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Schwellenländer "Indien bereitet Sorge"

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Börsenkurse in Shanghai Quelle: AP

Gelingt es, im Gegenzug den Konsum in den Schwellenländern schnell genug hochzufahren?

Ich bin nicht so pessimistisch wie die meisten Menschen derzeit. Nimmt man alle Schwellenländer zusammen, wächst der Konsum konstant und nähert sich dem Niveau der westlichen Welt an. Das reicht natürlich noch nicht. Aber es gibt in den Schwellenländern enormes Potenzial für weiteren Konsum. In Brasilien zum Beispiel haben nur zwei Prozent der Bevölkerung eine Hypothek abzuzahlen; in den meisten westlichen Ländern ist es fast die Hälfte der Bevölkerung.

Gelingt es ohne harte Währungsschnitte oder Hochinflation?

Das ist weniger eine ökonomische als eine politische Frage. Ökonomisch ist es gar nicht so schwierig. Die richtigen Rezepte sind weitgehend bekannt: Man muss den Großteil der künftigen Ausgaben verschieben und stunden. Kleine, aber sehr langfristige Maßnahmen bringen dabei viel mehr als sehr harte, aber kurzfristige Maßnahmen.

Konkret: Die Politiker sollten nicht das Autobahnprojekt x stoppen, um eine Milliarde Euro zu sparen, sondern über mittel- bis langfristigere Maßnahmen nachdenken, etwa das Renteieintrittsalter zu verlängern, wäre extrem wirksam. Aus vergangenen Krisen wissen wir, dass solche Langfrist-Anstrengungen geeignet sind, die Bondmärkte stark zu beruhigen. Aber sie sind unpopulär.

Was glauben Sie? Wird die Politik das ökonomisch Sinnvolle tun?

Die Anleihemärkte signalisieren im Moment leider das Gegenteil.

Wie groß ist die Gefahr, die von der Inflation in den Schwellenländern ausgeht?

Die Inflation ist noch fast überall unter Kontrolle – außer in Indien. Dort beobachten wir die zögerliche Haltung der Zentralbank, endlich bremsende Maßnahmen einzuführen, sehr genau. Die erste indische Inflationswelle kann man noch ganz gut mit hohen Nahrungsmittelpreisen erklären; die Monsunzeit hat zu Ernteausfällen geführt, ein lokales, temporäres Phänomen. Aber in Indien könnten zudem in einer zweite Welle die Energiepreise steigen, was den Markt sehr viel mehr verunsichern würde: Die Energiepreise muss man genau beobachten, sie sind die offene Flanke.

Und in den anderen Schwellenländern?

In fast allen Schwellenländern ist die Inflation unter Kontrolle, obwohl es dort kaum Einbrüche in der Kapazitätsauslastung gab, die ja bei uns im Westen gern als Erklärung für die nach wie vor starken deflationären Tendenzen hergenommen wird. China bremst gerade massiv, das wird spannend, es ist eine Gratwanderung, denn zu schnell darf die Regierung nicht bremsen, sonst steigt die Arbeitslosigkeit und es kommt zu sozialen Unruhen.

Im Moment blickt die Welt wegen der Fußball-WM auf Afrika. Für die meisten Investoren ist der Kontinent aber – anders als Lateinamerika und erst recht Asien – ein weißer Fleck auf der Landkarte. Läuft Afrika Gefahr, langfristig von Asien und Lateinamerika ganz abgehängt zu werden?

Nein, die Hinwendung der Investoren weltweit zu den Schwellenländern und damit der internationalen Kapitalströme beinhaltet auch für Afrika mehr Chancen als Risiken. Das Potenzial Afrikas ist enorm. Noch beschränken sich die meisten Investitionen des Auslands auf die Erschließung der afrikanischen Rohstoffe, vor allem China ist hier bekanntlich sehr aktiv. Doch das muss nicht so bleiben. Zwar konzentrieren sich 85 Prozent beispielsweise des liquiden Aktienvermögens noch immer auf Südafrika. Aber in Subsahara-Afrika kann man mittlerweile sehr gut via Johannesburg investieren.

Welche Unternehmen außerhalb des Bergbau- und Rohstoffbereichs sind interessant?

Vor allem schwarzafrikanische Banken, aber auch Einzelhandel und vor allem mobile Telekommunikation. MTN Telecommunications und Safari.com, die ein Bezahlsystem für Mobiltelefone entwickelt haben, sind zwei von Dutzenden hoffnungsvollen Beispielen für innovative schwarzafrikanische Geschäftsmodelle.

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