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Stille Flucht So schützen Sie Ihr Vermögen

Wie Sie mit Gold Ihr Vermögen schützen und sich gegen steigende Preise für Öl und Nahrungsmittel absichern.

Gold-Barren Quelle: rtr

Sonntag früh in der Bäckerei Adolph in Köln-Weidenpesch. Wie immer bestellt Gregor Schmitz fünf Brötchen und fünf Croissants. „5,60 Euro“, sagt die Verkäuferin. Schmitz zahlt und steigt ins Auto. Die Tankanzeige blinkt, also noch rasch tanken; später will der 37-Jährige noch mit Frau und Kindern nach Bonn fahren, in die Kunsthalle. 73 Liter Diesel fasst der Tank des sieben Jahre alten Ford Galaxy: An der Zapfsäule blinken 96,36 Euro – und schon ist die Haushaltskasse um über 100 Euro leichter. Vor einem Jahr wären noch 19,38 Euro mehr darin gewesen. Brötchen haben sich seither um 7,7 Prozent verteuert, Diesel stieg um 24,5 Prozent.

Angesichts dieser Mehrausgaben fällt es dem Kölner schwer, den amtlichen Inflationsraten zu trauen: „Die stimmen nicht.“ So geht es vielen im Lande. Offiziell lag die Inflation 2007 bei 2,1 Prozent, selbst danach schrumpfte die Kaufkraft, weil die Nettolöhne nur um 1,4 Prozent stiegen.

Anleger und Verbraucher werden von zwei Seiten in die Zange genommen: Geldentwertung schmälert das liquide Vermögen; Preissteigerungen für Öl und Nahrung machen das Leben teurer. Da Einsparmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind – essen und heizen muss jeder –, ist Kreativität gefragt. Höhere Lebenshaltungskosten können zum Beispiel mit Investments ausgeglichen werden, die von steigenden Energie- und Agrarpreisen profitieren. Die WirtschaftsWoche stellt in einer dreiteiligen Serie neue Strategien gegen die Inflation vor.

Den besten Schutz vor Inflation bietet Gold – auch in der von minderwertigen US-Hypothekenkrediten ausgelösten Finanzkrise, die in einer neuen Welle gerade wieder das Bankensystem erschüttert. Um die Kreditklemme zu lösen, die Wirtschaft vor Rezession und die Finanzmärkte vor einer deflationären Preisspirale zu schützen, werfen die Zentralbanken die Notenpressen an. Milliardenschwere Liquiditätsspritzen, Leitzinssenkungen in den USA und die Absage weiterer Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank weisen den Weg – zu noch mehr Inflation.

Ben Bernanke, heute US-Notenbankchef, weiß das. Schon 2002 sagte er: „Wie Gold haben US-Dollar nur in dem Maße einen Wert, wie sie in ihrem Angebot strikt limitiert sind. Aber die US-Regierung hat die Druckerpresse, die es ihr ermöglicht, so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie wünscht, praktisch zu Nullkosten.“

Die Druckerpressen laufen, Gold aber bleibt limitiert. Seit 2005 steigt die Hartwährung Gold, in allen wichtigen Währungen der Welt gerechnet. Gold hat sich als stärkste Währung der Welt etabliert. Die rasantesten Aufwärtsbewegungen erlebte der Goldpreis bisher immer, wenn die Inflation schneller stieg als die Zinsen – und Sparern keine Vermögenszuwächse mehr ließ.

In den Siebzigerjahren, dem letzten Inflationsjahrzehnt, war es normal, ein Fünftel des Vermögens in Gold anzulegen. Damals wie heute sollte der Kern eines Goldinvestments aus physischem Gold bestehen. Die Wahrheit ist einfach: Gold geht nie pleite, Banken schon.

„Gold ist einer der wenigen Vermögenswerte, der an kein Zahlungsversprechen einer Regierung oder eines Unternehmens gebunden ist“, wirbt die Commerzbank für die Goldanlage. Infrage kommen vor allem Produkte, die nahe am Goldpreis notieren, also Barren ab 100 Gramm und gängige Ein-Unzen-Münzen wie der südafrikanische Krügerrand. Der Kauf ist, anders als beim Silber, seit 2000 in der EU von der Mehrwertsteuer befreit.

Inflationsschutz und Weltleitwährung

Die klarste Ansage zur Goldfrage machte der kanadische Vermögensverwalter Sprott Asset Management. Er schickte Kunden nach der US-Zinssenkung im September eine Studie: Auf der ersten Seite steht dort fett „BUY“, auf Seite zwei folgt „GOLD!“ Das war alles. Doch wohin geht die Reise beim Goldpreis? Kurzfristig sind Rückschläge nach spekulativen Überhitzungen möglich, schließlich ist der Wert seit Ausbruch der Finanzkrise im August um über ein Drittel gestiegen. 1000 Dollar je Unze sind in Sichtweite. Pierre Lassonde, ehemaliger Präsident des Goldkonzerns Newmont Mining: „Der Preis für Gold wird drei Nullen beinhalten, aber ich weiß nicht, welche Ziffer vorne stehen wird.“ Lassonde lag mit seinen Prognosen in der Vergangenheit meist goldrichtig. Auch Investmentlegende Marc Faber setzt weiter auf Gold – trotz des jüngsten Höhenflugs über das nominale Rekordhoch vom Januar 1980 bei 871 Dollar pro Unze. Faber: „Ich glaube, dass das Beste noch vor uns liegt. Die Blase bei Edelmetallen wird als letzte platzen.“ Zieht man die Kaufkraftverluste des Greenback seit 1980 ab, müsste sich der Goldpreis in Dollar bis zum alten Hoch sogar noch mehr als verdoppeln.

Familienvater Schmitz aus Köln hört das gern. Er hat Gold geerbt, das sich Schmitz senior ausgerechnet auf dem Höhepunkt des letzten Goldbooms zugelegt hatte. Doch eine Unze Gold wiegt auch heute noch so viel wie damals. In Gold aufgewogen relativiert sich sogar der nach oben geschossene Ölpreis. Seit 2000 verteuerte sich ein Fass Öl in US-Dollar um fast 300 Prozent, in Euro um rund 150 Prozent. In Gold gerechnet ist der Ölpreis fast unverändert geblieben.

Nur wenige Anleger haben Gold – alle aber müssen heizen, essen und Auto fahren. „Vor allem die hohen Preise für Öl und Nahrungsmittel sind eine schwere Belastung für die Verbraucher“, sagt Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America. Der Effekt der Mehrwertsteuererhöhung fällt 2008 zwar weg. Energie und Lebensmittel aber treiben die Preise weiter – trotz abflauender Weltkonjunktur. China braucht mehr Öl, politische Krisen treiben den Ölpreis in schöner Regelmäßigkeit (siehe Seite 20). Den Rest besorgen Spekulanten. Sie wissen, Öl ist knapp. „Seit 2005 stagniert die weltweite Erdölförderung“, sagt Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei Unicredit in München. Die Lücke zwischen Ölnachfrage und Produktion lasse sich „nur durch Lagerabbau und einen steigenden Ölpreis schließen“.

Wie können sich Anleger absichern? Zum Beispiel mit Zertifikaten, doch längst nicht alle hängen eng am Ölpreis. Während der Preis der Sorte Brent sich in zwölf Monaten verdoppelte, brachten handelsübliche Zertifikate auf den Ölpreis nur rund 50 Prozent. Reibungsverluste bei den Operationen der Zertifikate-Anbieter an den Terminbörsen und Währungsverluste wegen des schwachen Dollar – Öl, Gas und Agrarrohstoffe werden in Dollar gehandelt, Zertifikate notieren in Euro – fressen einen Großteil der Erträge.

Einen Ausweg bieten Zertifikate mit Währungssicherung. Mit 75 Prozent Plus in einem Jahr liegen sie schon wieder näher an der Ölpreiskurve. Schwieriger ist die Absicherung beim Gas. Die Gaspreise an den Terminmärkten entwickeln sich ganz anders als die Heizkosten in Deutschland. Wer sich gegen teures Gas schützen will, fährt mit Papieren auf Gas-Aktien besser, etwa mit Zertifikaten auf den Branchenindex Amex Natural Gas.

Gegen teure Nahrungsmittel ist ebenfalls ein Kraut gewachsen. Der Preisanstieg bei Milch, Weizen oder Mais dürfte nicht nur ein vorübergehender sein. „Seit Jahren wächst die Agrarproduktion langsamerals die Weltbevölkerung“, sagt Unicredit-Analyst Hitzfeld. 2030 werden statt 6,7 Milliarden etwa 8,3 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Um alle satt zu bekommen, müsste das Angebot an Agrarrohstoffen um rund ein Drittel steigen. Doch die jährlichen Zuwächse bei den Ernten sinken. Agrarrohstoffe werden knapper und „wegen ihres defensiven Charakters, das heisst weil sie von Aktienkursen unabhängiger sind, könnten ihre Preise sogar bei einer schwachen Weltkonjunktur weiter zulegen“, sagt Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoffresearchs bei der Commerzbank in Frankfurt.

In China und Indien, wo fast 40 Prozent aller Menschen leben, werden mit zunehmendem Wohlstand mehr Nahrungsmittel verbraucht. Zusätzlich zieht der Fleischkonsum an. Damit steigt der Bedarf an Weidegrund, was zulasten von Ackerland geht. Dieses aber wird benötigt für den Anbau von Nutzpflanzen als Tierfutter und zunehmend zur Produktion von Biosprit – eine Preisspirale. Anleger halten mit Anlageprodukten dagegen, die sich auf einen Korb von Agrargütern beziehen, etwa auf den Agrarindex von Dow Jones-AIG. Mit Gewinnen daraus könnte Familienvater Schmitz die gestiegenen Brötchenpreise von Bäcker Adolph ausgleichen.

Der Sonntag, der teuer begann, wurde für Schmitz noch gerettet. Die Ausstellung „Stille Flucht“ des Kölner Fotografen Boris Becker über das Volk der Saharauis aus der Westsahara kostete keinen Eintritt.

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