlag kinderlosen Singles nur bei unter 16.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen einen Vorteil. Ein verheirateter Sparer mit Kind würde allenfalls bei unter 41.000 Euro Einkommen profitieren, trotz zusätzlicher 300 Euro Kinderzulage (bei einer Geburt seit 2008).

Wie es nach der Bundestagswahl im September weitergeht, hängt von CDU und SPD ab – ohne wenigstens eine der Parteien wird es keine neue Bundesregierung geben. Im Fokus ihrer Rentenreformen wird aber die gesetzliche Rente stehen, nicht Riester.

Zwar beklagt das Rentenkonzept von Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD), immerhin Grundlage des SPD-Renten-Wahlprogramms, die „Stagnation“ bei Riester. Doch als Verbesserung wird nur eine Kostenbegrenzung diskutiert – und nur für den Fall, dass nicht schon die neuen Produktinformationsblätter für Transparenz und niedrigere Kosten sorgen.

Die Kostenbegrenzung wiederum schließt der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker aus – der Eingriff sei zu stark. Whittaker sitzt dem CDU-Fachausschuss vor, der das Rentenprogramm vorbereitet. Dafür denkt Whittaker über die Garantie nach: „Ein Großteil der Deutschen kann die Vorsorge-Chancen, die in Aktien liegen, bei Riester nicht oder zu wenig nutzen. Die Möglichkeit, künftig von der Beitragsgarantie abzuweichen, sollten wir deshalb intensiv prüfen.“

Berater Mallmann fände dies gut. „Sparer sollten selbst wählen, ob sie eine Garantie wünschen.“ Er glaubt aber nicht an Reformen. Anleger sollten aktiv werden: „Wer Altersvorsorge als langfristigen Vermögensaufbau betrachtet, der braucht nicht zwingend Riester.“ Das könne ein Baustein sein, genau wie „ein eigenes Aktiendepot, eine vermietete Immobilie oder Gold“. Flexibler bleiben Sparer damit auf jeden Fall.

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