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Schmuck, Münzen, Barren Goldfieber: Was in den Tresor gehört

Der Goldpreis nimmt Kurs auf die 1000-Dollar-Marke. Kreditkrise, Aktiencrash und Inflation treiben Anleger in die sicherste Währung der Welt. Warum Gold-Investments selbst nach sieben Jahren Hausse noch sinnvoll sind.

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Papier verliert, Gold gewinnt

Der mürrische Junggeselle ist Stammkunde im Goldkaufhaus Berlin-Mitte. Grußlos blättert er 5000 Euro auf den Tisch und verlangt Gold, „was Sie gerade da haben“. Seinen Namen will er nicht nennen. Das muss er auch nicht. Bis 15.000 Euro lassen sich Goldbarren und Münzen anonym kaufen. Anfang 40 sei er, Immobilienkaufmann. Lächeln fällt ihm sichtlich schwer. Gold kaufe er, „weil der Kondratieff-Zyklus auf Winter steht“. Aha.

„Jeden Monat taucht der hier auf “, sagt Heiko Ganß, Chef des Edelmetallhändlers Pro Aurum. Der Kunde ist Verschwörungstheoretiker: Griesgrämig, gepeinigt von Verlustängsten – einer der damit rechnet, dass morgen das Weltfinanzsystem zusammenbricht und Aldi nur noch Goldmünzen akzeptiert. Dennoch liegt der Mann auf lange Sicht immer noch richtig mit der Entscheidung, Gold zu kaufen. Wer in Gold investiert, schützt sich vor Finanzkrisen und Wertverlust seiner Währung.

Die Welt ist im Goldrausch. Je schlimmer die von faulen US-Hypotheken ausgelöste Finanzkrise in den Bankbilanzen wütete, desto stärker zog in den vergangenen Monaten der Goldpreis an. Als im September 2007 in der Tagesschau Bilder von Kunden-Schlangen vor Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock zu sehen waren, standen Goldkäufer auch in Berlin ungeduldig an. „Bis zu zwei Stunden warteten die Kunden auf dem Bürgersteig, um sich mit Barren und Münzen einzudecken“, erinnert sich Goldhändler Ganß. Jetzt steht Gold bei 900 Dollar je Unze, so hoch wie nie zuvor. Gold hat sich als stärkste Währung der Welt etabliert .

Barren und Münzen sind, anders als Anleihen, an kein Zahlungsversprechen einer Regierung oder eines Unternehmens gebunden. Während die Rückzahlung einer Anleihe oder eines Zertifikats von der Kreditwürdigkeit des Emittenten abhängt, stehen Gold keine Schulden gegenüber. Der Besitz von physischem Gold ist eine Versicherung gegen Geldentwertung und fallende Vermögenspreise zugleich. Als Notfallreserve gehört Gold in jedes Depot.

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    Das bedeutet aber nicht, dass der Goldpreis nicht zeitweise fallen kann. Auch bei Gold mischen Spekulanten mit, gibt es Überhitzungen und heftige Korrekturen. Gefragt sind dann Steherqualitäten.

    Behutsam öffnet die alte Dame ihre kleine Schatulle. „Was geben Sie mir für meine Münzen?“ Ganß von Pro Aurum prüft die gut 33 Gramm schweren Krügerrand, rechnet zusammen: „Genau 6550,50 Euro.“ Die Kundin ist zufrieden: „Ich verkaufe.“

    Der Goldpreis jagt von Rekord zu Rekord – und trotzdem steigt sie aus? „Gerade deshalb. Wer weiß, ob ich so viel noch mal dafür bekomme“, sagt die 73-Jährige, setzt ihr Hütchen auf und verlässt erhobenen Hauptes den Kassenraum.

    „Auf einen Käufer kommen bei uns derzeit drei Verkäufer“, sagt Ganß. Viele sehen nach fast drei Jahrzehnten ihre Einstandspreise wieder – zumindest nominal und in Dollar gerechnet. Wenn aber Kaufkraftverluste mit einkalkuliert werden, dann fehlen bis zum alten Goldpreis-Hoch von 1980 noch gut 1000 Dollar. Doch solche Feinheiten interessieren nicht, jetzt wird verkauft – weg damit. Wie vor der Jahrtausendwende bei Technologiewerten sprangen auch in den Siebzigerjahren beim Gold viele Privatanleger zu spät auf den Zug. Erst heute kommen sie aus der Verlustzone – und steigen aus.

    Vor allem die Kreditexzesse der vergangenen Jahre haben den Goldpreis nach oben gebracht: Dank der lockeren Geldpolitik der Notenbanken stieg der Anteil der Kredite am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA von 150 Prozent im Jahr 1969 auf aktuell 340 Prozent. Das Risikobewusstsein der Investoren schwand dahin. Sie konnten sich ja problemlos weiter verschulden und Zinsen auf bestehende Kredite durch neue Schulden bezahlen.

    Ernst wird es erst, wenn der monetäre Treibstoff knapp wird und Schuldner nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bedienen. Aus dem Desaster der US-Immobilien drohte eine deflationäre Abwärtsspirale zu wachsen, die auf andere Anlagemärkte und die Realwirtschaft übergreift.

    2002, als Ben Bernanke noch freier sagen konnte, was er dachte, hielt der heutige US-Notenbankchef vor dem National Economics Club in Washington eine Rede, die sich im Nachhinein liest wie eine Empfehlung zur Goldanlage: „Wie Gold haben US-Dollar nur in dem Maße einen Wert, wie sie in ihrem Angebot strikt limitiert sind. Aber die US-Regierung hat eine Technik, nämlich die Druckerpresse, was es ihr ermöglicht, so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie wünscht, und dies praktisch zu Nullkosten.“ In einem Papiergeldsystem ohne Edelmetalldeckung könne die Regierung jederzeit die Ausgaben erhöhen und somit eine positive Inflation schaffen.

    Gold lässt sich nicht beliebig vermehren. Beim Papiergeld aber läuft die Inflationierung; die Druckerpressen der Zentralbanken rotieren. „Die kombinierte fiskal- und geldpolitische Konjunkturstimulation in den USA ignoriert die Anstiege an der Preisfront“, sagt Jochen Hitzfeld, Goldexperte bei UniCredit in München. Mit der Brechstange kappte Notenbankchef Bernanke den US-Leitzins im Januar binnen einer Woche von 4,25 auf 3,0 Prozent. Dazu passierte das von US-Präsident George W. Bush vorgeschlagene 168 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm im Rekordtempo den US-Kongress. Die Schecks aus Washington bringt der Postbote im Mai unters US-Wahlvolk. „Die Maßnahmen werden helfen, eine Rezession zu verhindern“, glaubt Thomas Straubhaar.

    Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts sieht mit den US-Maßnahmen zugleich die nächste Blase anschwellen, die irgendwann platzen wird. Schon sagen die Analysten der Citigroup einen neuen Zyklus globalen Kreditwachstums voraus, der einen Abwertungswettlauf unter den Papierwährungen nach sich ziehen werde. Europa und Asien werden nicht ewig tatenlos zusehen, wie ein weiter fallender Dollar die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Unternehmen bedroht und den Wert ihrer Dollar-Reserven mindert. Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen zu senken, ist gewachsen.

    Am Ende dürfte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nachgeben. Schon nach der letzen EZB-Ratssitzung verzichtete er auf den Hinweis, die EZB sei bereit, „präventiv“ zu handeln, um die Preisstabilität zu sichern. Dafür ließ Trichet Konjunktursorgen durchblicken. Im Jargon der Zentralbanker werden so Zinssenkungen vorbereitet, welche die Inflationsgefahr weiter treiben.

    Schon heute wachsen die Papiergeldmengen in den USA und der Euro-Zone zweistellig. Die breite Geldmenge M3 stieg im Dezember in der Euro-Zone um 11,5 Prozent – weit stärker, als es der EZB-Zielwert von 4,5 Prozent vorsieht. M3 wird seit 2006 nicht mehr von der US-Notenbank veröffentlicht – ihre Erhebung sei angeblich zu kostspielig. Der unabhängige US-Statistiker John Williams aber hat M3 mithilfe offiziell zugänglicher Daten rekonstruiert und kommt für die USA auf eine Jahresrate von mehr als 15 Prozent.

    Williams misstraut auch den offiziellen US-Inflationszahlen. Wenn heute noch mit den statistischen Methoden aus dem Jahr 1980 gearbeitet würde, dann läge die US-Inflationsrate nicht bei den für Dezember ausgewiesenen 4,1 Prozent, sondern bei fast 12 Prozent, sagt Williams.

    Bei einem Leitzins von 3,0 Prozent und einer Rendite von 3,7 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen zahlen Zinsanleger, selbst nach den offiziell gemeldeten US-Inflationsdaten, heute kräftig drauf. Gold bringt zwar keine Zinsen. Ein Kilo wiegt aber auch nach einem Jahr immer noch 1000 Gramm.

    Am rasantesten stieg der Goldpreis bisher immer in Phasen geringer oder negativer Realverzinsung, das heißt immer dann, wenn die Inflationsrate deutlich über den gezahlten Zinsen lag. Da mit steigenden Zinsen vorerst nicht zu rechnen ist – der Terminmarkt wettet, dass die Fed den Leitzins weiter herunterschraubt – werden die Realrenditen in den nächsten Monaten kaum nennenswert steigen.

    Neben Inflationsangst treibt vor allem die Nachfrage aus Schwellenländern den Goldpreis. In den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens können sich immer mehr Menschen Schmuck, Münzen und Barren leisten. So ist die Nachfrage Chinas seit der Liberalisierung des Goldmarktes 2002 auf inzwischen fast 300 Tonnen pro Jahr gestiegen. Zuvor waren dort Handel und Privatbesitz von Gold verboten. Indien ist mit mehr als 700 Tonnen Jahresnachfrage der größte Goldmarkt der Welt. Goldbesitz gilt dort als Lebensversicherung für Ehefrauen und dient der Altersvorsorge. Im Westen aber haftet Gold immer noch etwas Exotisches an — ein Fehler.

    Gold besser als Aktien

    Acht Euro verlangt Elmar Simon für seine Currywurst. „Läuft super“, sagt der Besitzer der Curry-Company aus Paderborn. Okay, der Mann ist Sternekoch – aber acht Euro? Nun: Die Wurst ist mit feinstem Blattgold überzogen. Als Lebensmittelfarbe heißt Gold „E 175“. Gold ist ungiftig, reichert sich im Körper nicht an und wird wieder ausgeschieden. Vor zwei Jahren hätte Simon seine Gold-Wurst noch für vier Euro anbieten können. Jetzt werden die Teile eher teurer. Ein Wettbewerber in Lübeck will schon 9,90 Euro für die Currywurst – allerdings mit Pommes.

    Das meiste Gold wird in der Schmuckindustrie verarbeitet. Klar:„Gold hat für jeden etwas Magisches. Die Mystik ist ungebrochen“, sagt der Düsseldorfer Georg Hornemann, weltweit einer der gefragtesten Juweliere.

    Den Daten von GFMS zufolge, einem auf Metalle spezialisierten britischen Beratungshaus, verarbeiteten Juweliere 2007 weltweit 2407 Tonnen Gold, rund 63 Prozent des weltweiten Goldangebots. Die restliche Nachfrage verteilte sich auf die Industrie, Zahntechniker, Goldinvestoren und Goldminen, die in der Vergangenheit eingegangene Lieferverpflichtungen schließen, weil sie mit einem weiter steigenden Goldpreis rechnen.

    Das Goldangebot schrumpfte im Vorjahr um 3,3 Prozent auf 3827 Tonnen. 895 Tonnen waren recyceltes Altgold, 488 Tonnen warfen die Notenbanken weltweit auf den Markt, rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. 2444 Tonnen wurden aus Bergwerken herausgeholt. Trotz des Preisanstiegs stagniert die weltweite Minenproduktion. Im wichtigsten Förderland Südafrika wurden 1970 noch 1000 Tonnen pro Jahr gefördert, 2007 waren es nur noch 272 Tonnen und 2008 werden es noch weniger sein. Weil Strom knapp ist am Kap, mussten die südafrikanischen Minen die Förderung im Januar für fünf Tage unterbrechen.

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      Weltweit haben die steigenden Preise für Material, Energie und Logistik die Kosten der Minen in die Höhe getrieben. Zudem fehlen neue Vorkommen mit hohem Goldgehalt im Gestein. „Mit einer raschen Ausweitung der Produktion ist auch bei einem Goldpreis von 900 Dollar nicht zu rechnen“, glaubt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank.

      Vom ersten Goldfund bis zur Aufnahme der kommerziellen Produktion einer Goldmine vergehen mindestens sieben Jahre, Tendenz steigend. Projekte verzögern sich wegen langwieriger Zulassungsverfahren und drastischer Umweltschutzauflagen; in politisch instabilen Regionen schrecken Goldproduzenten wegen mangelnder Rechtssicherheit vor den hohen Investitionen zurück. Gerade für kleinere Minengesellschaften haben sich die Finanzierungsbedingungen in der Kredit- und Börsenkrise erheblich verschlechtert.

      „Es ist gut möglich, dass die weltweite Fördermenge überhaupt nicht mehr steigt“, sagt UniCredit-Analyst Hitzfeld. Nach Angaben des US Geological Survey betragen die wirtschaftlich abbaubaren Goldreserven auf der Welt noch 42.000 Tonnen. Gemessen an der aktuellen Jahresförderung der Minen reichten die Vorkommen noch rund 17 Jahre. Rechnet man dazu noch 50.000 Tonnen, die zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik noch nicht förderbar sind und die 160 000 Tonnen, die bisher auf der Welt gefördert wurden, dann kommt man auf 252 000 Tonnen. Das war’s. Mehr Gold gibt es nicht und wird es auch nie geben – es sei denn, die Menschheit findet welches auf anderen Planeten.

      Die Förderung fast aller Rohstoffe folgt einer glockenförmigen Kurve. Sie erreicht ihren oberen Scheitelpunkt dann, wenn die Hälfte der Vorkommen gefördert wurde. Hitzfeld von UniCredit hat nachgerechnet. Ergebnis: „Der Scheitelpunkt der Kurve fiel ins Jahr 2001 bei einer Jahresförderung von 2550 Tonnen Gold.“ Nach seinem Modell verlässt die Goldproduktion die obere Region der Glockenkurve und beginnt nun allmählich zu fallen. Aus den Minen wird keine Goldschwemme mehr kommen. Doch Gold bleibt ewig. Anders als Öl und Kohle wandert Gold nicht nach Verbrauch in die Atmosphäre. Auch kleinste Mengen gehen nicht verloren.

      Zwölf Kilo Zahngold klaubten drei Arbeiter des Hofer Krematoriums aus der Asche von Verstorbenen. Das Amtsgericht Hof sprach sie vom Vorwurf der „Störung der Totenruhe“ frei. Richter des Oberlandesgerichts Bamberg hoben das Urteil jetzt auf. Bis Ende 2006 kassierten die Verkäufer für die alten Kronen rund 50 000 Euro. Die Leichenfledderer haben zu früh verkauft: Heute würden sie mindestens das Doppelte bekommen.

      Notenbanken und Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) hielten Ende 2007 noch 29 955 Tonnen Gold mit einem Marktwert von aktuell 890 Milliarden Dollar.

      Das Gold stammt noch aus Zeiten, als die Ausgabe von Papiergeld mit Gold gedeckt sein musste. Was davon tatsächlich noch in Form von Barren in den Tresoren der Notenbanken lagert oder bereits über Goldleihegeschäfte am Markt verkauft wurde, ist umstritten. Noch 1998 tauchte als erster Aktivposten in der Bundesbankbilanz der Posten „Gold“ auf. Heute heißt es dort: „Gold und Goldforderungen.“

      Die Bilanz hielte vermutlich keiner Bilanzprüfung stand, weil sie in einer Position Goldeigentum mit Goldforderungen vermischt. Goldbarren können nicht pleitegehen, Goldschuldner sehr wohl. Trotzdem: Theoretisch könnten Zentralbanken oder der IWF den Goldmarkt fluten und so den Preis drücken.

      Im zweiten „Washington Agreement on Gold“, das seit dem 27. September 2004 in Kraft ist, vereinbarten 15 europäische Notenbanken, über fünf Jahre jeweils bis zum 26. September des Folgejahres höchstens 500 Tonnen Gold pro Jahr zu verkaufen. Bisher blieben die Notenbanken unter dem selbst gesetzten Limit. Gerechtfertigt wurde der Verkauf von Zentralbankgold immer damit, dass Gold den Notenbanken und damit den Staaten keine laufenden Erträge und keine Wertsteigerungen bringe.

      Doch das Argument zieht nach dem Goldpreisanstieg der letzten Jahre nicht mehr. Die Notenbanken Großbritanniens, der Schweiz und der Niederlande müssen sich heute peinliche Fragen gefallen lassen, warum sie zwischen 1999 und 2004 zusammen 1750 Tonnen zu Tiefstpreisen verscherbelt haben.

      Weil Gold ein Krisenindikator ist, sind Notenbanker und Politiker gerade in Phasen, in denen die Finanzmärkte bedrohlich wackeln, nicht an einem steigenden Goldpreis interessiert. „Es fällt schon auf, dass die Notenbankverkäufe oder Berichte über geplante Verkäufe immer dann auftauchen, wenn der Goldpreis Stärke zeigt“, sagt Commerzbank-Experte Weinberg.

      Die Angst vor einer Goldflut aus den Tresoren der Notenbanken ist trotzdem übertrieben. Die russische Zentralbank etwa kaufte, um nicht zu sehr vom Dollar abhängig zu sein, seit August 2006 immerhin rund 60 Tonnen. Insgesamt halten die internationalen Notenbanken noch ein Zehntel ihrer Devisenreserven in Gold. Wollten nur China und Japan den Goldanteil an ihren Währungsreserven an den weltweiten Durchschnitt anpassen, müssten sie mehr als 8000 Tonnen Gold zukaufen. Diese Menge lagert in Fort Knox und unter dem Pflaster von New York.

      Die USA hüten mit 8134 Tonnen vor Deutschland mit 3417 Tonnen und dem IWF (3217 Tonnen) den größten Goldschatz der Welt – und lehnen Goldverkäufe bisher strikt ab. Am Veto Washingtons scheiterte vor zwei Jahren der Vorschlag Großbritanniens, die Goldreserven des IWF für den Schuldenerlass der 27 ärmsten Entwicklungsländer anzugreifen. Der jüngste Vorstoß der G7 in Tokio, den IWF über Goldverkäufe zu sanieren, könnte ebenfalls im US-Kongress abgeschmettert werden. Die USA verfügen im IWF über eine Sperrminorität.

      Amerika sorgt vor. Als Goldanhänger offenbarte sich einst auch der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan: „Gold ist das ultimative Zahlungsmittel auf der Welt, Gold wird überall akzeptiert.“ Vielleicht brauchen die USA die Notfallreserve doch wieder, so wie es der 1995 verstorbene Ökonom und WirtschaftsWoche-Herausgeber Wolfram Engels prognostizierte: „Irgendwann wird wohl erkannt, dass man zu konvertiblem Geld zurückkehren muss, zu einem Geld also, das, wie die Goldwährung, ein festes Schuldversprechen verkörpert.“

      Wenn nichts mehr geht und niemand mehr den weichen Dollar haben will, macht Amerika einen Schnitt und koppelt seine Währung an das in Fort Knox angehäufte Gold. Der Rest der Welt, der durch Kauf von US-Devisen die US-Schuldenmacherei finanziert hat, schaut in die Röhre. Noch ist das alles Verschwörungstheorie. Aber auch sie spricht nicht für einen langfristig fallenden Goldpreis.

      Goldsucher müssen nicht nach Südafrika reisen. „Gold liegt auch am Rhein“, weiß Franz-Josef Andorf. Von Mai bis September bietet der Schwarzwald-Bewohner 23 Goldwäscher-Kurse an. Viele sind schon ausgebucht. „Wenn man einmal Gold in seiner Pfanne gesehen hat, dann kann man nicht mehr aufhören“, sagt Andorf. Die Deutsche Goldsuchervereinigung in Goldkronach hat 160 Mitglieder. Die meisten treibt aber eher die Faszination des gelben Metalls als Gewinnsucht. Sie finden auch keine Nuggets, sondern allenfalls feine Blättchen, die vom Rhein seit Jahrtausenden in Richtung Schwarzwald geschoben werden.

      Wer Gold nicht finden, sondern kaufen will, sollte weltweit bekannte und akzeptierte Goldprodukte wählen, deren Preise nahe am rechnerischen Goldwert notieren. Martin Siegel, Berater des Goldminenfonds PEH-Q-Goldmines und mit der Edelmetallhandelsgesellschaft Westgold selbst im An- und Verkauf von Gold aktiv, hält eine Aufteilung je zur Hälfte in gängige Ein-Unzen-Münzen wie dem Krügerrand und in Barren ab einem Gewicht von 100 Gramm für sinnvoll. „Barren bieten sich als Grundstock an, die kleiner gestückelten Münzen lassen sich im Bedarfsfall besser versilbern.“

      Vom Unzenstück des Krügerrand wurden bis heute mehr als 50 Millionen Stück aufgelegt. Das garantiert ausreichende Handelbarkeit. Für Gold fällt, anders als bei Silber, keine Mehrwertsteuer an. Auch beim Goldkauf lohnt der Preisvergleich (siehe Tabelle Seite 128). Selbst die Konditionen in unterschiedlichen Filialen einer Bank weichen manchmal voneinander ab.

      Die Banken haben sich immer mehr aus dem Goldgeschäft mit Privatkunden zurückgezogen – zu viel Aufwand. In die Lücke sind Händler wie Pro Aurum oder Siegels Westgold gestoßen. Mittlerweile können Goldanleger bei den Händlern Barren und Münzen auch per Mausklick ordern. Bei einem Bestellwert von bis zu » 20 000 Euro berechnet etwa Pro Aurum 19 Euro für den versicherten Transport.

      Wohin mit Barren und Münzen? Bankschließfächer sind nicht teuer. So kostet ein kleines Fach mit 3,5 Liter Fassungsvermögen bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) 25,60 Euro Jahresmiete. Es bietet Platz für 48 Kilobarren Gold im Wert von fast einer Million Euro. Allerdings haftet die Haspa nur bis zu einer Summe von 20 000 Euro je Fach. Anleger sollten sich bei ihrer Bank über den Versicherungsschutz informieren und wenn nötig höhere Werte zusätzlich versichern. Goldbesitzer, die Barren und Münzen lieber daheim im Tresor aufbewahren, müssen die Hausratversicherung anpassen. Wichtig auch: Der Geldschrank muss den von der Versicherung verlangten Standards entsprechen.

      Banken empfehlen statt physischem Gold gern Zertifikate auf den Goldpreis. Dann müsse man kein Gold teuer einlagern und gegen Diebstahl versichern. Außerdem seien Zertifikate besser handelbar.

      Leider fehlt diesem Papiergold nicht nur optisch der Glanz: Goldzertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen und damit eine Forderung gegen den Emittenten. Verschlechtert sich dessen Bonität, oder geht er pleite, läuft auch der Besitzer eines Zertifikats Gefahr, Teile seines Einsatzes oder alles zu verlieren. Anders als Investmentfonds und börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) gehören Zertifikate nicht zum Sondervermögen, das im Konkursfall geschützt ist – so unwahrscheinlich der bei einer großen Bank auch sein mag.

      Eine Alternative zu Zertifikaten sind ETFs, die Anlegergelder tatsächlich in Gold stecken und die Barren von einem Treuhänder verwahren lassen. ETFs sind eine charmante Idee, zumal sich Anleger das Gold auch ausliefern lassen können. Das allerdings ist ein bürokratischer Kraftakt, der sich über Tage hinzieht und am Ende teurer wird als der direkte Kauf am Schalter.

      Nicht jede neue Goldkreation, die so aussieht, ist auch ein ETF. So kaufen Anleger mit Xetra-Gold und Lyxor GBS sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs). Auch die aber sind Inhaberschuldverschreibungen. Einen echten Gold-ETF hat die Zürcher Kantonalbank im Programm.

      Der Einwand ist berechtigt, dass sich ETFs und ETCs an der Börse bequemer und günstiger handeln lassen als physisches Gold. An Börsen-Crashtagen, wie zuletzt im Januar, könnte es aber auch hier mal haken. Kurzum: Anlegern, die auf kurzfristige Bewegungen des Goldpreises setzen wollen, ist das Zocken mit Barren nicht zu empfehlen. Doch je länger der Anlagehorizont reicht, umso matter schimmern die alternativen Goldprodukte.

      Die neuen Gold-Anlagevehikel bringen immerhin echte Goldnachfrage, die sich, seit die ersten Produkte aufgelegt wurden, auf rund 900 Tonnen addiert. Doch der Anteil von Gold in den Portfolios der Anleger ist immer noch sehr gering. Hitzfeld von UniCredit: „Der Wert des überirdischen Goldes entspricht nur neun Prozent der Weltaktienmarktkapitalisierung, 1987 waren es 35 Prozent.“

      Dabei läuft Gold seit Jahren besser als Aktien – und so wird es wohl auch noch ein paar Jahre bleiben. Das jedenfalls signalisiert die sogenannte Dow/Gold-Ratio. Die Kennzahl lässt sich einfach ermitteln, indem der aktuelle Stand des US-Aktiendurchschnitts Dow Jones durch den aktuellen Goldpreis in US-Dollar geteilt wird. Fällt die Rate, läuft Gold besser als US-Aktien – und umgekehrt.

      Über die absolute Preisentwicklung ist damit zwar nichts ausgesagt. Doch das Konzept hat sich als hervorragender langfristiger Indikator erwiesen. Aktien hätten ihren Nimbus als überlegene Anlageform verloren, lautete im Juni 2002 das Fazit der WirtschaftsWoche (Heft 27/2002). Der aktuelle Zwischenstand: Die Dow/Gold-Ratio fiel seither von 35 auf unter 14. Gold in Dollar hat sich seither fast verdreifacht, in Euro annähernd verdoppelt. Der Dow stieg nur um 30 Prozent. Auch der Dax (plus 60 Prozent) konnte nicht mit Gold mithalten.

      Für Vergangenes kann man sich heute zwar nichts kaufen. Doch die bisherigen Abwärtszyklen der Dow/Gold-Ratio endeten erst bei Werten zwischen 3 und 1. Nimmt man die 3 als Mindestziel, dann darf spekuliert werden, wie es denn erreicht werden könnte. Varianten: Der Dow bleibt bei 12.000, Gold steigt auf 4000 Dollar; der Dow steigt auf 18.000 Punkte, Gold geht bis auf 6000 Dollar. Die Rechenspiele zeigen: Die Welt muss nicht untergehen, und die Aktienmärkte müssen nicht ins Bodenlose fallen, damit Gold weiter steigt.

      Zwischenzeitlich kann aber auch der Goldpreis fallen. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Monate notiert die Feinunze gut 20 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Die Nachrichten über geplante IWF-Goldverkäufe könnten viele Spekulanten nervös machen und Gewinnmitnahmen provozieren. Sie haben an der New Yorker Terminbörse Comex inzwischen rekordhohe Netto-Kaufpositionen im Volumen von rund 680 Tonnen angehäuft. Die Menge entspricht gut einem Viertel der weltweiten Minenproduktion.

      Auch die physische Nachfrage droht in den nächsten Monaten einzubrechen. Indien etwa meldete für Januar den vierten Monat in Folge fallende Goldimporte und rekordhohe Goldverkäufe von Privatleuten. In der Vergangenheit folgte einem schnellen und steilen Goldpreisanstieg stets ein vorübergehender Einbruch der physischen Nachfrage aus der Schmuckindustrie und nach Barren und Münzen. „Das Goldpreisniveau wird von den Juwelieren als zu teuer empfunden und erst wieder als normal akzeptiert, wenn sich der Goldpreis mehrere Monate auf einem neuen Niveau behaupten kann“, erklärt UniCredit-Analyst Hitzfeld. Anleger sollten den Goldanteil an ihrem liquiden Vermögen deshalb nicht gleich auf den empfehlenswerten Richtwert von 10 bis 20 Prozent hochfahren.

      Kurz vor Erreichen der runden Marke von 1000 US-Dollar könnte nicht nur in Indien, sondern weltweit das Altgoldangebot zunehmen, getrieben von Szenen wie dieser: „Oh, hast du das gelesen, Schatz. Gold kostet 1000 Dollar! Lass uns Omas alten Schmuck zu Geld machen, den trägst du ja doch nicht.“ Aus Omas eingeschmolzenen Klunkern lassen sich dann prima Barren formen. Weitsichtige Anleger legen sich diese dann in den Tresor.

      Man kann ja nie wissen.

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