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Swap-Geschäfte Deutsche Bank haftet für Beratung

Der Bundesgerichtshof hat die Deutsche Bank wegen dem Verkauf riskanter Zinspapiere zu Schadensersatz verurteilt. Was die Entscheidung für Anleger bedeutet.

Ein Urteil gegen die Deutsche Bank könnte Privatanlegern die Tür für Schadensersatzforderungen gegen zahlreiche Banken öffnen: Der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte das Institut, gut 540 000 Euro Schadensersatz an das hessische Hygienetechnikunternehmen Ille zu zahlen – Geld, das der Mittelständler 2005 mit riskanten Zinspapieren (Spread Ladder Swaps) in den Sand setzte. Ille büßte bei der hochkomplexen Wette auf die künftige Zinsentwicklung rund eine halbe Million Euro ein. Eine zweistellige Zahl von weiteren Kommunen und Firmen verlor damit Geld.

Die Deutsche Bank habe ihre Beratungspflicht verletzt, urteilte der BGH ( XI ZR 33/10). Das Institut versäumte es, Kunden auf einen „schwerwiegenden Interessenkonflikt“ hinzuweisen: Für die Bank ist das Geschäft nur profitabel, wenn die Wette zum Nachteil des Kunden ausgeht. Mit dem Urteil schuf der BGH neue Beratungspflichten für Banken, die etliche Finanzgeschäfte betreffen, vor allem hochkomplexe Derivate.

Das Urteil ist daher für Privatkunden von Bedeutung: Bei Neuabschlüssen müssen „Banken Kunden ab sofort aufklären, wenn Produkte mit einem negativen Marktwert, also im Minus, starten“, sagt Klägeranwalt Jochen Weck von der Münchner Kanzlei Rössner. Verschiedene Banken hätten „Tausende solcher Produkte“ an Privatanleger verkauft. Wer schon investiert ist, sollte die gekauften Produkte prüfen: Ob man betroffen ist, erkennt man Weck zufolge an Briefen, die Banken während der Laufzeit verschicken. Die Bank errechnet den Marktwert und teilt ihn Kunden mit. „Wer Verluste verzeichnet, sollte seine Schäden geltend machen“, sagt Weck.

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