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Staatliche Förderung Riester-Rente? Nein danke

Der Bund fördert die private Altersvorsorge. Wann sich Riester- und Rürup-Rente lohnen, welche Nachteile sie haben.

Die Riester-Irrtümer
Finanzamtschild Quelle: dpa
Stift auf einer Steuererklärung Quelle: dpa
Ein Sparstrumpf Quelle: dpa
Mann zeigt das Innere seiner Hosentaschen Quelle: dpa
Eltern spielen mit ihrem Sohn Quelle: dpa
Vater und Sohn sitzen an einem Fluss Quelle: dpa
Besucher beim Kongress Altervorsorge 2011 Quelle: dpa

Es ist ein lockendes Geschäft: Schon 15,6 Millionen Riester-Sparer bekommen vom Staat Zulagen und profitieren von möglichen Steuervorteilen. Anspruch auf die Riester-Förderung haben vor allem die Pflichtversicherten in der Rentenversicherung und Beamte.

Wer nachrechnet, muss jedoch feststellen, dass die Förderung bestenfalls gut gemeint war. Das liegt an den hohen Gebühren vieler staatlich geförderter Altersvorsorge-Produkte und den komplizierten Regeln der geförderten Altersvorsorge selbst.

Am besten als Kredit

Riester-Sparer müssen sich allein zwischen fünf geförderten Produkten entscheiden: Rentenversicherung, Fonds- oder Banksparplan, Bausparvertrag oder Immobilienkredit. Die Unterschiede sind groß: Die Rentenversicherung ist teuer und unflexibel. Der Fondssparplan chancenreich, aber meist auch teuer. Der Banksparplan kostengünstig, aber niedrig verzinst. Der Bausparplan lohnt nur, wenn der Sparer später auch wirklich einen Immobilienkredit braucht. Dann aber können Kunden sich auch für die Kreditvariante entscheiden und ein Wohn-Riester-Darlehen wählen. Diese Kreditvariante lohnt fast immer.

Kernpunkte der Riester-Förderung

Viele Riester-Sparer denken, dass Kosten und Rendite der Vorsorgeprodukte zweitrangig sind; dank staatlicher Förderung kämen sie ohnehin auf satte Gewinne. Ein Irrtum. Zwar bekommen die Sparer jedes Jahr 154 Euro staatliche Zulage, pro Kind gibt es weitere 300 Euro (für vor 2008 geborene: 185 Euro). Außerdem dürfen die Sparer ihren gesamten Beitrag, sowohl Zulagen als auch Eigenbeitrag, von der Steuer absetzen. Vom errechneten Steuervorteil zieht das Finanzamt die ausgezahlten Zulagen wieder ab und erstattet den verbleibenden Betrag.

Nach Renteneintritt den Staat im Nacken

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

Doch im Gegenzug haben die Sparer den Staat im Ruhestand nicht mehr im Rücken, sondern im Nacken: Der Fiskus besteuert dann ihre komplette Rente – nicht nur die Erträge. Vorsorge-Sparer in Eigenregie kommen leicht auf höhere Einnahmen fürs Alter (siehe Tabelle).

Vorsorge-Sparer, die sich für eine Rürup- oder Basis-Rente entscheiden, dürfen ihre Beiträge nur von der Steuer absetzen. Anders als bei Riester aber nicht komplett: Aktuell berücksichtigt das Finanzamt 74 Prozent der Beiträge von maximal 20.000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben.

Riester im Eigenbau

Wer sein Geld selbst anlegt, bleibt flexibel und kommt später problemlos auf eine gleich hohe Auszahlung wie bei der Riester-Rente – auch ohne Förderung.

Musterfall: Sparer (40 Jahre), 52 500 Euro Brutto-Jahreseinkommen bis 67 Jahre,  im Ruhestand 26 250 Euro Rente und sonstige Einkünfte

Szenario: Per Riester-Vertrag sparen
Riester-Beitrag pro Jahr: 2100 Euro
davon selbst zu tragen: 1260 Euro
(nach Abzug von Zulage und Steuervorteil)1
garantierte Riester-Rente vom 67. Lebensjahr an: 

 

2945 Euro (brutto), 2091 Euro (netto)1 pro Jahr

Die Rente fließt...bis zum Lebensende
Szenario: Auf eigene Faust investieren
Einzahlung pro Jahr:1260 Euro
(entspricht dem aus eigener Tasche zu zahlenden Riester-Beitrag)
Angenommener Zinssatz:2,0 Prozent vor Steuern
(1,47 Prozent nach Abzug von 26,4 Prozent Abgeltungsteuer)
Sparguthaben mit 67 Jahren:41.404 Euro
Auszahlung ab 67 Jahre:pro Jahr 2091 Euro
(entspricht der garantierten Netto-Riester-Rente)
Die Rente fließt...bis zum Alter von 90 Jahren

Vorteile „Riester": Rente fließt lebenslang. Der Versicherer zahlt eventuell mehr als die garantierte Rente.

Vorteile „Auf eigene Faust“:  Schon bei zwei Prozent Rendite pro Jahr, kann sich der Sparer bis zum 90. Lebensjahr die gleiche Rente auszahlen, die er bei der Riester-Police nach Steuern bekommt. Schafft er drei ‧Prozent ‧Rendite, reicht das Geld bis 97 Jahre. Zudem bleibt der Sparer flexibel und kann ein Restguthaben vererben. 

Die angegebene Riester-Rente entspricht einem kostengünstigen aktuellen Angebot (Cosmos Direkt) ohne Berücksichtigung  der nicht garantierten Überschüsse; das Sparguthaben bei der Altersvorsorge auf eigene Faust wird während des Erwerbslebens und im Ruhestand verzinst.
1 Grundzulage von 154 Euro (wird auf Steuervorteil angerechnet) und zusätzlicher Steuervorteil von 686 Euro; Riester-Rente muss im Alter voll versteuert werden: Grenzsteuersätze: 40 Prozent (Erwerbsleben) und 29 Prozent (Ruhestand); Quelle: eigene Recherche, Stand: 22.10.2012

Der steuerlich abziehbare Anteil steigt jedes Jahr um zwei Prozentpunkte, von 2025 an sind es 100 Prozent. Auch die spätere Rente wird je nach Ruhestandsbeginn vorerst nur anteilig versteuert. Wer aber 2040 oder später seine erste Rente bekommt, muss sie dann voll versteuern. Außerdem wird die Rürup-Rente fast ausschließlich als Rentenversicherung angeboten, sodass hohe Kosten die Rendite weiter schmälern. Anders als Riester-Rentner haben Rürup-Rentner auch keine Wahl: Sie können sich ihr angespartes Guthaben nur als Rente auszahlen lassen.

Einmal Rürup, immer Rürup

In Arbeit
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Riester-Rentner kommen zu Ruhestandsbeginn wenigstens an 30 Prozent des Guthabens auf einen Schlag, ohne die Förderung erstatten zu müssen. Eine Kündigung ist bei der Rürup-Rente zudem ausgeschlossen. Wer einmal abgeschlossen hat und die Lust verliert, kann den Vertrag nur beitragsfrei stellen. Das eingezahlte Geld sieht er erst wieder, wenn er alt wird – möglichst sehr alt. n

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