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Schutz gegen Hackerangriffe Cyber-Versicherungen wachsen rapide

Bei Cyberattacken decken herkömmliche Policen die Sachschäden oftmals nicht ab. Der Versicherungsschutz im Netz befindet sich noch in den Kinderschuhen. Doch der Markt wächst.

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Wie Unternehmen ihre IT-Systeme schützen können
Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum im Gebäude des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik Quelle: REUTERS
Eine Viren-Warnung auf einem Computer-Bildschirm Quelle: dpa
Ein Mann ist via WLAN mit seinem Laptop im Internet Quelle: dpa
Kabel an einem Server Quelle: dpa
Ein E-Mail-Postfach Quelle: AP
Eine Frau vor einem Computer Quelle: REUTERS
Eine Hand hält einen USB-Stick Quelle: dpa

Die stark zunehmenden Hackerangriffe wecken bei internationalen Konzernen das Bedürfnis nach Versicherungsschutz. "Das Geschäft ist noch verhältnismäßig klein, doch es wächst rapide", sagte Michael Kerner, Chef der Sachversicherungssparte beim Versicherungskonzern Zurich Insurance Group, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sehen wachsende Nachfrage nach Information rund um Cyber-Sicherheit, wir sehen steigende Nachfrage nach Risk Engineering und wir sehen zunehmende Nachfrage für Versicherungsprodukte in diesem Bereich."

Angriffe auf IT-Netze ließen sich kaum vermeiden, erklärte Kerner. "Wenn sie ein großes Unternehmen sind, ist es keine Frage ob, sondern wann sie irgendeine Art Problem mit Cybersicherheit haben." Doch die Folgen ließen sich mildern, auch durch Versicherungsschutz. Denn herkömmliche Policen deckten Haftungsansprüche, Bußgeldzahlungen und Sachschäden, die aus Cyberattacken herrührten, üblicherweise nicht ab.

Fälle wie etwa der Diebstahl von Millionen Kundendaten beim japanischen Elektronikkonzern Sony durch Hacker illustrieren die Bedeutung des Themas Internetkriminalität. In der EU gibt es Bestrebungen, die Strafen für Unternehmen, die sich nicht vor Cyberangriffen schützen, zu verschärfen. Zurich-Rivale Allianz hatte jüngst vor neuen Risiken durch die Auslagerung von Datenspeichern (Cloud Computing) und durch eine Vielzahl nationaler Rechtsvorschriften gewarnt, mit den Unternehmen wegen ihrer globalen Internet-Präsenz konfrontiert sind. Auch Europas Branchenprimus rechnet sich neue Geschäftschancen durch dieses Bedrohungsszenario aus.

Wenn es um Wachstum geht, setzt Kerner vor allem auf die Schwellenländer. "Wir sehen dort wirtschaftliches Wachstum und eine zunehmende Durchdringung mit Versicherungen. Beide Komponenten spielen eine sehr wichtige Rolle für das Wachstum der Nichtleben-Versicherung in einigen dieser Märkte." Potenzial verspreche vor allem Lateinamerika, wo der Konzern durch das Joint Venture mit der spanischen Bank Santander gut aufgestellt sei. "Für uns ist das ist eine tolle Plattform, um Produkte über die Bank an deren Kunden abzusetzen", erklärte Kerner. Weiter vorausgedacht werde die aufgebaute Infrastruktur Zurich bei Geschäft helfen, das außerhalb des Bankenvertriebs abgeschlossen werde. Anlaufkosten schrecken Kerner nicht. Die gehörten dazu, wenn man in einen Markt expandiere. "Tatsächlich sind wir recht zufrieden mit der Rentabilität in Lateinamerika", sagte er.

Die Versicherer ächzen unter niedrigen Zinsen

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Präsenz zeigen will der Konzern zudem in der Region Asien-Pazifik, in China, im Mittleren Osten und in Osteuropa. "Wir haben natürlich Pläne für ein organisches Wachstum in den Wachstumsmärkten. Aber wir sind auch offen, Akquisitionen zu erwägen, wenn diese Sinn machen", sagte Kerner. Vom disziplinierten Ansatz im Hinblick auf Zukäufe, für den Zurich bekannt ist, will Kerner nicht abweichen. "Aber natürlich sind wir bei der richtigen Transaktion zu den richtigen Konditionen aufgeschlossen."

Zurich erzielt in der Nichtleben-Versicherung rund 15 Prozent seiner Prämieneinnahmen in den Schwellenländern. Die Sparte steuert zwei Drittel der Prämieneinnahmen des Konzerns - 54 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr - und rund die Hälfte des operativen Gewinns bei. Der 47-jährige US-Amerikaner Kerner arbeitet seit 1992 für den Konzern. Seit vergangenem September zeichnet der ausgebildete Aktuar für den Geschäftsbereich General Insurance verantwortlich.

Langfristig sieht Kerner auch in den Industrieländern Wachstumschancen. In den USA ziehe das Geschäft im Sog der Wirtschaftserholung bereits an. Im rezessionsgeplagten Europa dagegen seien manche Märkte, etwa Italien oder Spanien, eine Herausforderung. "Langfristig sind wir aber auch für die entwickelten Märkte optimistisch."

Von einer raschen Wende hin zu höheren Zinsen geht Kerner nicht aus. Weltweit ächzen Versicherer unter den rekordtiefen Zinsen infolge der Finanzkrise. Anlagen wie Anleihen, in die im großen Stil investiert wird, werfen deswegen kaum noch Ertrag ab. Die Branche hat daher in den letzten Jahren das Versicherungsgeschäft konsequent auf Gewinn getrimmt. Zurich konnte in den letzten Jahren trotz immenser Zahlungen für verheerende Erdbeben, Überschwemmungen und Hurrikans den Schadenkostensatz zum Teil deutlich unter 100 Prozent halten - der Schwelle, bis zu der Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt sind.

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