WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rohstoffe Wie Anleger von steigenden Agrarpreisen profitieren

Seite 3/5

Grafik: Warum die Agrarpreise steigen

Fragwürdig ist auch das Argument, Biokraftstoffe leisteten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Richtig ist, dass beim Verbrennen pflanzlicher Rohstoffe nur so viel Kohlendioxyd entsteht, wie die Pflanzen zuvor durch Fotosynthese aufgenommen haben. Nur verschlingt die Produktion von einjährigen Kulturpflanzen wie Mais große Mengen Dünger und Pflanzenschutzmittel, für deren Erzeugung wiederum viel Energie benötigt wird.

Dass sich moralische oder ökologische Bedenken durchsetzen werden, ist unwahrscheinlich. Die US-Regierung arbeitet daran, sich von den Ölscheichs unabhängiger zu machen. Erst kürzlich beschloss sie, den Treibstoff E15, dem 15 Prozent Bioethanol beigemischt sind, auch für ältere Fahrzeuge zuzulassen. In Deutschland wurde E10 an den Zapfsäulen eingeführt, das zehn Prozent Bioethanol enthält.

Mehr Menschen müssen essen

Selbst wenn der Klimawandel weniger heftig ausfällt als erwartet, sprechen weitere langfristige Trends für steigende Preise (siehe Grafiken Seite 93). Wichtigster Preistreiber ist das Bevölkerungswachstum. Mitte dieses Jahres wird die Weltbevölkerung die Schwelle von sieben Milliarden Menschen überschreiten. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet bis 2050 mit 9,1 Milliarden Menschen.

Um zusätzlich gut zwei Milliarden Menschen zu versorgen, müssen laut FAO im Jahr 2050 weltweit doppelt so viele Lebensmittel produziert werden wie heute. „Doch schon seit Jahren wächst die Agrarproduktion langsamer als die Weltbevölkerung“, sagt Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei UniCredit.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auf der Erde drängen sich nicht nur mehr Menschen, sie essen auch mehr. „Der wachsende Mittelstand in Asien kann sich höherwertige Lebensmittel leisten“, sagt Bryan Agbabian, Fondsmanager bei Allianz Global Investors. In China und Indien leben rund 37 Prozent der Weltbevölkerung. Deren Ess- und Konsumgewohnheiten wandeln sich. Der chinesische Kaffeekonsum zum Beispiel steigt jährlich um 20 Prozent, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt dennoch erst bei 22 Gramm pro Jahr. In Taiwan sind es hingegen 522 Gramm, jeder Deutsche brüht mehr als 6600 Gramm Kaffee im Jahr auf.

    Knappheiten vorprogrammiert

    Auch zieht mit wachsendem Einkommen tendenziell der Konsum fetthaltiger Produkte wie Milch, Öle, Fisch und Fleisch an. Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank: "Vor 30 Jahren aß jeder Chinese etwa zehn Kilogramm Fleisch pro Jahr, heute sind es bereits rund 60 Kilo." Zum Vergleich: Jeder Deutsche verspeist 83 Kilo Fleisch pro Jahr, jeder Amerikaner im Schnitt gar 130 Kilo.

    Mit wachsendem Fleischkonsum steigt der Bedarf an Weidegrund, zulasten von Ackerland. Letzteres aber wird benötigt für den Anbau von Soja oder Mais als Tierfutter. Wie immer die Ressourcen verteilt werden – Knappheiten und damit langfristig steigende Preise sind programmiert.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%