Riester- und Rürup-Rente Finger weg von der E-Mail- und Telefonberatung!

Eine Studie hat die Riester- und Rürup-Rentenangebote von 15 großen Versicherern bewertet. Die Produkte sind gut, aber in der Beratung am Telefon und per E-Mail zeigen sich große Defizite.

Zumindest die Vor-Ort-Beratung im persönlichen Gespräch konnte Überzeugen. Quelle: obs

Die Marktforscher vom Deutschen Institut für Service-Qualität (Disq) hat im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv die Riester- und Rürup-Angebote von 15 großen Versicherern getestet. Insbesondere Beratung und Servicequalität wurden von den Disq-Experten durchleuchtet, das Ratingunternehmen Franke und Bornberg steuerte eine Bewertung der hybriden und fondsgebundenen Altersvorsorgeprodukte bei, insbesondere Noten für Rating und Preis-Leistungsverhältnis.

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia
Durchschnittsrente Ost nach ArbeitsjahrenIn den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro. Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro. Quelle: Fotolia
Halbtags arbeiten erhöht das ArmutsrisikoJe nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro. Quelle: dpa
Maximale Rentenhöhe für GutverdienerUmgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin. Quelle: dapd

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Produkte überzeugen die Tester hinsichtlich ihrer Leistung. Die Riester-Produkte bekommen von Franke und Bornberg durchweg eine „hervorragende“ Bewertung, die Rürup-Produkte erhalten ein Rating zwischen „gut“ und „hervorragend“.

Aber dann fangen die Probleme an. Die Rentenhöhe sei vielfach ernüchternd, teilt Disq mit. Die Bewertung erreicht hier nur die Durchschnittsnote „ausreichend“. Die Unterschiede sind trotz identischer Förderung groß. „Der Riester-Vertrag mit der höchsten garantierten Rente zahlt über fünf Prozent mehr als das schwächste Angebot“, erläutert Markus Hamer, Geschäftsführer des Disq. Kunden sollten deshalb auch den Garantieanteil der staatlich geförderten Rente steht mit anderen Anbietern vergleichen.

Schlechter steht es in den Augen der Tester um die Beratungsqualität. Zumindest die Vor-Ort-Beratung im persönlichen Gespräch überzeugte weitestgehend und war im Test die große Stärke der Versicherer. Defizite fand Disq lediglich in der Ermittlung des individuellen Vorsorgebedarfs, was nicht immer zu genau passenden Produktempfehlungen führte.

Richtig schlecht ist hingegen die Beratungsqualität am Telefon und per E-Mail. Fast die Hälfte der E-Mail-Anfragen blieb im Test komplett unbeantwortet. Telefonische Anfragen bescherten den Testanrufern oftmals lückenhafte Informationen und eine wenig individuelle Beratung. Sechs Anbieter kassierten dafür die Note „mangelhaft“.

Typische Irrtümer von Riester-Sparern

Testsieger bei den Riester-Angeboten ist die Axa, gefolgt von der Provinzial-Nord-West und der Aachener Münchener. Bei den Rürup-Renten-Anbietern lag ebenfalls die Axa an der Spitze, auf Platz zwei folgen punktgleich Provinzial-Nord-West und HDI.

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