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Staatlich geförderte Altersvorsorge Die Riester-Lüge

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Die Riester-Rente lohnt sich für Sparer meist erst vom 90. Lebensjahr an Quelle: Daniel Stolle

Ein weiterer erheblicher Nachteil prinzipiell aller Rentenversicherungen: Die Versicherer kalkulieren mit hohen Lebenserwartungen – was dazu führt, dass die monatlichen Rentenzahlungen niedriger ausfallen. Versicherungsmathematiker Peter Schramm aus Kronberg im Taunus schätzt: „Bei den klassischen Rentenpolicen rechnen die Versicherungen mit zwei bis drei Jahren mehr Lebenserwartung als im Bevölkerungsschnitt, weil privat Rentenversicherte in der Regel besser verdienen und länger leben.“ Dass diese Praxis auch bei Riester gelte, sei unverständlich. Riester-Anbieter zielten nicht nur auf sehr gut verdienende Kunden ab, sondern auch auf Sparer mit geringen bis mittleren Einkommen, die statistisch oft unter der durchschnittlichen Lebenserwartung bleiben.

Die Unternehmen berufen sich darauf, dass ein Puffer bei den Lebenserwartungen notwendig sei, um auch in Zukunft lebenslang die versprochenen Renten auszahlen zu können. Sie stützen sich bei ihren Berechnungen auf die von der Deutschen Aktuarvereinigung, dem Zusammenschluss der Versicherungsmathematiker, vorgegebenen Richtwerte. Fest daran gebunden sind sie jedoch nicht.

Alternativen zur Rentenversicherung

Problematisch ist, dass die Versicherer von jedem Riester-Sparer profitieren, der früher als kalkuliert stirbt. Denn das verbleibende Guthaben fließt in den Topf der sogenannten Risikogewinne. Einen Großteil davon müssen die Versicherer zwar den noch lebenden Kunden gutschreiben, ein Viertel können sie im Todesfall jedoch behalten.

Immer mehr Anleger weichen angesichts der Nachteile der Rentenversicherungen auf Alternativen aus. Günstiger weg kommen sie beispielsweise, wenn sie sich für einen Riester-Banksparplan entscheiden. Diese Produkte werden bislang allerdings nur von wenigen Sparkassen und Volksbanken angeboten. Ein deutlich breiteres Angebot gibt es bei Fondssparplänen, die sich deshalb einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Der Anteil der Riester-Fondssparer stieg seit 2002 von 5 auf 20 Prozent.

Die Tücken der Riester-Fondssparpläne

Was viele Sparplan-Kunden jedoch nicht ahnen: Wer einen Sparplan wählt, bekommt immer auch eine Rentenversicherung. Zwar fließt die Rente bei Fonds- und Banksparplänen bis zum 85. Lebensjahr aus einem Entnahmeplan, also direkt aus dem angesparten Vermögen. 

Damit ein Riester-Sparer aber wirklich lebenslang seine Rente erhalten kann, schließen die Anbieter bei Rentenbeginn eine Rentenversicherung für ihn ab, die ab dem 85. Lebensjahr einspringt und die weiteren Auszahlungen übernimmt. Somit müssen auch Riester-Kunden, die sich bewusst gegen eine Riester-Rentenversicherung entschieden haben, mit genau deren Nachteilen leben.

Riester-Fondssparpläne sind außerdem nicht ohne Tücken. Da die Anbieter ihren Kunden zum Ruhestandsbeginn mindestens das eingezahlte Geld – also die selbst gezahlten Raten sowie die staatlichen Zulagen und Steuerboni – garantieren müssen, kann sie ein zwischenzeitlicher Kursrutsch an den Aktienmärkten dazu zwingen, Vermögen umzuschichten. Das bedeutet dann in der Regel, dass sie für die Kunden Aktien verkaufen und weniger risikoreiche Wertpapiere kaufen, etwa Pfandbriefe oder Staatsanleihen.

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