WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Riesterrente Der wirklich wahre Riester-Vorteil

Seite 2/4

Bei Riester müssen Ein- und Auszahlungsphase beachtet werden

Grundsätzlich soll das angesparte Riester-Guthaben später für eine Rente genutzt werden. 30 Prozent der Summe können sich Sparer zu Ruhestandsbeginn aber auf einen Schlag auszahlen lassen, ohne dass sie die staatliche Förderung erstatten müssten. Wer mehr Geld will oder früher an das Guthaben möchte, muss die Förderung – sowohl Zulagen als auch eventuelle zusätzliche Steuervorteile – zumindest anteilig unverzinst zurück zahlen.

Es gibt also zwei große Unterschiede zwischen der Geldanlage mit und ohne Riester. Während ihrer Einzahlungen müssen Sparer bei Riester weniger eigenes Geld einsetzen, weil der Staat (über Zulagen und eventuelle Steuervorteile) unterstützt. Während der Auszahlungen - in der Rentenphase - kassiert der Staat jedoch einen höheren Teil ihrer Rente als Steuer, weil er eben nicht nur Gewinne, sondern die volle Rente besteuert. Echte Aussagen darüber, ob sich die Förderung lohnt, sind also nur möglich, wenn beide Phasen - Ein- und Auszahlungsphase - betrachtet werden.

Typische Irrtümer von Riester-Sparern

Für den Vergleich nehmen wir eine Rentenversicherung, die gegen regelmäßige Einzahlungen jetzt eine lebenslange Rente später finanziert. Ob und wie sinnvoll Rentenversicherungen für die Altersvorsorge sind, soll erstmal keine Rolle spielen - es geht nur darum zu vergleichen, welchen Effekt die Riester-Förderung hat. Die Analyse der Rentenversicherung hat ein paar Vorteile: Nur die Versicherer geben ihren Kunden eine fixe Mindestverzinsung, für Neukunden derzeit 1,25 Prozent, auf die Einzahlungen (nach Abzug der Kosten des Versicherers) und nennen auch bereits eine garantierte Mindestrente, die später lebenslang fließen soll. Das erleichtert die Berechnungen. Die Anbieter von Riester-Banksparplänen nutzen meist eine variable Verzinsung, die mit dem allgemeinen

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der echte Riester-Vorteil

    Rendite-Vorsprung nach Steuern einer Riester-Rentenversicherung im Vergleich zu einer ungeförderten Rentenversicherung (in Prozentpunkten pro Jahr, garantiert / prognostiziert)

    Single, 30 Jahre, 30.000 Euro Bruttojahreseinkommen, 3 Kinder (2, 4 und 6 Jahre)Single, 30 Jahre, 40.000 Euro Brutto-JahreseinkommenSingle, 30 Jahre, 60.000 Euro Brutto-JahreseinkommenSingle, 40 Jahre, 50.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen
    mit 75 Jahren1,3 / 1,00,9 / 0,60,9 / 0,61,2 / 1,1
    mit 85 Jahren0,9 / 0,70,6 / 0,40,6 / 0,60,8 / 0,7
    mit 95 Jahren0,7 / 0,60,5 / 0,40,6 / 0,40,7 / 0,7

    Verheiratet, 40 Jahre, 60.000Euro Brutto-Haushaltsjahreseinkommen, 2 Kinder (2 und 4 Jahre)Verheiratet, 40 Jahre, 80.000Euro Brutto-Haushaltsjahreseinkommen, 2 Kinder (2 und 4 Jahre)Single, 50 Jahre, 60.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen
    mit 75 Jahren1,1 / 1,01,1 / 0,81,7 / 1,7
    mit 85 Jahren0,8 / 0,70,8 / 0,71,1 / 1,2
    mit 95 Jahren0,7 / 0,60,7 / 0,60,9 / 1,1
    Vergleich der Jahresrendite auf die Einzahlungen aus eigener Tasche (nach Abzug von Zulagen und Steuervorteil bei der Riester-Rente) berechnet auf Basis der Netto-Renten zwischen einer geförderten Riester-Rentenversicherung und einer ungeförderten klassischen Rentenversicherung; in der Auszahlungsphase wurde ein um zehn Prozentpunkte niedrigerer Steuersatz als während der Einzahlungsphase angenommen; Quelle: Versicherer, eigene Berechnung

    Zinsniveau steigt und (momentan eher) fällt. Die Anbieter von Riester-Fondssparplänen geben nur die - für alle Riester-Anbieter vorgeschriebene - Garantie, dass zu Ruhestandsbeginn der Depotwert wenigstens der Summe der Einzahlungen (eigene Beiträge und Zulagen) entsprechen muss. Wie hoch die spätere Rente aus den Riester-Bank- oder Fondssparplänen sein wird, bleibt beim Abschluss in der Regel noch völlig offen. Meist nennen die Anbieter auch noch keinerlei Details, also nicht mal einen bestimmten Faktor, mit dem sich je nach angespartem Guthaben berechnen ließe, wie hoch die Rente später ist.

    Vielen Deutschen droht die Altersarmut
    Die Ergebnisse einer neuen Studie besorgniserregend. Es droht eine riesige Versorgungslücke und vielen Bürgern eine akute Altersarmut. Den künftigen Rentnern ist dies zwar durchaus bewusst, allerdings tun sie kaum etwas dagegen. Im Gegenteil: Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, die Altersvorsorge komplett zu ignorieren. Das zeigt die Studie „Altersvorsorgereport: Deutschland 2014“ der Sparda-Bank in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jens Kleine vom Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule. Sie gibt einen umfassenden Überblick zum deutschen Altersvorsorgemarkt vorgelegt. Quelle: IMAGO
    Das private Vorsorgeverhalten lässt in Deutschland zu wünschen übrig. Die Mehrheit der Bürger will den gegenwärtigen Lebensstandard nicht für die Altersvorsorge einschränken. Dadurch entsteht laut den Berechnungen der Experten eine Versorgungslücke von mehr als 27.000 Euro. Neben einer möglichen Altersarmut des Einzelnen droht in der Gesellschaft ein Generationenkonflikt beim Streit um die Höhe der staatlichen Rente. Quelle: IMAGO
    Verantwortlich für die Versorgungslücke sind neben dem Lebensstandard zu geringe finanzielle Möglichkeiten. Rund 75 Prozent der Deutschen fehlt schlichtweg das Geld, um privat vorzusorgen. Besonders betroffen sind dabei die Arbeiter. In dieser Berufsgruppe verfügen nur 19 Prozent über ausreichende finanzielle Spielräume für die private Altersvorsorge. Quelle: IMAGO
    Diese Vorsorgeproblematik hat zur Folge, dass die ohnehin schon in der Gesellschaft bestehende Schere zwischen Arm und Reich im Alter noch größer wird. Menschen mit ausreichender Kapitalausstattung sind nämlich in der Lage zusätzlich 325 Euro in die private Altersvorsorge zu stecken. „ Das soziale Ungleichgewicht wird sich im Alter weiter verschärfen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird im Alter gut leben können, wohingegen ein wesentlich größerer Teil mit Einschränkungen oder gar Altersarmut zu kämpfen haben wird“, so Heinz Wings, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg. Quelle: IMAGO
    Trotz dieser möglichen Scherenbildung herrscht insgesamt nur geringes Interesse für Altersvorsorge-Themen. Viele haken das Thema komplett ab – und das obwohl 82 Prozent der Befragten bewusst ist, dass eine rechtzeitige private Altersvorsorge notwendig ist, wenn der bestehende Lebensstandard im Alter fortgesetzt werden soll. Quelle: IMAGO
    Neben dem Desinteresse spiegelte sich bei den Befragten auch Unkenntnis wider. Die Studie ergab, dass rund 73 Prozent der Bürger zwar von zu niedrigen Rentenansprüchen ausgeht, allerdings kennen auch weniger als die Hälfte deren tatsächliche Höhe. 50 Prozent der Deutschen hat zudem Angst im Alter vom Existenzminimum leben zu müssen. Vor allem junge Menschen treibt diese Angst um – was Wings zufolge ein gutes Ergebnis ist: „Dass die jungen Menschen die Bedeutung der Altersvorsorge erkannt haben, ist ein äußerst positives Zeichen. Sie haben jedenfalls vom Alter her noch Möglichkeiten, um ausreichend vorzusorgen.“ Quelle: IMAGO
    Die Versorgungslücke von 27.000 Euro ergibt sich durch die Berechnung des durchschnittlichen Sparverhaltens. So wollen die Befragten bei Renteneintritt circa 96.000 Euro angespart haben. Doch hierfür legen die Bürger in einem Zeitraum von 21 Jahren im Monat lediglich 179 Euro im Monat zur Seite. Die Experten der Studie haben außerdem mit einem recht hohen Zinssatz von vier Prozent gerechnet. Alles zusammengerechnet – die Sparquote und der durchschnittliche Zinssatz – ergeben statt der anvisierten 96.000 nur 69.000 Euro. Quelle: IMAGO

    Neben den Garantiewerten weisen die Rentenversicherer noch unverbindliche, höhere Werte aus, die sie bei ausreichenden Anlagegewinnen schaffen wollen. In den vergangenen Jahren sind diese Überschüsse jedoch immer weiter gesunken. Frühere Modellrechnungen haben sich als völlig überhöht herausgestellt. Sparer sollten im Zweifelsfall daher eher davon ausgehen, dass der Versicherer nur die Garantiewerte schafft. Schon das wäre auf lange Sicht nicht machbar, wenn die Zinsen dauerhaft so niedrig wie zurzeit blieben.

    In der Vergleichsrechnung zwischen Riester-Rentenversicherung und normaler, ungeförderter privater Rentenversicherung spielt das keine Rolle, da die Versicherer unabhängig von der staatlichen Förderung in beiden Fällen die gleichen Schwierigkeiten hätten. Wir müssen nur die auf den gleichen Annahmen beruhenden Werte nutzen. Wir weisen daher sowohl die garantierten Werte, als auch die niedrigsten unverbindlichen Modellrechnungen aus, die von einem dauerhaften Zins von 2,4 Prozent ausgehen. Für die Berechnungen nutzen wir die in Aussicht gestellten Renten eines kostengünstigen Versicherers, der im Branchenvergleich relativ hohe Garantiewerte ausweist.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%